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    Würzburg

    Warum das Würzburger Geburtshaus umgezogen ist

    Unterfrankens einziges Geburtshaus ist umgezogen: Statt Parkplatzmangel und Treppensteigen gibt es in den neuen Räumlichkeiten nun mehr Lebensqualität, wie die Hebammen sagen.  Foto: Fabian Gebert

    Hohe Decken, warme Farben, helles Licht und viel Liebe zum Detail. Hier ein Strauß Blumen, dort selbst gestaltete Türschilder: Die Hebammen vom Geburtshaus haben sich reichlich Mühe gegeben, dass sich die Frauen und Familien in den neuen Räumlichkeiten wohl fühlen. Seit März nun sind die insgesamt zehn Frauen im neuen Haus in der Äußeren Aumühlstraße tätig.

    Es war kein leichter Weg bis dahin: Von der Finanzierung, über den Umbau, bis hin zum endgültigen Umzug wurden den Frauen teils schwere Steine in den Weg gelegt. So konnte der geplante Einzugstermin Mitte Februar beispielsweise nicht eingehalten werden. "Die Umbaumaßnahmen haben länger gedauert als erwartet, was mit Sicherheit auch daran lag, dass Handwerker zur Zeit schwer zu bekommen sind", sagt Stephanie Ott von der Hebammengemeinschaft. So konnte der Umzug erst sechs Wochen später als geplant, am 22. und 23. März, stattfinden.

    Da die Rücklagen nicht ausgereicht haben, haben die Hebammen andere Wege beschritten

    Vor allem finanziell war der Umzug bis zuletzt nicht in trockenen Tüchern. "Die von der Stadt versprochene Fördersumme, die wir beantragt haben, haben wir bis heute noch nicht erhalten", sagt Kathrin Fleischmann, Hebamme im Geburtshaus und Sprecherin des bayerischen Hebammenverbandes für Würzburg. Um etwa 60 000 Euro Förderung für "geburtshilfliche Institutionen" handelt es sich hier. "Wir sind zwar zuversichtlich, aber glauben werde ich es erst, wenn das Geld auf unserem Konto ist."

    Die beiden Hebammen Kathrin Fleischmann (links) und Stephanie Ott sind glücklich, seit Ende März nun in den neuen Räumlichkeiten des MainGeburtshauses arbeiten zu können. Foto: Fabian Gebert

    Sehr zufrieden hingegen sind die Frauen, was die Crowdfunding-Aktion angeht. Denn da die Rücklagen von Unterfrankens einzigen Geburtshauses nicht ausgereicht haben, hat die Hebammengemeinschaft andere Wege der Finanzierung beschritten. Mindestens 20 000 Euro, besser noch 32 000 Euro, wollten die Hebammen bis zum 14. Januar sammeln. "21 000 Euro haben wir so zusammen bekommen", damit sind die Hebammen mehr als zufrieden. Nichtsdestotrotz mussten die Frauen auch in die eigene Tasche greifen, um den Umzug vollends bezahlen zu können. 32 000 Euro habe er insgesamt gekostet.

    "Es ist eine ganz andere Stimmung. Einfach viel mehr Lebensqualität."
    Kathrin Fleischmann, Hebamme

    Gut investiertes Geld jedoch, wie die Hebammen meinen. Das neue Haus ist eine große Veränderung: Während sich im alten Gebäude im Grombühl die Hebammen ein etwa zehn Quadratmeter großes Büro teilen mussten und die Parkplatz-Situation ebenso wenig zufriedenstellend gewesen sei, wie die Treppen, die die Schwangeren erklimmen mussten, um die Geburtsräume zu erreichen, ist nun im neuen Haus alles anders. Die Geburtsräume befinden sich im Erdgeschoss, es gibt mehr Platz und eine richtige Geburtswanne und "es ist eine ganz andere Stimmung. Einfach viel mehr Lebensqualität", wie Fleischmann zufrieden sagt. Und das merken wohl auch die schwangeren Frauen, denn die Anmeldezahlen steigen und steigen. "Wir hatten schon sehr viele Geburten, seitdem wir hier eingezogen sind." 60 um genau zu sein. 

    Ob die Zahlen allein wegen des Umzugs steigen? "Ich glaube einfach, dass wir durch die Umzugsaktion mehr Aufmerksamkeit bekommen haben. Das hat sich herumgesprochen", so Stephanie Ott. "Außerdem haben auch die beiden Geburtskliniken Missio und Uniklinik einen Notstand momentan, also mit Sicherheit hat es ebenfalls etwas mit der allgemeinen Hebammensituation zu tun."

    Um sicher einen Platz im Geburtshaus zu bekommen, empfehlen die Hebammen eine Anmeldung zwischen der zwölften und der 15. Schwangerschaftswoche. Zum Vergleich: "Vor zwei Jahren lag die Empfehlung noch zwischen der 20. und 22. Woche", erinnert sich Ott. Wer also einen Platz in der Hebammengemeinschaft erhalten möchte, sollte sich frühestmöglich darum kümmern, denn es lohnt sich, wie die Hebammen sagen: "Bei uns wird einfach eine Eins-zu-Eins-Betreuung gewährleistet", so Ott. Und: "Es steckt viel Liebe hier drin."

    Über das MainGeburtshaus
    Das Geburtshaus finanziert sich aus einer Pauschale von 700 Euro, die es pro geleisteter Geburt von den Krankenkassen bekommt. Davon zahlt das Geburtshaus nicht nur die Bereitschaftsdienste der Hebammen, sondern auch die laufenden Kosten. Rund 5000 Euro gehen unter anderem für Wasser, Miete, Strom und Mitarbeiter jeden Monat ab. Das Gehalt der Hebammen, die alle selbstständig arbeiten, ergibt sich im Wesentlichen aus einer weiteren Auszahlung der Krankenkassen in Höhe von rund 600 Euro pro Geburt, plus der Honorierung von Bereitschaftsdiensten.

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