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    Würzburg

    Warum noch immer Tabus in der Selbsthilfe herrschen

    Der Förderverein Selbsthilfe stellt einen Zusammenschluss von Selbsthilfeaktiven, Selbsthilfegruppen und an Selbsthilfe interessierten Bürgern dar. Foto: getty images

    Zusammenschlüsse von Menschen, die ein gleiches Problem oder Anliegen haben und gemeinsam etwas dagegen beziehungsweise dafür unternehmen möchten- das sind Selbsthilfegruppen. Wie wichtig sie für viele Menschen in unserer Gesellschaft heutzutage sind, das hat der Förderverein Selbsthilfe e.V. schon vor vielen Jahren erkannt. In diesem Jahr feiert er sein 20-jähriges Bestehen mit einer großen Jubiläumsfeier. 

    Beate Beyrich, Vorsitzende des Fördervereins Selbsthilfe Würzburg. Foto: Patty Varasano

    "Selbsthilfegruppen und Gesundheitsforen zum Austauschen sind von großer Bedeutung für die Betroffenen", weiß Beate Beyrich, Vorstandsvorsitzende des Vereins und Gründerin der Gruppe Frauenselbsthilfe nach Krebs. Seit 2018 ist sie außerdem Selbsthilfekoordinatorin am Comprehensive Cancer Center Mainfranken (CCC MF) der Uniklinik. Sie weiß, von was sie spricht: Vor 15 Jahren erkrankte die heute 66-Jährige selbst an Krebs. "Mir hat das damals sehr geholfen. Das Angebot muss kompetent und breit gefächert sein", sagt sie. "Damit jeder nach seinen Bedürfnissen etwas finden kann."

    Enge Zusammenarbeit mit Aktivbüro der Stadt Würzburg

    Der Förderverein Selbsthilfe stellt einen Zusammenschluss von Selbsthilfeaktiven, Selbsthilfegruppen und an Selbsthilfe interessierten Bürgern dar. Seine Aufgabe sieht der Verein darin, Selbsthilfe und Eigeninitiative im Gesundheits- und Sozialbereich zu unterstützen. "Seit über 20 Jahren hilft der Förderverein dabei, in Würzburg ein selbsthilfefreundliches Klima zu schaffen", sagt Beyrich. In enger Kooperation mit dem Aktivbüro der Stadt werden hauptsächlich Infrastrukturmaßnahmen unterstützt, die möglichst vielen Selbsthilfegruppen zugute kommen sollen. Dazu gehören beispielsweise der Betrieb des Selbsthilfehauses oder die Schaffung von mehr Barrierefreiheit im öffentlichen Raum. "Wir sehen uns als Bindeglied zwischen Selbsthilfegruppen und der Stadt Würzburg."

    "Würzburg ist das Mekka der Selbsthilfegruppen."
    Beate Beyrich, Vorsitzende des Fördervereins Selbsthilfe

    Und der Bedarf in Würzburg ist enorm: Rund 280 Selbsthilfegruppen und Initiativen im Gesundheits- und Sozialbereich gibt es in der Stadt. "Wir sind das Mekka der Selbsthilfegruppen", sagt Beyrich. Das Angebot reicht hier unter anderem von den anonymen Alkoholikern über Gruppen für Menschen mit Essstörungen, psychischen Erkrankungen, Krebs oder Behinderungen, bis hin zu  Mobbing-Gesprächsgruppen. 

    Noch immer herrschen viele Tabus in der Selbsthilfe

    Und sie werden immer wichtiger, weiß Beyrich. Mittlerweile gebe so sogar Studien, die beweisen, dass Menschen, die sich einer Selbsthilfegruppe anschließen, wieder besser ins Leben zurückfinden und,  "dass der Genesungsweg ein günstigerer ist". Doch noch immer herrschten viele Tabus in diesem Bereich. Während die meisten Frauen offen mit ihren Krankheiten umgehen und in den letzten Jahren viel aufgebrochen wurde, "ist das Tabu bei Männern leider noch immer da". "Männer sprechen noch lange nicht so offen über ihre Probleme wie Frauen, hier muss sich etwas ändern", fordert die gelernte Erzieherin. Denn nur, wenn man offen mit seiner Krankheit umgeht und sich vernetzt, können diese Tabus irgendwann durchbrochen werden. 

    Rund 70 Mitglieder zählt der Förderverein momentan. Viermal im Jahr treffen sich die Vorstandsmitglieder mit dem Leiter des Aktivbüros der Stadt, um zu beraten, welche Gruppen sie wie unterstützen können. Doch Anfang letzten Jahres stand der Verein kurz vor dem Aus. Nachdem sich die Gründergeneration in den vergangenen Jahren altersbedingt aus dem Vorstand zurückgezogen hatte, drohte dem Verein die Beschlussunfähigkeit und damit die Auflösung. Im August konnte Beyrich schließlich die "ersehnte Kehrtwende" verkünden. Insgesamt fünf Freiwillige aus der Würzburger Selbsthilfeszene hatten sich für Vorstandsaufgaben zur Verfügung gestellt.

    Umso mehr zeige sich, wie wichtig aktive Mitglieder sind. Wer Mitglied des Fördervereins Selbsthilfe werden möchte, kann eine Beitrittserklärung an das Aktivbüro der Stadt Würzburg senden: aktivbüro@stadt.wuerzburg.de. Mehr Infos unter www.foerderverein-selbsthilfe.de

    Jubiläumsfeier des Fördervereins im Gut Wöllried
    Am 18. Oktober feiert der Förderverein Selbsthilfe Würzburg sein 20-jähriges Bestehen im Gut Wöllried in Rottendorf. Neben verschiedenen Workshops wie "Heilsames Singen" oder einer "Aktiven Pause" mit Onkologin und Komplementärmedizinerin Dr. Löffler, erwartet die Besucher auch eine Überraschung. Da die Teilnehmerzahl begrenzt ist, bittet der Verein um eine Anmeldung bis spätestens 14. Oktober unter Tel.: (0931) 37 3468 oder per Mail an aktivbuero@stadt.wuerzburg.de.

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