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    Würzburg

    Warum der Oberbürgermeister auf Radverkehr und Nahverkehrsverbund setzt

    Oberbürgermeister Christian Schuchardt referierte beim Bürgerstammtisch der CSU Stadtmitte 1 im Bürgerspital über seine Vision von neuer Mobilität und Verkehrswende. Foto: Patrick Wötzel

    Nicht nur Parteichef und Ministerpräsident Markus Söder, auch die Würzburger CSU beginnt damit, den Klimaschutz und andere ökologische Themen für sich zu entdecken: Im beginnenden Kommunalwahlkampf hatte der Ortsverein Stadtmitte 1 zu einem Bürgerstammtisch mit dem Titel "Würzburg startet durch – eine Chance für neue Mobilität und alternative Fortbewegungsmöglichkeiten" eingeladen.

    Das Interesse an der Veranstaltung war groß: Trotz Ferienzeit konnte die Ortsvereinsvorsitzende Sabine Wolfinger über 60 Gäste im Bürgerspital begrüßen. "Die Mobilität ist eines der drei Top-Themen, die uns neben Klimawandel und Wohnen längerfristig beschäftigen werden", sagte Wolfinger.

    Mit attraktiven Alternativen zum Verzicht auf das eigene Auto motivieren

    Oberbürgermeister Christian Schuchardt, der zusammen mit Umweltreferent Wolfgang Kleiner den Hauptteil der Veranstaltung bestritt, will die Menschen mit attraktiven Alternativen zum Verzicht auf das eigene Auto motivieren, ohne dabei die Erreichbarkeit der Innenstadt zu stark einzuschränken: "Es wird immer Menschen geben, die auf das eigene Auto angewiesen sind", betonte der OB. In Sachen Verkehrswende habe sich in Würzburg schon viel getan, unter anderem durch den Bau und Ausbau von Radverkehrsanlagen – sechs zusätzliche Kilometer sollen es laut Schuchardt in diesem Jahr werden: "Der Anteil der Radler ist enorm gestiegen. Ich setze mich auch für den Bau eines Fahrradstegs über den Main ein."

    Beim öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) arbeitet die Würzburger Straßenbahn GmbH (WSB) derzeit an einer Optimierung ihrer Buslinien im gesamten Stadtgebiet, außerdem wurden ältere Dieselbusse mit modernen SCRT-Filtern ausgestattet. Wenn es nach Schuchardt geht, sollen Busfahrten aus der Region in die Stadt künftig günstiger werden. Unter anderem will er mit finanzieller Unterstützung des Freistaats die Großwabe auf einen Umkreis von rund zehn Kilometern um die Stadt ausdehnen und vergünstigte Tickets für Schüler und Auszubildende anbieten. "Der ÖPNV wird aber auch künftig seinen Preis haben. Komplett kostenlos können wir ihn nicht machen", sagte Schuchardt angesichts eines jährlichen Zuschussbedarfs der WSB zwischen 15 und 19 Millionen Euro.

    Künftig "ÖPNV aus einer Hand" anbieten

    Der neu gegründete Nahverkehrsverbund Mainfranken mit Würzburg, Schweinfurt und sieben Landkreisen werde künftig "ÖPNV aus einer Hand" anbieten. Dass derzeit Busse aus den Landkreisen kaum Zubringerfunktionen im Stadtgebiet übernehmen und nicht an den Endhaltestellen der Straßenbahn halten, sei "völlig verkehrt und von vorgestern", betonte der Oberbürgermeister: "Es darf keine Rolle spielen, ob ein Bus, der in Würzburg zum Mainfranken Theater fährt, aus der Stadt oder aus dem Landkreis Main-Spessart kommt. Ich glaube, dass die Menschen sich in die Busse setzen werden, wenn Angebot und Attraktivität stimmen."

    Im Vergleich zu fast allen Städten vergleichbarer Größe "mustergültig aufgestellt"

    Ein weiterer wichtiger Baustein auf dem Weg zu einem umweltverträglichen Verkehr ist die E-Mobilität. Durch seine fünf Straßenbahnlinien und die geplante neue Linie 6 sei Würzburg in diesem Bereich im Vergleich zu fast allen Städten vergleichbarer Größe "mustergültig aufgestellt", betonte Umweltreferent Wolfgang Kleiner. Die Ladeinfrastruktur für private Elektro-Autos soll nach und nach ausgebaut und in allen Stadtteilen zur Verfügung gestellt werden.

    Auch bei Umstellung auf E-Mobilität sei es aber nötig, die Anzahl der PKW und damit auch der Oberflächenstellplätze in der Stadt zu reduzieren, so Kleiner weiter: Die Stadt brauche nicht nur Platz für Radfahrer und Fußgänger, sondern auch Raum für eine Vergrößerung und Vernetzung von Grünflächen, die dafür sorgen sollen, dass man es an extrem heißen Sommertagen in der Stadt noch aushalten kann.

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