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    Rimpar

    Warum es Würzburgs Polizei auf Motorradfahrer abgesehen hat

    Mit einer allgemeinen Verkehrskontrolle auf der Staatsstraße 2294 zwischen Rimpar und Gramschatz überprüfte die Polizei sowohl Geschwindigkeit als auch Verkehrssicherheit bei Motorrädern. Foto: Thomas Obermeier

    Ein Passant auf dem Weg zur Waldschänke wundert sich: "Wen suchen die?" Ein Motorrad nähert sich. Der Polizist visiert das Kennzeichen an und schießt. Das Lasermessgerät zeigt erlaubte 77 Kilometer pro Stunde an. Trotzdem fährt sein Kollege die Kelle aus und zieht es aus dem Verkehr. Es findet eine allgemeine Verkehrskontrolle mit dem Schwerpunkt "motorisierter Zweiradverkehr" statt.

    Kontrolle als präventive Maßnahme

    Dass die Polizei am Donnerstagabend zwischen Rimpar und Gramschatz stand, war laut ihres Einsatzleiters Longin Schubert, Verkehrssachbearbeiter bei der Polizei-Inspektion Würzburg-Land, vor allem eine präventive Maßnahme. Gesucht wurde niemand und mit der Strecke selbst habe es auch nichts zu tun, obwohl ein paar Kurven zur schwungvollen Fahrt einladen und die lange Gerade durch den Wald zum Beschleunigen verleiten könnte.

    Vor der bayernweit im Juli durchgeführten Aktion hatten die Würzburger Polizisten überlegt, ob es im Landkreis "eine typische Motorradstrecke" gebe. Das sei aber nicht so. "Wir sind etwas überrascht, dass hier ein stetiger Motorradverkehr herrscht", sagte Schubert.

    Zu hohes Tempo oft Unfallursache

    Ein Unfallschwerpunkt sei dieser Abschnitt nicht. Auf der Straße zwischen Gramschatz und Retzstadt sehe das ganz anders aus: Auf dieser kurvenreichen Strecke verunglückten in den letzten Jahren einige Motorradfahrer, vor zwei Jahren kam dort einer ums Leben.

    In ganz Unterfranken ereigneten sich im letzten Jahr 691 Unfälle mit einem Motorrad. 638 Fahrer wurden dabei verletzt, sieben tödlich. In sechs von sieben Fällen, so schrieb Unterfrankens Polizei in ihrer Mitteilung über die Kontrollen, sei er als Unfallverursacher anzusehen gewesen. Überhöhte oder nicht angepasste Geschwindigkeit war die häufigste Ursache.

    Ein Polizist winkt einen Motorradfahrer zur Kontrolle in die Haltebucht. Foto: Thomas Obermeier

    "Meistens kommen solche Kontrollen gut an. Wir beanstanden in der Regel nur Kleinigkeiten", weiß Schubert. Die meisten Biker würden die Vorschriften beachten: "Es sind wenige Ignoranten, die durch ihr Verhalten auffallen und alle anderen in Misskredit bringen."

    Sechs Verstöße bei 80 Kontrollen

    In vier Stunden kontrollierte die Polizei 80 Motorradfahrer und ihre Zweiräder und stellte nur sechs Verstöße fest. Sie bemängelte zwei verbogene Kennzeichen, zwei manipulierte Auspuffe, einen zu kleinen Rückspiegel und einmal abgefahrene Reifen. Bei der gleichzeitigen Geschwindigkeitsmessung stellten sie keine Überschreitung fest.

    "Es sind wenige Ignoranten, die auffallen."
    Longin Schubert, Einsatzleiter

    Weil der Fahrer, dessen Reifen nicht mehr die vorgeschriebene Profiltiefe hatten, im Nachbarort zu Hause war, erlaubten ihm die Polizisten die Heimfahrt. "Bei einer anderen Witterung hätten wir ihn nicht weiterfahren lassen", erläuterte Schubert.

    Zwei Finnen müssen Strafe zahlen

    Strafe zahlen mussten zwei Finnen, weil der Schalldämpfer im Auspuff beim einen gar keinen dB-Killer, der den Lärm verringern soll, hatte und beim anderen dieser unzulässig gekürzt worden war. Thomas Kordmann erklärt ihr Vergehen: "Das Geräuschverhalten des Motorrads verschlechtert sich, und das kann Anwohner belästigen."

    Ein Motorrad gerät ins Visier des Lasermessgeräts. Auf dem geraden Abschnitt zwischen Rimpar und Gramschatz führte die Polizei die Geschwindigkeitsmessung durch. Foto: Thomas Obermeier

    Der Polizeihauptmeister gehört zur "Kontrollgruppe Motorrad" der Polizei-Inspektion Kitzingen-Biebelried und kontrollierte Maschinen zum Beispiel auf technische Mängel. Mit einem Schallpegel-Messgerät prüfte er, ob sie zu laut sind. Kordmann klärte zudem einen Fahrer in kurzen Hosen über seine nicht angemessene Kleidung auf dem Motorrad auf.

    Assistenzsysteme erhöhen Sicherheit

    Bei modernen Motorrädern habe sich viel getan, meint er: "Die Hersteller tun viel für die Sicherheit. Assistenzsysteme erleichtern den Umgang mit dem Motorrad." Schwieriger seien ältere Maschinen. Auch Fahrer würden sich nach einer längeren Pause falsch einschätzen: Ein Sicherheitstraining sei für jeden sinnvoll, um vor der ersten Tour seine Kenntnisse aufzufrischen.

    Zwei an der Kontrolle beteiligte Polizisten kamen zu spät zum Einsatz: Ein Autofahrer bat sie im Feierabendstau am Würzburger Europastern um Hilfe: Weil bei seiner hochschwangeren Frau die Wehen eingesetzt hatten, befürchtete er, dass er nicht mehr rechtzeitig ins Krankenhaus kommen würde. Mit Martinshorn und Blaulicht begleiteten sie ihn zur Klinik.

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