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    Würzburg

    Warum der irische Staatspräsident nach Würzburg kam

    Der irische Staatspräsident Michael D. Higgins und seine Frau Sabina besuchten die Domstadt und tauchten in der Universitätsbibliothek in irisches Kulturgut ein.
    Der irische Staatspräsident Michael D. Higgins trägt sich im Rathaus in Würzburg in das Goldene Buch der Stadt ein.
    Der irische Staatspräsident Michael D. Higgins trägt sich im Rathaus in Würzburg in das Goldene Buch der Stadt ein. Foto: Daniel Peter

    Es herrscht Aufregung in Höhe des Caféhauses Brückenbäck an der Alten Mainbrücke. Polizei, Sicherheitspersonal und Presse haben sich eingefunden, auch Oberbürgermeister Christian Schuchardt und seine Lebengefährtin Eva-Maria Bast, Staatssekretärin des Kultusministeriums Anna Stolz sowie weitere Stadtratsmitglieder sind bereits vor Ort. Gerade ist der irische Staatspräsident Michael D. Higgins mit seiner Frau Sabina auf dem Flugplatz Schenkenturm gelandet, in wenigen Minuten wird das Paar an der Mainbrücke eintreffen. Mit dabei: Eine Delegation, bestehend aus irischen Politikern, Diplomaten, Militärs, Journalisten und Sicherheitspersonal.

    Oberbürgermeister Christian Schuchardt (rechts) und seine Stellvertreter Adolf Bauer (2.v.l) und Marion Schäfer-Blake (4.v.l.) begrüßen mit Staatssekretärin Anna Stolz (in Weiß) den irischen Staatspräsidenten Michael D. Higgins und seine Frau Sabina. Mit dabei auch die Lebensgefährtin des OBs, Eva-Maria Bast mit Kindern. 
    Oberbürgermeister Christian Schuchardt (rechts) und seine Stellvertreter Adolf Bauer (2.v.l) und Marion Schäfer-Blake (4.v.l.) begrüßen mit Staatssekretärin Anna Stolz (in Weiß) den irischen Staatspräsidenten Michael D. Higgins und seine Frau Sabina. Mit dabei auch die Lebensgefährtin des OBs, Eva-Maria Bast mit Kindern.  Foto: Daniel Peter

    Basts Kinder Sophia (16), Jonathan (8) und der vierjährige Leander schwenken mit grün-weiß-roten Fähnchen, um den irischen Ministerpräsidenten zu empfangen, genauso wie einige Schaulustige, die sich auf der Brücke versammelt haben. Darunter auch Siegfried Möser, der extra hergekommen ist, um das Präsidentenpaar zu sehen. "Seit zehn Jahren bin ich ein großer Irland-Fan und reise eigentlich jedes Jahr auf die grüne Insel." Neben Kultur und der großartigen Natur begeistere ihn auch die Musik. Deshalb sei er seit einigen Jahren auch Mitglied der Deutsch-Irischen Gesellschaft Würzburg.      

    Irische Wandermönche brachten Christentum an den Main

    Vorbei an den Heiligenstatuen schlendert der Staatstross über die Alte Mainbrücke und macht Halt beim Heiligen Kilian, wo die Laurentius-Musikanten Heidingsfeld das Frankenlied erklingen lassen. Das Präsidentenpaar ist begeistert, zeigt sich nahbar, schüttelt Hände, freut sich über die gelungene Begrüßung. Schließlich ist Würzburg - wie OB Christian Schuchardt später in seiner Rede erwähnen wird - die irische Stadt auf dem europäischen Festland. Denn bis auf den heutigen Tag sind drei Namen aufs Engste mit dem Bistum Würzburg verbunden: Kilian, Kolonat und Totnan. Die drei irischen Wandermönche brachten den christlichen Glauben an den Main und starben dafür sogar den Märtyrertod. Das Grab des Heiligen Kilian wurde zur Wallfahrtsstätte, auch für viele irische Pilger.

    Bevor es zu weiteren Zeugnissen irischer Geschichte in die Universitätsbibliothek geht, steht ein gemeinsames Essen im Würzburger Ratskeller auf dem Plan. Zwei junge, irische Frauen stehen aufgeregt am Eingang des Restaurants und hoffen, einen Blick aufs Präsidentenpaar zu erhaschen. "Oh my god", sagt eine der zwei, als Higgins und seine Frau ihnen die Händen schütteln und sogar einige Worte mit ihnen wechseln. Es ist ein besonderer Tag für die Studentinnen, die derzeit in Würzburg leben.

