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    Würzburg

    Welche Songwriter Würzburg an einem Abend zu bieten hatte

    Der Auftritt der Gewinnerband des vergangenen Jahres "Cellotta". Foto: Silvia Gralla

    Sehr ordentliches Niveau hatten alle Songs und ihre Singer am Dienstagabend in der Aula der Maria-Ward-Schule. Hierhin war der dritte Singer-Songwriter-Contest des Chambinzky-Kulturclubs wegen Eigenbedarfs im Theater ausgewichen. Man blieb ja in der Nachbarschaft. Dass eine solche Verlegung möglich war, zeigte die gute Vernetzung des Kulturclubs. Ebenso professionell ging der Abend über die Bühne: Soundtechnik, Barbetrieb, Moderationen. Da erfrischte es, dass die Musiker einige Ecken und Macken zelebrierten. Sonst wäre das Contest-Finale zu glatt verlaufen.

    Von Solisten bis zum Trio

    Zwölf Darbietende vom Solisten bis zum Trio hatten die Veranstalter "aus dem stillen Kämmerchen gelockt", so Chambinzky-Theaterleiter Csaba Béke. Höchstens 100 Kilometer von Würzburg entfernt sollten sie wohnen und Eigenkompositionen bringen. In der Woche zuvor traten an zwei Abenden je sechs vor Jury und Publikum, die bestplatzierten drei kamen jeweils ins Finale. "Ohne Talent kommt keiner hier rauf", sagte Béke: "Aber es geht nicht um Konkurrenz, sondern ums Kennenlernen, um ein schönes Netzwerk und darum, dass ihr alle weitermacht." Hierzu – fürs Weitermachen – hatte ein Tontechniker, der mit Ralf Duggen, Jojo Schulz und anderen in der Jury saß, zwei Aufnahmetage im Studio spendiert. Außerdem gab es Gutscheine für Reisen und Essen.

    Eine große Gemeinsamkeit hatten die Liedermacher: Alle schrieben englische Texte. Alles andere war dermaßen unterschiedlich, dass sechs Preise für sechs Genres angemessen gewesen wären. Ein bunter Abend also! Was an Traditionen durchschimmerte, wurzelte wechselnd zu beiden Seiten des Atlantiks. Sogar die, die bloß mit Gitarre in der Hand auftraten, lebten in verschiedenen musikalischen Welten: Sophisticated starteten die zwanzigminütigen Auftritte mit Simon Neuhaus an der Akustischen, nach der Pause kam der zweite reine Klampfenist mit dem Künstlernamen The Human Computers und seiner E-Gitarre; beide programmierten Loops zur eigenen Hintergrundbegleitung ein. Als letzte setzte AMI Lyons naturbelassene Off-Beats auf diese Ur-Formen des Liedermachens: sechs Saiten und eine Stimme, die leidenschaftlichste von allen und mit dem dritten Preis ausgezeichnet.

    kunstvoll, manchmal gekünstelt

    AMI Lyons Mitkandidaten gaben sich reservierter, sangen kunstvoll, manchmal gekünstelt. Auch das machte den Contest reizvoll: Wie gehen die Sängerinnen und Sänger mit ihrer Stimme um? Steckt da Potenzial drin oder sind die schon an der Grenze? Exzessiv darüber hinaus wagte sich übrigens keiner. Ebenfalls nicht an Mehrstimmigkeit, Vibrato, knallige Refrains – schon gar nicht nach der zweiten Strophe, das erschien allen Songwritern zu schematisch.

    Die Band "Ophilia": Das Duo sind die Gewinner des diesjährigen Contests. Foto: Silvia Gralla

    Sehr interessantes, metallenes Timbre hat die Sängerin des Trios Selfserviceonly. Nur, man kann auch die Stimme zu schematisch einsetzen. Da ist noch Entwicklung möglich, auch in der Band, die eine simple Begleitung brav runterbuchstabierte. Die einzige Formation mit Frau, die am Ende nicht aufs Siegertreppchen durfte, heimste trotzdem Riesenapplaus aus dem wohlwollend gestimmten und mit 150 Gästen gut gefüllten Saal ein.

    Das Gewinner-Duo Ophilia stieg mit einem Antikriegslied ein, das gerade durch seine musikalische Schönheit sehr betroffen machte. Generell bildet der Kontrast zwischen geradlinig effektiver Gitarre und spiralig aufsteigendem Gesang das Grundgerüst dieses Frauen-Duos. Mit auf dem Siegertreppchen stand Linus Cuno, dessen Soul-Entertainment vorhersehbare Melodien witzig unterlief und überhaupt– nach Moderator Matze – den meisten Humor in den gelungenen Abend brachte.

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