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    VEITSHÖCHHEIM

    Warum es dieses Jahr weniger Honig gab

    Honig bis zum Abwinken: Bei der diesjährigen Honigprämierung standen 303 Honige aus ganz Bayern auf dem Prüfstand.Fotos (2) mARCO dRECHSEL; LWG Foto: LWG

    Der wohl süßeste Arbeitsplatz in ganz Bayern befand sich kürzlich an der Bayerischen Landesanstalt für Weinbau und Gartenbau (LWG) in Veitshöchheim (Lkr. Würzburg). Denn auf der Suche nach dem besten bayerischen Bienengold wurden 303 Honige aus dem ganzen Freistaat regelrecht auf „Nektar und Pollen“ geprüft und analytisch sowie sensorisch bewertet. Auch wenn in diesem Jahr die Honigernte in Bayern deutlich geringer ausfällt, das Ergebnis lässt sich schmecken, heißt es in einer Pressemitteilung der LWG.

    Ganz schön viel zu tun hatte in den letzten Wochen der Postbote von Stefan Ammon: So erhielt der Honig-Obmann des Landesverbandes Bayerischer Imker e.V. unzählige Pakete von Imkerinnen und Imkern aus allen denkbaren Ecken des Freistaates, von Memmingen im Allgäu bis Marktheidenfeld im Spessart. Nach dem Anonymisieren der Gläser ging die Reise der süßen Fracht schließlich weiter in das Sensorikzentrum der LWG. Dort schaute eine 18-köpfige Prüfjury ganz genau hin: Wie ist die Aufmachung des Glases? Sitzt das Etikett richtig? Und stimmt das Füllgewicht? Schon der kleinste Mangel oder ein paar Gramm machen dabei den Unterschied und können am Ende einen Medaillen-Platz kosten. Doch bei der jährlich stattfindenden Honigprämierung kommt es nicht nur auf reine Äußerlichkeiten an – auch die inneren Werte werden genau unter die Lupe genommen.

    Hohe Messlatte für Prämierung

    Für die Prüfung der Konsistenz und des Geschmacks werden alle Honige mehrfach von geschulten Honigprüfern verkostet. Dabei dürfen die Zuckerkristalle auf der Zunge nicht spürbar sein. Dies gilt für flüssige Waldhonige wie auch cremige Blütenhonige, die im optimalen Zustand regelrecht auf der Zunge zerlaufen. Neben der sensorischen Bewertung wird auch der Wassergehalt des Honigs bestimmt. Denn dieser ist ein Zeichen für die Reife des Honigs und darf nach den gesetzlichen Anforderungen maximal 20 Prozent betragen. Für die an der Prämierung teilnehmenden Honige wird mit maximal 18 Prozent Wassergehalt die Messlatte dabei noch höher angelegt. Mit der Überprüfung der Enzyme wird zudem die Invertaseaktivität bewertet, die ein wichtiges Merkmal für die Naturbelassenheit des Honigs ist und Auskunft über die Verarbeitungsweise gibt. Die Bronze-, Silber- und Goldmedaillen-Gewinner werden auf dem Bayerischen Honigfest der Sinne am 3. November in der Schlossberghalle in Nüdlingen (Lkr. Bad Kissingen) vorgestellt.

    Die Anzahl der auch in diesem Jahr eingereichten Honiglose war gleichbleibend hoch – trotz einer unterdurchschnittlichen Honigernte. Im Rahmen einer bundesweiten Umfrage des Fachzentrums Bienen und Imkerei (Rheinland-Pfalz) wurden 2019 bayernweit durchschnittlich nur 8,1 Kilo Honig pro Bienenvolk in der Frühtracht geerntet; im Bundesdurchschnitt waren es 10,3 Kilo pro Bienenvolk. Zur Frühtracht gehören der Nektar von Frühjahrsblühern, Obstbäumen und Raps. In der Sommertracht, zu der auch der dunkle Waldhonig zählt, ernteten die Imkerinnen und Imker 14,6 Kilo Honig; dies sind 2 Kilo weniger als im Bundesdurchschnitt. Insgesamt wurden mit 22,7 Kilo Honig/Bienenvolk fast 10 Kilo weniger Honig in Bayern geerntet als 2018 (33,4 Kilogramm).

    Besonders Löwenzahnhonig hat dieses Jahr Seltenheitswert, da die Bienen beim Kälteeinbruch im Frühjahr diesen Honig für den Eigenbedarf genutzt haben. (geha)

    Jedes Detail zählt! Flecken auf dem Glas, Knicke im Etikett oder Untergewicht – wer zu den besten Honiganbietern in Bayern gehören will, darf sich keine Fehler erlauben. Foto: LWG

    Bearbeitet von Gerlinde Schlereth

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