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    Würzburg

    Warum die Corona-Krise bei Zahnärzten Existenzängste schürt

    Auch in den Zahnarztpraxen in Unterfranken ist die Corona-Krise spürbar. Zahnärzte haben aufgrund der aktuellen Lage gleich mit mehreren Problemen zu kämpfen.
    Auf nicht notwendige Besuche beim Zahnarzt verzichten Patienten in Corona-Zeiten. Das stellt Zahnärzte jedoch vor finanzielle Probleme. Ein Rettungsschirm soll helfen.
    Auf nicht notwendige Besuche beim Zahnarzt verzichten Patienten in Corona-Zeiten. Das stellt Zahnärzte jedoch vor finanzielle Probleme. Ein Rettungsschirm soll helfen. Foto: Markus Scholz, dpa

    Die Corona-Krise stellt seit Wochen das Gesundheitssystem in Deutschland auf eine harte Probe. Die aktuelle Lage versetzt jedoch nicht nur Krankenhäuser und Hausärzte in eine Ausnahmesituation. Auch Zahnarztpraxen leiden unter den Auswirkungen der Pandemie. "Es herrscht gerade ganz große Verunsicherung", sagt Dr. Stephanie Dorn. Grund sei die Angst sowohl bei den Patienten als auch bei Zahnärzten und deren Teams, sich bei einer Behandlung mit dem Coronavirus zu infizieren, berichtet die Würzburger Zahnärztin.

    Unbegründet sind diese Bedenken nicht. Schließlich kommt es auf dem Zahnarztstuhl zu einem engen Kontakt zwischen dem Patienten, dem Zahnarzt und dessen Assistenten. Außerdem arbeiten Zahnärzte genau dort, wo sich bei einem Infizierten besonders viele Coronaviren tummeln – im Mund- und Rachenraum. "Wir arbeiten sozusagen an vorderster Front", sagt Dorn.

    Empfehlung: Nicht notwendige Termine verschieben

    Grundsätzlich seien Zahnarztbesuche trotzdem weiterhin möglich, versichert die Kassenzahnärztliche Vereinigung (KZVB). Auch Schmerzpatienten, deren Praxen aufgrund der Krise geschlossen haben, seien durch einen Notdienst versorgt. Die Empfehlung der KZVB an Zahnärzte und Patienten lautet jedoch, alle nicht unbedingt notwendigen Termine zu verschieben. Eine klare Ansage gebe es jedoch nicht, kritisiert Dorn: "Letztendlich ist es jedem Arzt selbst überlassen, wie er mit der Situation umgeht." Das führe dazu, dass manche einfach weitermachen wie bisher, andere wiederum ihren Betrieb stark herunterfahren, sagt die Zahnärztin.

    Sie selbst sei sich der Gefahr durchaus bewusst. Deshalb laufe ihre Praxis gerade nur auf Notbetrieb. "Um unsere Patienten nicht zu gefährden, finden bei uns aktuell nur wichtige Behandlungen statt." Professionelle Zahnreinigungen etwa führe sie gerade nicht durch. Bei dieser Behandlungsform entsteht ein feiner Sprühnebel, sogenannte Aerosole. Ist der Patient infiziert, könne sich das Virus deshalb besonders leicht verbreiten, so die Befürchtung.

    Schutzmasken fehlen in allen Praxen

    Schmerzpatienten behandelt Dorn hingegen weiterhin. Doch auch dabei könne sie nicht immer auf den Einsatz von Flüssigkeiten verzichten. Sprühnebel könne etwa auch beim Bohren entstehen, sagt sie. "Die Möglichkeit, dass Viren übertragen werden, ist dann natürlich genauso da." Deshalb brauche sie dringend Schutzmasken. Die seien jedoch nur schwer zu bekommen und häufig sehr überteuert, klagt die Ärztin. Bisher habe sie für sich und ihr Team nur klassische chirurgische Gesichtsmasken zur Verfügung, die zwar den Patienten, jedoch nicht den Behandelnden vor Coronaviren schützen. Dafür wären die sogenannten FFP2-Masken oder noch besser FFP3-Masken, die als einzige nachweislich einen sicheren Schutz bieten, notwendig.

