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    Würzburg

    "Wein am Stein": Warum Musik so wichtig für das Festival ist

    Einmal im Jahr, wenn das "Wein am Stein"-Festival in Würzburg stattfindet, wird Winzer Ludwig Knoll zum Konzertveranstalter. Foto: Fabian Gebert

    Dass das Weinfest im Weingut am Stein nicht nur ein Fest des Rebensaftes ist, sondern auch ein Musik-Festival, ist längst eine Binsenweisheit. Denn der Winzer und selbsterklärte Musikliebhaber Ludwig Knoll sorgt nicht nur dafür, dass die Gäste ihren Weindurst löschen, er stellt auch persönlich das Musikprogramm für die Open-Air-Bühne mitten in den Weinbergen zusammen – so auch in diesem Jahr für die Tage vom 10. bis 23. Juli. Im Gespräch verrät er, wie sich aus einem kleinen Weinfest, ein populäres Festival entwickelt hat und welche Kriterien ein Künstler erfüllen muss, um dort auftreten zu dürfen.

    Frage: In diesem Jahr findet das "Wein am Stein" bereits zum 33. Mal statt. Wie kam es dazu, dass sich aus einem kleinen Weinfest ein angesagtes Wein- und Musikfestival entwickelt hat?

    Ludwig Knoll: Um das "Wein am Stein" zu verstehen, muss man ein bisschen in die Historie zurück gehen. Begonnen hat es direkt nach meinem Abitur. Wir wollten ein einfaches Weinfest machen - mit Freunden und für Freunde. Damals war alles natürlich noch viel kleiner und überschaubarer, ein paar 100 Gäste waren da. Wir hatten aber sofort den Gedanken, dass wir unsere ganz eigene Geschichte machen wollen und nicht so wie die meisten Weinfeste damals waren, mit Blasmusik und alles sehr traditionell angehaucht. Ich wollte meine eigene Musik unterbringen, denn ganz ehrlich: Blasmusik war noch nie meins. Das erste Konzert, welches wir hier gegeben haben, war mit dem Saxophonisten Martin Klingenberg. Ich kann mich noch genau erinnern, er hat viel improvisiert, war jazzig, aber auch funkig. Die Leute haben es gehasst (lacht). Die Gäste waren hauptsächlich Grombühler, die hergekommen sind und unter einem Weinfest einfach etwas anderes verstanden haben. Am nächsten Tag waren wir hauptsächlich nur noch junge Leute und so hat sich das dann weiter entwickelt. Nach einer anfänglichen Zeit hat sich das Festival natürlich auch in den musikalischen Kreisen herumgesprochen und so kam dann der ein oder andere Topact hinzu, der auch national oder international wichtig ist. Heute bin ich natürlich nicht mehr ganz so jung, den Geist trage ich aber immer noch in mir.

    Welchen Stellenwert hat die Musik heute für das Festival?

    Knoll: Klar, spielt der Genuss eine große Rolle, der Wein ist immer wichtiger geworden, aber so auch der kulturelle Anspruch an die Musik. Ich denke, die Hälfte aller Besucher kommt ausschließlich wegen der Konzerte. Mittlerweile spielt auch keine Coverband mehr hier, es spielen ausschließlich eigenständige Bands. In diesem Jahr sind 25 Bands am Start. An den meisten Tagen haben wir zwei Acts, an manchen Tagen drei - da ist schon richtig was geboten. Deshalb steckt da natürlich auch jede Menge organisatorische Arbeit dahinter. Für viele sind wir jedoch immer noch ein ganz normales Weinfest, da stehen die Leute dann am Eingang und fragen sich, warum sie Eintritt bezahlen sollen. Es ist aber nicht mehr so, dass wir nur ein Weinfest sind, wir sind ein Festival. Wir schimpfen uns Wein- und Musikfestival.

    Ein Foto aus dem letzten Jahr: Bei "Wein am Stein" über den Dächern Würzburgs treten jedes Jahr bekannte Bands auf, die viele Besucher anziehen Foto: Silvia Gralla

    Sie sprechen die organisatorische Arbeit an..

