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    Würzburg

    Warum die Klimakrise längst in Unterfranken angekommen ist

    Für den Bund Naturschutz in Würzburg sind die Auswirkungen des Klimawandels längst sichtbar. Doch was ist nötig, um die Situation zu verbessern?
    Die Auswirkungen des Klimawandels sind auch in Würzburg zu sehen. Der Bund Naturschutz Würzburg hat nun Forderungen für die nahe Zukunft vorgestellt. Foto: Patty Varasano

    Sterbende Bäume, sinkender Grundwasserspiegel und Einsatz für die Artenvielfalt: Die Themen und Aufgaben werden für den Bund Naturschutz (BN) nicht weniger. "Die Auswirkungen der rasch voranschreitenden Klimakrise haben 2019 unsere Schwerpunkte bestimmt", sagte Armin Amrehn, Vorsitzender der BN-Kreisgruppe, beim jährlichen Pressegespräch zur Umweltbilanz in Stadt und Landkreis Würzburg.

    Dass in der Region inzwischen sogar große Buchen, die bisher eigentlich als robust genug für Hitzesommer galten, vertrocknen und absterben, ist für den BN ein klarer Beweis dafür, dass die Klimakrise längst in Unterfranken angekommen ist. "Es ist erschreckend, wie viele Bäume vertrocknet sind. Es trifft zum ersten Mal auch die Rotbuche, eine unserer Hauptbaumarten", betonte BN-Geschäftsführer Steffen Jodl. Rund 1500 Bäume sind im Würzburger Stadtgebiet im vergangenen Jahr abgestorben, 80 davon alleine im Ringpark, wo die Überreste der vom Gartenamt aus Sicherheitsgründen gefällten Bäume derzeit überall herumliegen.

    "Das sind aber nur die ersten Auswirkungen. Künftig werden durch die Klimakrise hohe Kosten auf uns zukommen, die wir jetzt noch gar nicht abschätzen können", sagte Jodl. Schon jetzt ist die Nachpflanzung abgestorbener Bäume für die Stadt nur schwer zu finanzieren und auch personell kaum zu stemmen. Je nach Standort kann es bis zu 7000 Euro kosten, einen einzelnen Baum so anzupflanzen, dass er auch in Zeiten des Klimawandels überlebensfähig ist. Im städtischen Haushalt 2020 stehen 600 000 Euro für Neupflanzungen zur Verfügung.

    "Künftig werden durch die Klimakrise hohe Kosten auf uns zukommen, die wir jetzt noch gar nicht abschätzen können."
    Steffen Jodl

    Ein weiteres Alarmsignal sind die trockenen Böden und der immer weiter sinkende Grundwasserspiegel – die Niederschlagsmengen der vergangenen Jahre lagen immer deutlich unter dem langjährigen Mittel, das Regenwasser erreicht nach Jodls Worten die Grundwasserspeicher gar nicht mehr: "Der Niederschlag geht ungefähr 20 Zentimeter in den Boden hinein. Darunter ist es trocken", so der BN-Geschäftsführer.

    Kritik an Landwirtschaft

    Die bisherige "Wasseraustriebspolitik" in der Landwirtschaft, in der das Niederschlagswasser über Gräben und Bäche von den Äckern und Wiesen abgeleitet wird, muss nach Auffassung des BN daher endlich ein Ende haben: "Das bisschen Wasser, das noch fällt, muss ins Grundwasser versickern können", sagte Jodl. Bei der Bewässerung ihrer Felder müssten die Landwirte umdenken und auf wassersparende Tröpfchen-Bewässerung umstellen.

    Der BN fordert außerdem mehr Kontrollpersonal im Landratsamt, um illegale Entnahmen aus den Brunnen im Landkreis zu verhindern. Auch die zunehmenden Versiegelung von Flächen bleibt für die Naturschützer ein Thema – Jodl nannte als Negativbeispiel unter anderem Randersacker, wo weitere 13 Hektar neue Gewerbeflächen ausgewiesen werden sollen, obwohl 6,5 Hektar Gewerbeflächen leer stehen.

    Ziel: Ausbau des ÖPNV

    Um dem Klimawandel entgegenzuwirken, unterstützt der BN außerdem das Bündnis "Verkehrswende Jetzt" und fordert unter anderem den Ausbau des ÖPNV sowie flächendeckend Tempo 30 in der Stadt und allen Ortschaften des Landkreises.

    Ein weiteres wichtiges Thema ist der Schutz der Wälder: "Das muss Vorrang vor allen anderen Nutzungen des Waldes haben", so Amrehn. Der BN fordert vom Freistaat, zehn Prozent der Fläche des Staatswaldes in der Region aus der Nutzung zu nehmen. "Das hat der staatliche Forstbetrieb abgelehnt, obwohl die Naturschutzbehörden dafür sind", so der BN-Vorsitzende.

    Dass Totholz aus den staatlichen Wäldern grundsätzlich entfernt wird, halten die Naturschützer in Zeiten des Klimawandels für kontraproduktiv: "Alle abgestorbenen Bäume werden rausgeschlagen, es sieht teilweise schon parkähnlich aus. Im Würzburger Stadtwald machen sie es richtig", sagte Steffen Jodl.

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