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    Würzburg

    Was das Verkehrswende-Bündnis beim Durchgangsverkehr fordert

    Rund 100 Menschen nehmen am Samstag (18.01.20) an der Demonstration „Durchatmen statt durchrasen“, zu der das Bündnis „Verkehrswende Jetzt“ aufgerufen hat, auf dem Stadtring Süd (B19) in Würzburg teil. Das Bündnis setzt sich für ein nachhaltiges Mobilitätskonzept ein, das wesentlich mehr ÖPNV beinhaltet und die drastische Senkung des motorisierten Individualverkehrs anstrebt. Foto: Patty Varasano

    Unter dem Motto „Durchatmen statt Durchrasen“ hat das vor knapp einem Jahr gegründete Bündnis „Verkehrswende Jetzt“ am Samstag zwischen Rottendorfer und Salvatorstraße den Stadtring Süd zum Nadelöhr gemacht und damit gegen den Durchgangsverkehr protestiert. Autofahrer konnten den Ring in diesem Bereich in beide Richtungen eine Stunde lang nur einspurig befahren, was zu längeren Rückstaus an den Kreuzungen führte.

    An den Nummerschildern der Autos, die in dieser Zeit an den gut 100 Teilnehmern der Demonstration vorbeifuhren, ließ sich ganz gut ablesen, worum es den 30 Parteien, Initiativen und Organisationen, die sich im Verkehrswende-Bündnis zusammengeschlossen haben, am Samstagvormittag ging. „Eines unserer fünf Ziele ist es, den motorisierten Individualverkehr zu reduzieren. Das betrifft auf dem Stadtring vor allem den Durchgangsverkehr“, erläuterte Bündnis-Sprecher Volker Glöckner.

    Nicht die erste Demonstration an dieser Stelle

    Es war nicht die erste Demonstration an dieser Stelle: Bereits im Juli 2013 und im März 2018 wurden dort zwei der vier Fahrspuren des Stadtrings aus Protest gegen Lärm, und Schadstoffe gesperrt. Bei den Insassen der meisten vorbeifahrenden Fahrzeuge, von denen ein großer Teil nicht aus der Stadt oder dem Landkreis Würzburg kam, sorgte die Behinderung im Wochenendverkehr für finstere Mienen und Kopfschütteln, einige machten ihrem Unmut durch Hupen oder aufheulenden Motor Luft.

    „Die Menschen müssen eine echte Alternative bekommen, wenn sie von einer Seite der Stadt auf die andere wollen“, sagte Glöckner: „Nach dem Radentscheid im Stadtrat muss der nächste Schritt sein, den ÖPNV massiv auszubauen, damit man mit Bus und Bahn schneller und bequemer von A nach B kommt als mit dem PKW. Dafür demonstrieren wir heute.“

    Demonstration war Mischung aus Protest und Wahlkampf

    In Sachen Verkehrswende und Klimaschutz hat sich nach Ansicht des Bündnisses in den letzten Jahren zu wenig getan, weil der politische Wille nicht vorhanden war. Die Demonstration war deshalb eine Mischung aus Protest und Wahlkampf: Zahlreiche Bewerberinnen und Bewerber um ein Stadtratsmandat waren dabei, und mit Kerstin Westphal (SPD), Sebastian Roth (Linke) und Martin Heilig (Grüne) sprachen sich die OB-Kandidaten der im Bündnis vertretenen Parteien in kurzen Ansprachen für eine Verkehrswende aus.

    Manfred Neuner, einer der Sprecher der Bürgerinitiative „Brummis weg vom Stadtring“, forderte ebenfalls „weniger Verkehr, weniger Lärm und weniger Schadstoffe und eine zukunftsfähige Verkehrspolitik, die unserer Meinung nach bisher nicht gegeben ist.“ Die Bürgerinitiative ist ebenfalls Bündnis-Mitglied und fordert seit vielen Jahren ein Durchfahrts- und Nachtfahrverbot für LKW über 3,5 Tonnen sowie Schadstoff-Messstellen an allen mit Verkehr stark belasteten Stellen in der Stadt.

    Geschwindigkeitsbegrenzung gefordert

    Als weitere wichtige Maßnahme müsse es auf den Einfallstraßen nach Würzburg eine Geschwindigkeitsbegrenzung geben, so Neuner weiter: „Nur so werden Navis den Weg über den Stadtring nicht mehr als schnellste Route ausweisen können.“

    Dass eventuell nicht alle geforderten Maßnahmen im Kompetenzbereich der Stadt liegen, wollen die Verkehrswende-Befürworter nicht als Ausrede gelten lassen: „Für die Gesundheit ihrer Bürger kann die Stadt selbst die Initiative ergreifen. Wir wünschen uns einen Oberbürgermeister und eine Stadtverwaltung mit weitreichenden Maßnahmen zum Wohle der Würzburger“, sagte Neuner.

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