    Knoll: Ja, diese besteht nicht nur aus dem Booking und der Auswahl der Bands, sondern auch das ganze Fest auf die Beine zu stellen. Die Planung geht ein ganzes Jahr lang: Nach dem Wein am Stein, ist vor dem Wein am Stein, wie man so schön sagt. 

    Das heißt, es steckt ein großes Team dahinter?

    Knoll: Ohne die Bands sind wir knapp 100 Personen: Für Wein, Speise, Ordner oder Security. Die meisten sind Studenten. Mittlerweile sind viele Kinder von Freunden von uns dabei, es ist also alles noch sehr familiär geblieben, auch wenn das Fest natürlich professioneller geworden ist. Klar ist es auch kommerziell und natürlich verdienen wir auch etwas dabei, aber unser Beweggrund ist gemeinsam zu feiern und die Weinfestzeit gemeinsam zu genießen.

    Wie genau läuft die Auswahl der Bands ab? Suchen Sie sich die Künstler selber aus?

    Knoll: In die heiße Phase geht es immer im Winter. Im Dezember und Januar, wenn es bei uns im Weingut etwas ruhiger ist, gehe ich viel auf Konzerte und kümmere mich um die Auswahl. In Würzburg haben wir gute Locations, was Konzerte betrifft. Ich fahre aber auch mal nach München oder ins nähere Umland, um mir Bands anzuhören. Natürlich bin ich Winzer, ich bin kein Profi in Sachen Musik, aber in den vielen Jahren, in denen ich die Bandauswahl gemacht habe, habe ich ein Gefühl dafür bekommen. Trotzdem habe ich auch einige Musikscouts an meiner Seite. Die Musik muss eingängig sein, sie darf nicht zu experimentell sein, und bitte auch keine Partymucke. Die Musik muss handgemacht sein, es kann aber auch mal ein DJ-Act dabei sein. 

    Bewerben sich manche Bands, um bei "Wein am Stein" auftreten zu dürfen?

    Knoll: Ja. Wir haben im Jahr bestimmt 350 Bewerbungen, das ist eine ganze Menge. Klar, die Musikscouts helfen mir da schon ein bisschen, aber letztendlich läuft das alles immer noch über meinen Schreibtisch.

    Gibt es eine Band, die Ihnen in den letzten Jahren besonders in Erinnerung geblieben ist?

    Knoll: Also ich muss sagen, die Musik von Giant Rooks höre ich noch immer wahnsinnig gerne. Sie klingt einfach unglaublich eingängig. Von wegen Lisbeth finde ich auch super klasse, die Musik kann man sehr lange hören, bis man sie satt hat: ein schön rockiger Sound mit deutschen Texten. Bei uns am Festival ist auch nie anstrengende Musik dabei, auch keine Hochkultur, denn dafür muss man echt ein Liebhaber sein.

    Und auf welche Künstler freuen Sie sich in diesem Jahr ganz besonders? 

    Knoll: Ich persönlich finde ja die Bananafishbones ganz toll. Das ist halt auch ein bisschen meine Generation. Die Jungs haben vor langer langer Zeit einige Hits gehabt, das ist dann aber auch der einzige Oldie hier beim Festival. Mein Sohn hat sie immer gehört, weil er Wilde Kerle Fan war und die Fishbones die Musik dazu gemacht haben. Auch auf Granada freue ich mich sehr. Die Österreicher haben ja eh momentan ganz viele tolle Acts am Start. Aber im Grunde sind alle Bands, die dabei sind, echt super. Ich habe sie ja schließlich eigens ausgesucht (grinst). 

    Wein am Stein 2019
    Das Wein am Stein 2019 findet vom 10. bis 23. Juli am Weingut an Stein in Würzburg statt. Der Eintrittspreis beträgt von Sonntag bis Donnerstag sechs, am Freitag und Samstag neun Euro. Top-Act-Konzerte kosten 13 Euro. Die Abendkasse ist von Sonntag bis Freitag ab 16 Uhr geöffnet, Samstag ab 15 Uhr. Vorverkauf: Weingut am Stein, Frizz- Büro Würzburg und Tourist Info im Falkenhaus. Weiter Infos unter www.wein-am-stein.de.

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