• aktualisiert:

    LEINACH

    Was wird aus der Julius-Echter-Kirche?

    Die Außenrenovierung der Julius-Echter-Kirche ist bald abgeschlossen. Deutlich tritt der Gegensatz des maroden bisherigen äußeren Zustands an der Fassade zutage. Foto: Herbert Ehehalt

    Die Taube gilt weltweit als Sinnbild des Friedens. Ist ein Taubengelege auf dem Gerüst der Julius-Echter-Kirche (JEK) kurz vor der Fertigstellung der Außenrenovierung ein göttlicher Fingerzeig? Denn es wir immer noch nach einer Lösung für die ehemalige Pfarrkirche von Unterleinach gesucht. Immerhin wird seit einer Anfrage in der Bürgerversammlung lebhaft darüber diskutiert, dass die örtliche Kirchenverwaltung beschlossen hat, die Kirche wieder zu weihen.

    Seit Sommer vergangenen Jahres ist das Wahrzeichen des unteren Leinach eingerüstet. Grund dafür ist die Außenrenovierung der Kirche. Deren Geschichte reicht als Teil des unter Denkmalschutz stehenden ehemaligen Frongeländes bis ins Jahr 1186 zurück. Zuletzt war die Kirche über vier Jahrzehnte dem Verfall ausgeliefert. Ausgeschlachtet wurde das Gotteshaus nach dem Neubau des Pfarrzentrums „Communio Sanctorum“ in den Jahren 1974 bis 1976.

    Noch keine Förderzusage

    Bis zum Sommer hatte es gebraucht, um mit einer Außenrenovierung den weiteren Verfall aufzuhalten. Je näher aber das Ende der Arbeiten – voraussichtlich Ende Mai – rückt, umso mehr holen die Gemeinde die Sünden der Vergangenheit ein. Ein Nutzungskonzept fehlt, seit das Pfarrzentrum Communio Sanctorum am 23. Mai 1976 eingeweiht wurde. Lediglich die örtliche Kirchenverwaltung machte seither „Nägel mit Köpfen“. Sie beschloss im Februar 2009 die Resakralisierung der JEK mit anschließender anderweitiger Nutzung oder Abriss des Pfarrzentrums „Communio Sanctorum.

    Ohne weitere Beteiligung der Öffentlichkeit soll dieser Beschluss von den fünf Mitgliedern der Kirchenverwaltung mit knapper Mehrheit gefasst worden sein.

    Die politische Gemeinde plant nach der Außenrenovierung der Julius-Echter-Kirche eine „Umfeldgestaltung“ als städtebauliche Maßnahme. Dies wurde in der Prioritätenliste gegenüber der Regierung von Unterfranken als Fördergeber präzisiert. Nach Einschätzung von Bürgermeister Uwe Klüpfel sollte die Gestaltung des Umfelds zunächst der Sanierung der Kirchenburgmauer gelten, bevor landschaftsgestalterische Maßnahmen rund um die Kirche folgen.

    Die vorliegenden Planungen hierzu mit einem Kostenumfang von 1,2 Millionen Euro wurden durch den Gemeinderat auf 940 000 Euro abgespeckt. Der Beginn der Mauersanierung ist ab Herbst 2017 geplant. Für den Gemeinderat gibt es jedoch bisher keinerlei verbindliche Entscheidungsgrundlagen, weder eine Förderzusage zur Umfeldgestaltung noch zu einer Innenraumsanierung oder gar einer künftigen Nutzung.

    Das Thema der künftigen Nutzung der Julius-Echter-Kirche kochte zuletzt in der Bürgerversammlung im März hoch. Bis dahin kannte wohl nicht einmal der seit April 2016 tätige Pfarrer Andreas Bosl den Beschluss zur Resakralisierung. Er ist seitdem im ständigen Kontakt mit Ordinariat, Gemeinde Leinach und örtlicher Kirchenverwaltung. Nach Aussage von Pfarrer Bosl gibt es innerhalb des bischöflichen Ordinariats inzwischen einen „runden Tisch“ zur weiteren Zukunft der Julius-Echter-Kirche unter Leitung von Generalvikar Thomas Keßler. An der Runde beteiligen sich neben Keßler auch Vertreter des bischöflichen Bauamts wie auch der Finanzkammer und der Abteilung Gemeindeentwicklung „Pastoral 2030“.

    Ungültiger Beschluss?

    Auf Nachfrage dieser Redaktion bestätigte Bernhard Schweßinger, Pressesprecher der Diözese Würzburg, einen Beschluss der örtlichen Kirchenverwaltung aus dem Jahr 2009 zur Renovierung und Resakralisierung der Julius-Echter-Kirche. Nach den Recherchen von Pfarrer Bosl sei dieser Beschluss jedoch ohne vorherige Rücksprache gefasst worden – weder mit dem bischöflichen Sekretariat, der bischöflichen Finanzkammer, noch der Abteilung Gemeindeentwicklung des Ordinariats.

    Deshalb erachtet Offizial Monsignore Stefan Rambacher den Beschluss zur Resakralisierung für ungültig, da dies einzig die Entscheidungsbefugnis des Bischofs betreffe. Gleichwohl wird laut Bernhard Schweßinger „in Anbetracht des bevorstehenden Abschlusses der Außenrenovierung der Julius-Echter-Kirche deren Innenrenovierung und eine Resakralisierung derzeit überprüft – vor allem mit Blick auf die anstehende pastorale Planung in der Region Würzburg.“

    Pfarrer fordert offene Diskussion

    Nach Auffassung von Pfarrer Bosl sollte eine Innenrenovierung und künftige Nutzung der Julius-Echter-Kirche angesichts von vier vorhandenen Kirchen im Leinachtal „auf breiter Basis öffentlich und ergebnisoffen diskutiert werden.“ Ausdrücklich stellt sich Pfarrer Bosl nicht gegen eine Innenrenovierung, sieht aber auch keine zwingende Notwendigkeit für eine künftige, ausschließlich pastorale Nutzung. Eher erscheint ihm eine multifunktionale Nutzung als sinnvoll.

    Auch hierzu pflichtet ihm die Leitung des Ordinariats bei: Eine Zustimmung des Ordinariats einzig als Konzertraum wird es demnach nicht geben, gab Pfarrer Bosl bei einem Pressegespräch mit Bürgermeister Uwe Klüpfel (CFW), dessen Stellvertreter Erhard Franz (CSU) und Kirchenpfleger Martin Endres bekannt.

    Voraussichtlich am 23. Mai steht die Umfeldgestaltung auf der Tagesordnung der Gemeinderatssitzung – auf den Tag genau 41 Jahre nach Einweihung des Pfarrzentrums Communio Sanctorum.

    Ein Taubengelege auf dem Turmgerüst verhindert die Fortsetzung der Sanierungsarbeiten.
    Eine Inschrift belegt die letzte Renovierung im Jahr 1958.

    Von unserem Mitarbeiter HERBERT EHEHALT

    Fotos

      Kommentare (0)

        Der Diskussionszeitraum für diesen Artikel ist leider schon abgelaufen. Sie können daher keine neuen Beiträge zu diesem Artikel verfassen!