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    Lauda-Königshofen

    Warum zwischen Lauda und Würzburg häufig keine Züge fahren

    Pendler sind sauer. Sie wollen eigentlich mit dem Zug zur Arbeit fahren, doch der fährt nicht. Immer mehr steigen aufs Auto um. Verantwortlich ist eine britische Firma.
    Seitdem das britische Unternehmen Go-Ahead für den Bahnverkehr zwischen Lauda und Würzburg verantwortlich ist, fallen häufig Züge aus. Pendler sind sauer und steigen immer mehr aufs Auto um. Foto: TLT/Peter Frischmuth

    Mit dem Fahrplanwechsel im Dezember 2019 sollte alles besser werden: Seitdem ist das private Unternehmen Go-Ahead mit Sitz in Großbritannien für den Bahnverkehr auf der Frankenbahn zuständig. Doch schon nach kurzer Zeit haben sich Beschwerden gemehrt: Immer wieder kommt es auf der Strecke Lauda-Würzburg zu Zugausfällen. Fahrgäste, die vergeblich auf ihren Zug gewartet haben, müssen selber schauen, wie sie doch noch an ihr Ziel kommen. Nach der Wiedereröffnung der monatelang für Sanierungsarbeiten gesperrten Strecke klemmt es auf der Frankenbahn.

    Unternehmenssprecher geloben Besserung

    "Ich sehe mich gezwungen, demnächst aufs Auto umzusteigen, obwohl dies genau gegen die heutige Umweltpolitik spricht", stellt eine Leserin aus Kirchheim in einem Brief fest. Sie ist auf den Regionalexpress um 5.30 Uhr angewiesen, um pünktlich ihre Arbeitsstelle zu erreichen. "Die Menschen, die sich dabei auf die Zugverbindung verlassen, erfahren erst am Bahnhof, dass der Zug schon wieder diese Woche ausfällt." Es gebe zudem weder einen Schienenersatzverkehr noch ausreichend Informationen über die Fahrplan-Apps. Viele nutzten jetzt andere Wege, um sicher auf die Arbeit zu kommen.

    Bei einem Antrittsbesuch bei Landrat Reinhard Frank (Main-Tauber-Kreis) haben nun Sprecher des Verkehrsunternehmens Go-Ahead Baden-Württemberg Besserung versprochen. Das Unternehmen arbeite "mit Hochdruck" an Lösungen, um die hohe Ausfallquote deutlich zu senken. Das Hauptproblem auf der Frankenbahn sei fehlendes Personal am Standort Lauda, erklärte Geschäftsleiter Max Kaiser, der die Fahrgäste daher um "etwas Geduld" bittet.

    Moderne Züge werden eingesetzt

    Hinzu kämen "Kinderkrankheiten" bei den bereits eingesetzten und für einen Einsatz vorgesehenen, neuen Zügen. Go-Ahead sei mit Nachdruck dabei, neues Personal einzustellen beziehungsweise selber auszubilden. Schon bald sollen neue Kurse zum Kundenbetreuer und Triebfahrzeugführer starten. Sie dauern sieben Wochen beziehungsweise elf Monate.

    Es gibt zudem weitergehende Pläne: Der Bahnhof Lauda soll zu einer "Mobilitätszentrale", die Go-Ahead und die Verkehrsgesellschaft Main-Tauber gemeinsam nutzen, umgebaut werden. Hierzu stehen noch Gespräche mit der Stadt aus. Das Projekt wird durch die Stadt Lauda-Königshofen, das Busunternehmen SWEG und den Main-Tauber-Kreis unterstützt. Der Fahrkartenverkauf läuft bereits über das Servicecenter von Go-Ahead am Bahnhof Lauda. Der neue Anbieter ist im Dezember ambitioniert gestartet: Zwischen Osterburken und Lauda gibt es einen 30-Minuten-Taktverkehr, auch zwischen Lauda und Würzburg gibt es mehr Verbindungen. Die eingesetzten Züge sind deutlich moderner als zuvor, mit Klimaanlagen, elektronischen Anzeigen, mehr Beinfreiheit und WLAN-Empfang ausgerüstet.

    Das Unternehmen Go-Ahead
    Die britische Firma Go-Ahead hatte sich in einer europäischen Ausschreibung des Landes Baden-Württemberg durchgesetzt. Es stellt die Regionalexpresszüge von Stuttgart über Heilbronn und Lauda nach Würzburg. Die Betriebsgesellschaft ist zudem mit einem Wartungsstützpunkt in Essingen bei Aalen mit 50 Mitarbeitern im Land vertreten. Der Mutterkonzern betreibt seit 30 Jahren 5500 Bahnverbindungen auf 2200 Kilometern Schienennetz und befördert 30 Prozent der britischen Bahnreisenden. Die Frankenbahn und andere vor kurzem rund um Stuttgart übernommenen Bahnverbindungen sind jedoch die ersten Erfahrungen mit dem Schienenverkehr in Deutschland. Für den Regionalbahnverkehr auf der Frankenbahnstrecke ist die DB Region Bayern verantwortlich.

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