    "Solche Schutzausrüstung fehlt aktuell in allen Praxen", sagt Dr. Guido Oster, Vorsitzender des Zahnärztlichen Bezirksverbands Unterfranken. Auch er habe für seine Praxis in Euerbach (Lkr. Schweinfurt) nur die Standardausrüstung zur Verfügung. Ohne die könne ein Zahnarzt überhaupt nicht arbeiten. "Damit das nicht passiert, helfen sich die Kollegen gegenseitig aus", erzählt Oster. Die Verfügbarkeit einfacher Gesichtsmasken sei deshalb bisher nicht das Problem.

    Schutzausrüstung ist auch in den Zahnarztpraxen immer noch Mangelware.
    Schutzausrüstung ist auch in den Zahnarztpraxen immer noch Mangelware. Foto: Karl-Josef Hildenbrand, dpa

    Die sichereren FFP2-Masken fehlen hingegen nicht nur in Zahnarztpraxen, sondern in nahezu allen medizinischen Bereichen und werden deshalb aktuell vom Freistaat zentral vergeben. Das Technische Hilfswerk liefert sie dann an die Katastrophenschutzbehörden vor Ort. Vorrang hätten dann zumeist Notärzte, Rettungsdienste und Pflegeheime, sagt Leo Hofmeier, Pressesprecher der KZVB: "Zahnarztpraxen gehen deshalb aktuell meistens leer aus." Das gilt auch für den Landkreis Würzburg. Hier würden aktuell ebenfalls nicht genügend Masken zur Verfügung stehen, um den Bedarf zu decken, teilt das Landratsamt mit.

    Rettungsschirm für Zahnärzte

    Aber nicht nur die mangelnde Schutzausrüstung macht Zahnärzten aktuell zu schaffen. Die rückläufigen Patientenzahlen bedeuten für sie auch wirtschaftliche Einbußen. "Meiner Praxis brechen gerade 95 Prozent der Einnahmen weg", sagt Stephanie Dorn. "Da wird die Luft irgendwann dünn." Vielen Kollegen gehe es genauso.

    Vor allem für junge Zahnärzte, deren Praxen sich gerade im Aufbau befänden, könne die aktuelle Lage schnell zu einer existentiellen Bedrohung werden, bestätigt Guido Oster. Denn diese müssten meist ohnehin schon Kredite abbezahlen. Das Problem: Ursprünglich war für Zahnärzte anders als für Vertragsärzte, Krankenhäuser oder Reha-Einrichtungen kein Rettungsschirm geplant.

    Das hat sich nun geändert. Das Bundesgesundheitsministerium hat angekündigt, auch weitere Gesundheitsberufe - darunter auch Zahnärzte - zu unterstützen. Zahnärzte sollen 30 Prozent der Differenz zwischen angenommener Gesamtvergütung für das laufende Jahr und der tatsächlich erbrachten Leistung erhalten.

    Umsatz im Durchschnitt um 80 Prozent zurückgegangen 

    Leo Hofmeier spricht von einem wichtigen Schritt. Denn bundesweit gehe der Umsatz der Zahnärzte momentan im Durchschnitt um 80 Prozent zurück. "Zahnarztpraxen sind für die gesundheitliche Versorgung aber genauso wichtig wie Ärzte oder Krankenhäuser", sagt der Sprecher der KZVB. "Es wäre ja auch nicht im Sinne des Staates, wenn viele Praxen schließen müssten." Ob der angekündigte Schutzschirm das verhindern kann, lasse sich jetzt noch nicht sagen.

    Auch Dorn ist froh über die angekündigte Unterstützung. "Allerdings ist es schlussendlich nur ein kleiner Betrag, den wir bekommen sollen", sagt die Zahnärztin. Für einige Praxen könne sich der Rettungsschirm auch als Tropfen auf den heißen Stein erweisen, befürchtet sie.

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