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    Würzburg

    Warum der CSD in Würzburg bunt, laut und erfolgreich war

    Rund 1000 Menschen feierten am Samstag in der Innenstadt den Würzburger Street Day, den Christopher Street Day in Mainfranken. Foto: Patty Varasano

    Nachdem der Christopher Street Day (CSD) in den letzten zwei Jahren nicht mehr in Würzburg stattgefunden hatte, fand er am Samstag erstmals als Würzburger Street Day statt. Nach Angaben des Veranstalters nahmen rund 1000 Menschen am Demonstrationszug durch die Innenstadt und dem anschließenden Straßenfest in der Eichhornstraße teil.

    Im Februar letzten Jahres hatten David Hein und seine Mitstreiter den Verein Queer Pride Würzburg mit dem Ziel gegründet, wieder ein queeres Straßenfest in der Domstadt veranstalten zu können. "Es war für uns ein langer Weg. Aber es ist uns gelungen, nach vielen kleinen Schritten dieses Fest auf die Beine zu stellen", berichtete Hein stolz.

    Politische Eröffnung im Wappensaal

    Am Abend zuvor hatten Würzburgs Oberbürgermeister Christian Schuchardt als Schirmherr und Michael Roth, Staatsminister für Europa im Auswärtigen Amt, die Veranstaltung im voll besetzten Wappensaal des Würzburger Rathauses eröffnet. "Ich freue mich, dass Sie wieder da sind, denn ich muss Ihnen ehrlich sagen, Sie haben mir gefehlt", gestand Schuchardt. Organisatoren und Teilnehmer hieß er willkommen: "Sie haben meine volle Unterstützung." Er freute sich, dass Vertreter fast aller großer Parteien durch ihr Kommen ihre Unterstützung bezeugten.

    Viele Teilnehmer trugen beim Würzburger Street Day, dem Christopher Street Day in Mainfranken, die farbenfrohe Regenbogenfahne als Zeichen für Toleranz, Akzeptanz und Vielfalt.
    Foto: Patty Varasano

    Dass der CSD in Würzburg wiederbelebt werden konnte, sei "Ausdruck einer weltoffenen und modernen Stadt", erklärte Axel Hochrein vom Bundesvorstand des Lesben- und Schwulenverbandes in Deutschland. Er erinnerte an das historische Datum: Er fand genau 50 Jahre nach dem Aufstand gegen die Unterdrückung von Homo- und Transsexuellen in der Christopher Street im New Yorker Stadtbezirk Manhatten am 28. Juni 1969 statt.

    "Was wir erreicht haben, ist zerbrechlich."
    Michael Roth, Staatsminister

    Roth war dagegen "nicht nach Feiern zumute". Der Bundestagsabgeordnete vertrat seine klare Position: "Inter- und Bisexuelle, Lesben und Schwule können niemals guten Gewissens ihre Stimme nationalistischen und populistischen Parteien geben." Seine Botschaft lautete: "Was wir in diesem Land erreicht haben, ist zerbrechlich. Fühlt euch deshalb nicht zu sicher! Ich kenne keine einzige rechtsextreme, nationalistische oder populistische Bewegung, die uns einlädt, Teil von ihr zu werden. Wir sind die ersten, die ausgeschlossen und ausgemerzt werden."

    Roth fordert Solidarität mit Minderheiten

    Roth forderte daher Solidarität: "Wir müssen zusammenhalten und die Klappe aufreißen, wenn religiöse, ethnische und kulturelle Minderheiten ausgegrenzt und beleidigt werden. Das muss man von der LGBTI-Gemeinde in Deutschland und in Würzburg erwarten können."

    Rund 700 Menschen feierten am Samstag in der Würzburger Innenstadt laut, bunt, schrill und friedlich den Würzburger Street Day (WSD), den Christopher Street Day in Mainfranken. Mit einer Parade und einem Straßenfest in der Eichhornstraße setzten sich die Teilnehmer für Respekt und Toleranz sowie für eine Gesellschaft ohne Diskriminierung ein. Foto: Patty Varasano

    Solidarisch zeigten sich am Samstag die rund 1000 Teilnehmer am Demonstationszug, der rund eine Stunde lang vom Hauptbahnhof über die Kaiserstraße und Juliuspromenade, den Oberen und Unteren Markt sowie durch die Domstraße zur Eichhornstraße zog. Das bunte, mitunter laute und schrille, vor allem aber fröhliche und friedliche Treiben endete in Würzburgs neuer Mitte als zentralem Ort.

    "Es ist wichtiger denn je, für Toleranz zu werben."
    Steffi List, Sängerin

    Dort trat am Nachmittag die Schweinfurter Sängerin Steffi List auf: "Es ist heutzutage wichtiger denn je, für Toleranz zu werben und mit solchen Festen alle Menschen darauf aufmerksam zu machen." Als sie vor mehr als einem Jahr von den Organisatoren gefragt wurde, habe sie nicht lange überlegen müssen: "Für mich war sofort klar, dass ich dabei sein muss."

    Veranstalter versprechen wiederzukommen

    Auch Schauspieler und Zauberer Christian Perleth unterstützte die Veranstaltung mit einem Auftritt: "Ich habe mich riesig gefreut, dass sich der Verein gegründet und die Lücke sich geschlossen hat. Würzburg ist bunt und vielfältig. Es ist eine tolle Sache, dass so viele Leute gekommen sind." Die Gruppe Samba Osenga, die zuvor den Zug mit rhythmischem Trommeln begleitet hatte, begeisterte auch auf der Bühne mit südamerikanischer Lebensfreude.

    Bereits am Vorabend hatte Axel Hochrein dem Würzburger Stadtoberhaupt versprochen, dass er die Veranstaltung nicht länger vermissen werde: "Wir kommen jetzt wieder regelmäßig." Auch David Hein sah die Zukunft für einen Würzburger CSD nach dem gelungenen Wiederbeginn positiv: "Wir sind sehr glücklich darüber, dass die Veranstaltung ein derart großer Erfolg war. Wir hoffen, im nächsten Jahr daran anknüpfen können."

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