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    Würzburg

    Warum der Schutz des Wassers Vorrang haben muss

    Durch den Klimawandel fällt in der ohnehin trockenen Region Würzburg noch weniger Niederschlag. Wie die Initiative "Wasser am Limit" dem Grundwasser helfen will.
    Die Betongleitwände entlang der Hettstädter Steige sind in den Augen der neu gegründeten Initiative ein Problem. Die Steige müsste ihrer Ansicht nach eigentlich gesperrt werden. Foto: Modjesch

    Wasserschutz muss Vorrang vor allen anderen Interessen haben – das ist die zentrale Forderung der neu gegründeten regionalen Initiative "Wasser am Limit", die sich am Dienstag der Öffentlichkeit vorgestellt hat. Beteiligt sind die Würzburger Kreisgruppe des Bund Naturschutz (BN), die Interessengemeinschaft Kommunale Trinkwasserversorgung (IKT) sowie die Bürgerinitiativen "Ringpark in Gefahr", "Kein Hektar mehr" und "PRO VERSBACH – Natur und Mensch".

    "Es kann nicht sein, dass die Landwirtschaft Verschmutzungsrechte beinhaltet"
    Brigitte Muth-von Hinten, IKT-Sprecherin

    Schon vor den heißen Sommern der vergangenen Jahre gehörte Unterfranken mit einer jährlichen Regenmenge von rund 600 Millimetern im Mittelwert zu den trockensten Gegenden in Deutschland. In den vergangenen beiden Jahren fielen weniger als 500 Milimeter – das genügt erst recht nicht, um den Grundwasserspiegel zu halten: "Der Wassermangel in unserem Trockengebiet hat sich besorgniserregend verschärft", betont Andrea Angenvoort-Baier, eine der Sprecherinnen von "Wasser am Limit".

    Die überparteiliche Initiative fordert, die Vorgaben der bereits vor zwanzig Jahren in Kraft getretenen EU-Wasserrahmenrichtlinie (WRRL) endlich auch in Stadt und Landkreis Würzburg umzusetzen. In Deutschland wurde immerhin bereits 2010 in Paragraf 29 des Wasserhaushaltsgesetzes (WHG) festgelegt, dass "ein guter ökologischer und ein guter chemischer Zustand der oberirdischen Gewässer" bis Ende 2015 erreicht werden soll. Die Vorschrift erlaubt den Behörden allerdings eine zweimalige Fristverlängerung von jeweils sechs Jahren, also bis Ende 2021 und Ende 2027, wenn sich der Gewässerzustand in der Zwischenzeit nicht verschlechtert.

    Die Initiative fordert die Umsetzung bis Ende des kommenden Jahres

    Das Wasserwirtschaftsamt Aschaffenburg als für Unterfranken zuständige Behörde "spricht inzwischen nicht mehr von 2021, sondern jetzt schon von 2027", so Angenvoort-Baier. Das ist der Initiative viel zu spät, sie fordert die Umsetzung bis Ende des kommenden Jahres und hat der Stadtverwaltung und dem Landratsamt deshalb vor etwa zwei Wochen einen konkreten Forderungskatalog zugeschickt.

    Um die Ziele von WHG und Trinkwasserschutzverordnung zu erreichen, sollen unter anderem bestehende Genehmigungen zur Entnahme von Grundwasser neu geprüft und gegebenenfalls zurückgenommen werden. Die Verwendung von Grundwasser beispielsweise zum Waschen des abgebauten Materials im Thüngersheimer Steinbruch lehnt die Initiative kategorisch ab: "Grundwasser ist in erster Linie dem Menschen und seiner Ernährung vorbehalten", heißt es im Forderungskatalog.

    Forderung: In der Landwirtschaft muss auf Tröpfchenbewässerung umgestellt werden

    Weitere konkrete Forderungen zum Schutz von Wassermenge und -qualität: In der Landwirtschaft muss auf Tröpfchenbewässerung umgestellt und illegale Grundwassentnahmenkonsequent sollen konsequent verfolgt werden – deshalb fordert die Initiative eine Aufstockung des Personals bei den Kontrollbehörden.

    Um die Aufnahmefähigkeit der Böden zu erhöhen, seien Maßnahmen zur Neubildung von Humus und der Schutz von Waldgebieten notwendig. Außerdem wendet sich die Initiative gegen die zunehmende Versiegelung von Flächen und die zu schnelle Ableitung von Regenwasser von den Äckern: "Nach den Niederschlägen der letzten Tage sind die Entwässerungsgräben voll, damit die Landwirte ihre Felder schnell wieder befahren können. Der Regen landet dadurch nicht im Grundwasser, sondern im Fluss und am Ende in der Nordsee", kritisiert BN-Geschäftsführer Steffen Jodl.

    Ungelöst ist aus Sicht der Initiative auch das Problem der Hettstädter Steige

    Auch die Landwirtschaft müsse sich an die veränderten Bedingungen anpassen – insbesondere durch die Einhaltung der verschärften Düngeverordnung, die vielen Landwirten ein Dorn im Auge ist und zu Protesten geführt hat: "Es kann nicht sein, dass die Landwirtschaft Verschmutzungsrechte beinhaltet", sagt IKT-Sprecherin Brigitte Muth-von Hinten.

    Ungelöst ist aus Sicht der Initiative auch das Problem der Hettstädter Steige, die mitten durch das Schutzgebiet der Zeller Quellen führt und seit den 1990er Jahren nur provisorisch durch inzwischen rissige Betongleitwände abgesichert ist: "Sie müsste eigentlich gesperrt werden, aber das interessiert heute niemanden mehr", so Norbert Herrmann, der Vorsitzende der BN-Kreisgruppe Zell.

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