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    Heidingsfeld

    Warum ein Autonarr ehemalige Voll-Mitarbeiter sucht

    Auf- und Umbauten von Karosserien waren die Spezialität der Firma Voll. Für Persien, dem jetzigen Iran, baute der Betrieb in Heidingsfeld diese Busse um, die 1957 auf dem Residenzplatz präsentiert wurden.  Foto: VB

    Häufiger denn je steht das Auto als umweltfeindliches Fortbewegungsmittel  in der Kritik. Dass es auch ein Stück Kulturgeschichte sein kann, zeigen zahlreiche Oldtimer-Liebhaber. Einer von ihnen ist Oliver Müller, der einen alten Opel wieder zum Laufen bringen will, was nicht sonderlich spektakulär ist. Es handelt sich allerdings um ein sehr rares Gefährt, dass zudem Erinnerungen an eine einst große Würzburger Autoschmiede weckt: Die Rede ist von einem Opel Kadett C in der so genannten Postbil-Version.

    1300 Kadett Caravan hat die Karosseriebaufirma Voll in Heidingsfeld in den Siebziger Jahren zu Transportern für die schwedische Post umgebaut - mit erhöhtem Dach und einer großen Schiebetür auf der rechten Fahrerseite. Die Firma Voll ist längst Geschichte. "Und von den gelben Postbil-Kadetts gibt's weltweit nur noch sechs Exemplare", sagt Oliver Müller aus Voerde (Nordrhein-Westfalen). Eines davon hat er vor zwei Jahren aus den schwedischen Wäldern an den Niederrhein geholt, um es zu restaurieren. Und dazu hätte der 49-Jährige gerne Unterstützung aus Würzburg, weshalb er sich an die Redaktion wandte. Müller sucht  ehemalige Mitarbeiter des Karosseriebauers Voll, die ihm Tipps und Informationen zum Auf- und Umbau des Post-Kadett und zur Entstehungsgeschichte des seltenen Stücks geben können.

    Per Hänger an den Niederrhein: Autonarr und Restaurator Oliver Müller holte den äußerst seltenen Postbil-Opel Kadett, den einst die Heidingsfelder Karosseriebaufirma Voll baute, aus Schweden.  Foto: Müller

    Bei Voll entstanden auch Küchenfahrzeuge für die Bundeswehr

    Mitarbeiter hatte die Firma Voll viele, bis zu 800 werkelten in der Blütezeit des Unternehmens in den Hallen in der Tiefen Gasse in Heidingsfeld. Doch das ist lange, lange her. 1927 hatte Josef Voll die Firma gegründet, die anfangs noch Fuhrwerke, aber schon wenig später Autokarosserien baute. Während des Zweiten Weltkrieges fertigte die Firma als Rüstungsbetrieb Militärfahrzeuge. Der erste Großauftrag nach dem Krieg waren 700 Küchenfahrzeuge für die Bundeswehr. In Zusammenarbeit mit Opel entstand ein Presswerk für Karosserieteile des Kleinlasters Opel "Blitz", der zu einer tragenden Säule der Produktion wurde - mit Sonderaufbauten verschiedenster Art.

    Das war die Spezialität von Voll. In Heidingsfeld entstanden - meist auf Fahrgestellen von Opel - Fahrzeuge für Feuerwehr, Polizei oder THW, Aufbauten für Omnibusse oder Kleinserien wie eben die des schwedischen Post-Opels. Dafür hatte Voll 1974 einen Prototyp entwickelt und ein Jahr später einen Fertigungsauftrag der schwedischen Post bekommen. 

    Rückkehr an die automobile Geburtsstätte: Etliche Opel Ascona baute Voll zu Cabrios um. 2004 trafen sich Besitzer an der früheren Fabrik in Heidingsfeld.   Foto: Theresa Müller

    Cabrio-Umbauten vor dem Konkurs

    Als zu dieser Zeit Opel die Produktion des "Blitz"-Transporters einstellte und auch das Omnibusgeschäft zurückging, schrumpfte der Mitarbeiterstand bei Voll. 1984 übernahm das englische Unternehmen Hammond die Firma. Und statt Lkw-Umbauten ging es Personenwagen an die Karosserie. So wurden in der Tiefen Gasse unter anderem 3000 Opel Ascona zu Cabrios umgebaut. In Erinnerung daran trafen sich 2004 an der ehemaligen Heidingsfelder Produktionsstätte Besitzer dieser Autos. Schon damals war die Firma Voll  Geschichte. 1992 war das Nachfolgeunternehmen in Konkurs gegangen. Georg Voll, der Sohn des Firmengründers und Karosseriebaumeister, hatte ein Jahr später die ehemalige Reparaturwerkstatt zurückgekauft und noch bis 1998 betrieben.       

    Was der Restaurator gerne wissen möchte 

    Auch wenn es lange her ist, hofft Oliver Müller auf Informationen ehemaliger Voll-Mitarbeiter. So möchte er beispielsweise wissen, in welchem Zustand die Caravan-Karossen von Opel an Voll geliefert wurden, was der Umbau der Postbil-Modelle gekostet hat, ob Voll die Autos selbst lackierte, ob es schon Crashtests gab und und und.  

    Derzeit nicht mehr gelb: Oliver Müller mit der Rohkarosse seines Postbil-Opel Kadett.  Foto: Müller

    Aber auch ohne Informationen aus Würzburg geht die Restauration des Postbil-Kadett am Niederrhein weiter, wie auch anhand zahlreicher Fotos auf der Facebook-Seite von Oliver Müller zu sehen ist. Und wie es aussieht, ist Oliver Müller, der seit 20 Jahren Industriemechaniker bei einem großen Stahlhersteller ausbildet, noch einige Zeit gut beschäftigt. "Da muss jedes Teil nach 30 Jahren Standzeit überholt werden, das dauert. Gut Ding braucht Feile", sagt er. Derzeit baut er die völlig entkernte und gestrahlte Karosserie wieder auf, umfangreiche Blecharbeiten sind nötig.  

    Warum Müller das macht? Der Mann ist Opel-Fan und besitzt bereits drei "normale" alte C-Kadett. Das Postbil-Modell restauriert er, "weil ich gerade dieses Randmodell als erhaltenswert erachte". Und was passiert mit dem gelben Gefährt, wenn es eines Tages in neuem Glanz erstrahlt?  "Dann fahre ich damit zu Oldtimer-Treffen", sagt Müller. Wenn es passen sollte, vielleicht auch nach Würzburg. "Dann käme der Postbil wenigstens mal an seinen Geburtsort zurück." 

    Wer Informationen zum Postbil-Kadett und zum ehemaligen Karosseriebauer Voll hat, meldet sich bei Oliver Müller unter der Rufnummer 0152/21 65 63 24 oder per Email: o.mueller1@gmx.de

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