    Möge Ihr Besuch dazu beitragen, die Freundschaft zwischen den Völkern zu festigen und zu vertiefen.
    OB Christian Schuchardt in seiner Begrüßungsrede für den irischen Präsidenten

    Auch Schuchardt hebt in seiner Rede hervor, welch große Ehre es sei, den höchsten Repräsentanten Irlands in der Domstadt zu empfangen. Viele irische Gelehrte und Künstler hätten hier gewirkt, auch das 1140 gegründete Benediktinerkloster St. Jakob wurde 350 Jahre lang von irischen Mönchen bewohnt, erklärt er. Und weist auch auf das 30-jährige Partnerschaftsjubiläum hin, "denn seit 1989 sind Würzburg und Bray sowie die Grafschaft Wicklow Partnerstädte". Von dem regen Austausch - von Jugendbewegungen bis hin zu Bürgerreisen - profitierten beide Seiten. Aktuell, so Schuchardt,  unterwerfe das weltweite Erstarken nationalistischer Kräfte das vereinte Europa einer schweren Belastungsprobe: "Möge ihr Besuch bei uns dazu beitragen, die Freundschaft zwischen den Völkern (...)zu festigen und zu vertiefen", sagt er in Richtung des Präsidenten.

    Der irische Staatspräsident Michael D. Higgins besucht den Kiliansdom in Würzburg.
    Der irische Staatspräsident Michael D. Higgins besucht den Kiliansdom in Würzburg. Foto: Daniel Peter

    Bekannt ist Higgins übrigens als Menschenrechtler, passionierter politischer Sprecher und Befürworter der inklusiven Staatsangehörigkeit. Seine Rede an die Stadt Würzburg beginnt er mit ein paar Sätzen auf Irisch - alle lauschen gespannt beim Klang der auf dem Keltischen basierenden Sprache. Auf Englisch drückt er seinen Dank aus hier zu sein, und sein Gefühl, "gerne mehr Zeit hier zu haben". 

    Paulusbriefe haben besonderen Wert für die irische Geschichte

    Festlich wird der Eintrag ins Goldene Buch der Stadt Würzburg begangen, im Anschluss besucht die Delegation gemeinsam mit Bischof Franz Jung den Kiliansdom und die Kiliansgruft im Neumünster. Emotional wird es beim Besuch der Uni-Bibliothek. Denn beim Rundgang durch die Ausstellung "Elfenbein und Ewigkeit" präsentiert der Direktor der Bibliothek, Hans-Günter Schmidt, ausgewählte irische Spitzenstücke, so auch Frankens Heiliges Buch, das Kiliansevangeliar. Die Legende will es, dass der Heilige Kilian selbst das um 600 in Frankreich entstandene Evangelienbuch besessen haben soll. Bergkristalle, ein grüner Achat und Amethysten sowie ein Bildnis aus Elfenbein schmücken den Einband.

    Besonders die Paulusbriefe bestechen durch ihren Wert für die irische Geschichte: Es handelt sich hierbei um authentische alt-irische Texte, die der fränkische Sprachwissenschaftler Johann Kaspar Zeuss im 19. Jahrhundert ausgewertet und in seinem Werk „Grammatica Celtica“ zusammengefasst hat.

    Die Paulusbriefe: Besonderer Wert für die irische Sprachgeschichte. 
    Die Paulusbriefe: Besonderer Wert für die irische Sprachgeschichte.  Foto: Obermeier

    Zeuss habe es mit seinen Ausarbeitungen geschafft, den Iren ein Stück ihrer Sprachgeschichte zurückzugeben, in einer Zeit, in der die englische Herrschaft in Irland versuchte die Spuren der irischen Identität zu verwischen, erklärt eine Bibliothekarin den interessierten Iren. Sicherlich ein Grund dafür, dass sich irische Staatsoberhäupter für Würzburg interessieren. So war im Jahr 2008 die damalige Präsidentin Mary McAleese in der Domstadt.

    Den gelungenen Abschluss bildet für die irische Delegation die "Meet-& Greet-Begegnung" mit Vertretern der Gemeinden Cavan und Wicklow und der Deutsch-Irischen Gesellschaft Würzburg. Das straffe Programm ist aber noch lange nicht zu Ende. Direkt im Anschluss geht es zum nächsten Termin nach Frankfurt und noch in der Nacht zurück in die grüne Heimat Irland.  

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