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    Güntersleben

    Warum sich eine Frau mit 23 für die Taufe entscheidet

    Erwachsenentaufe: Katharina Irmler (rechts) lässt sich am Pfingstsonntag in Güntersleben von Pfarrer Bernd Steigerwald (links) katholisch taufen. Foto: Sebastian Schnitker

    Der größte Teil des Christentums praktiziert in der Regel die Kindertaufe. Hierbei bekennen Eltern oder Taufpaten – entweder als Stellvertreter des Täuflings oder im eigenen Namen – den Glauben an Jesus Christus und versprechen eine christliche Erziehung des Kindes. Bei Katharina Irmler hat sich das etwas anders zugetragen. Zwar sei sie gläubig aufgewachsen, aber ihre Eltern  – der Vater katholisch, die Mutter evangelisch – konnten sich nicht darauf einigen, welche Konfession ihre Tochter denn annehmen sollte. Sie beschlossen, dass sie das irgendwann selbst entscheiden sollte. Das hat die 23-Jährige – wenn auch viele Jahre später – nun getan und feiert am Pfingstsonntag in der Kirche St.Maternus in Güntersleben ihre Taufe. Sich als Erwachsene taufen zu lassen, bedeutet, gleichzeitig die Heilige Kommunion und die Firmung entgegen zu nehmen.         

    In der Schule besuchte Irmler den evangelischen Religionsunterricht, auch an Schulgottesdiensten sowie zu Gottesdiensten an Weihnachten, Ostern  oder Pfingsten nahm sie gerne teil. "Ich habe als Jugendliche die Bibel sehr gerne gelesen und habe auch meinen Glauben an Gott gefunden." Auch über andere Religionen habe sie sich informiert und "hineingeschnuppert". Schnell war aber klar, dass für sie der Weg als Christin der richtige war. Nur: Mit welcher Konfession?  

    Prunkvolles und Feierliches in der katholischen Kirche

    "So richtig stand das für mich erst fest, als ich das Abitur gemacht hatte", sagt die junge Frau und lächelt. Aber was gab für sie den Ausschlag, sich dem katholischen Glauben zuzuwenden?  "Ich habe festgestellt, dass für die Katholiken der Glaube in den Messen mehr im Vordergrund steht als bei den Protestanten. Das Prunkvolle und Feierliche gefällt mir." Auch, dass der Katholizismus "irgendwie traditionsbehafteter ist" und man beim Beten kniet, gefalle ihr. Wichtig ist ihr als künftige Katholikin natürlich auch der Papst, "der ja schließlich das Oberhaupt der römisch-katholischen Kirche ist". Die 23-Jährige steht dazu, dass ihr Traditionen wichtig sind und findet auch eine klassische Rollenverteilung nicht verkehrt. Familie ist ihr wichtig, besonders das Kümmern umeinander, "so wohnte meine Oma zum Beispiel bei meinen Eltern im Haus, das kann ich mir später auch vorstellen, meine Eltern zu meiner Familie zu holen". 

    Ihr Freund unterstützt sie

    Schön ist für Irmler, die ursprünglich aus Schwaben stammt und zum Lehramtsstudium nach Würzburg kam, dass ihr Freund, der 24-jährige Sebastian Schnitker, die Liebe zum Glauben teilt. "Er ist sehr katholisch aufgewachsen, und gerade von seiner Mutter konnte ich sehr viel über den katholischen Glauben und Gebräuche lernen." So ist die potentielle Schwiegermama auch die richtige Taufpatin für Irmler. Erst kürzlich, als der Opa ihres Partners verstarb, lernte die 23-Jährige auch das "Seelenamt" kennen. So wird die Messe im Gedenken an Verstorbene bezeichnet. "Sechs Wochen nach der Beerdigung kam die ganze Familie nochmal in der Kirche zusammen. Das war sehr schön und ergreifend", berichtet sie. Danach stehe das Jahresseelenamt an - ein Jahr nach der Beerdigung.  

    Wie geht katholisch?  

    Es sei nicht ganz einfach gewesen, die vorgeschriebene einjährige Vorbeitungszeit zur Taufe neben dem Studium unterzubringen, aber "letzendlich hat alles gut geklappt", so die Gymnasiallehramtsstudentin. Dafür ist sie ihrem Pfarrer Bernd Steigerwald sehr dankbar. Auch dieser ist mit seinem Täufling zufrieden: "Ich habe von Anfang an gemerkt, dass sie schon christliche Vorkenntnisse hat und sich intensiv mit dem Glauben beschäftigt hat."

    "Glaube gibt mir inneren Halt."
    Katharina Irmler, lässt sich mit 23 taufen

    In vielen interessanten Gesprächen habe man die Grundlagen des katholischen Glaubens intensiviert, so der Pfarrer. Das Buch "Wie geht katholisch" hat Irmler nun durchgearbeitet. Themen wie beispielsweise das liturgische Kirchenjahr, die sieben Sakramente, die Heilige Dreifaltigkeit, das Glaubensbekenntnis oder die Heiligenverehrung sind für sie längst gesetzt. "Glaube gibt mir inneren Halt", sagt Irmler. Sie spüre, dass nach dem Tod noch etwas sein muss und das gebe Halt. "Vielleicht lebt die Seele weiter", so ihre Hoffnung. 

    Doch wer den katholischen Glauben annimmt, muss sich auch mit der Frage des Zölibats auseinandersetzen und ob dieses noch zeitgemäß ist. Für Irmler gibt es im Moment keine logische religiöse Schlussfolgerung, die es zuließe, das Zölibat aufzulösen. Sollte es diese geben, werde sie sich nicht dagegen stellen, so die junge Frau. Was Missbrauchsfälle in der katholischen Kirche angeht, wehrt sie sich gegen ein Pauschalisieren. "Es ist ganz schrecklich, was da passiert ist. Das steht außer Frage", sagt sie. Dennoch müsse man Acht geben, dass kein Stereotyp daraus enstehe.

    Freude auf das Familienfest

    Irmlers Freund freut sich, dass seine Partnerin sich taufen lässt: "Ich finde es gut, dass sie sich bewusst dafür entscheiden hat." Gemeinsam hat das Paar auch die Fastenzeit von Aschermittwoch bis Ostersonntag gemeistert. "Wir haben bewusster gelebt, Veranstaltungen einfach mal sein lassen und ganz auf Alkohol verzichtet", erzählt Schnitker, der ebenfalls in Würzburg Lehramt studiert.

    Nun ist es am Sonntag, 9. Juni, soweit und Katharina Irmler ist schon ein wenig aufgeregt. In einem rosafarbenen Kleid und mit einer Taufkerze, die sie dann für ihre Hochzeit aufbewahren wird, wird die 23-Jährige während des Pfingstgottesdienstes in St. Maternus getauft. "Dann gibt es ein schönes Familienfest, auf das ich mich sehr freue." Bei ihren zukünftigen Kindern wird eine Erwachsenentaufe wohl eher ausbleiben, denn: "Sie sollen als Baby katholisch getauft werden", so die Vorstellung der Studentin. Für die Zeit nach ihrer Taufe hat sie sich vorgenommen, den Glauben intensiv zu leben, sich vielleicht im Kolping-Haus zu engagieren und den Glauben an junge Leute weiterzutragen. 

            

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