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    Würzburg

    Weltweiter Wald-TÜV: Der Startschuss fiel in Würzburg

    Der Wald in Deutschland ist vom Klimawandel bedroht. Am Amazonas brennt der Regenwald. Was eine Initiative, die vor 20 Jahren in Würzburg startete, dagegen tun will.
    20 Jahre nach dem Startschuss für das PEFC-Siegel in Würzburg trafen sich Forstexperten aus aller Welt erneut in der Domstadt. Mit dabei waren (von links): Ben Grunenberg (CEO PEFC International), Marian Freiherr von Gravenreuth (ehemals Vorsitzender des Waldbesitzerverbandes in Bayern und einer der Gründungsväter von PEFC) und Andreas W. Bitter (Vorsitzender PEFC Deutschland).
    20 Jahre nach dem Startschuss für das PEFC-Siegel in Würzburg trafen sich Forstexperten aus aller Welt erneut in der Domstadt. Mit dabei waren (von links): Ben Grunenberg (CEO PEFC International), Marian Freiherr von Gravenreuth (ehemals Vorsitzender des Waldbesitzerverbandes in Bayern und einer der Gründungsväter von PEFC) und Andreas W. Bitter (Vorsitzender PEFC Deutschland). Foto: Thomas Obermeier

    Das Bio-Label kennt jeder. Bei PEFC, einer Art weltweitem Wald-TÜV sieht das anders aus. Und dass der Startsschuss für PEFC vor 20 Jahren in Würzburg fiel, wissen die wenigsten. Dabei findet man das Label, mit dem Holz aus nachhaltiger Waldbewirtschaftung gekennzeichnet wird, nicht nur auf Möbeln, Parkett oder Buntstiften, sondern sogar auf Windeln, Feuchttüchern oder Kleidung, wenn diese aus zertifiziertem Zellstoff hergestellt werden.

    Bayern bewirtschaftet über 80 Prozent seiner Waldfläche, also mehr als zwei Millionen Hektar, nach diesen strengen Regeln. Deutschlandweit sind 7,5 Millionen Hektar, fast 70 Prozent der Waldfläche,  PEFC-zertifiziert. Anlässlich einer internationalen PEFC-Tagung trafen sich in dieser Woche 200 Waldexperten aus 51 Nationen erneut in Würzburg: dort, wo vor 20 Jahren alles begann.

    Einer der Gründungsväter, Marian Freiherr von Grafenreuth, der als Vorsitzender des Waldbesitzerverbandes in Bayern den Grundstein für PEFC Deutschland legte, sagt: "100 Jahre im Wald sind wie ein Tag. Man braucht sehr viel Geduld. Aber wenn Sie an etwas glauben, optimistisch sind, einen Willen und ein Wertesystem haben, schaffen Sie es, was wir in 20 Jahren geschafft haben: nämlich 320 Millionen Hektar Wald weltweit zu zertifizieren."

    Gründungsmitglied Marian Freiherr von Gravenreuth aus Augsburg erinnert sich an die Anfänge von PEFC vor 20 Jahren in Würzburg.
    Gründungsmitglied Marian Freiherr von Gravenreuth aus Augsburg erinnert sich an die Anfänge von PEFC vor 20 Jahren in Würzburg. Foto: Thomas Obermeier

    Von der Einhaltung der Menschenrechte bis zu ökologischen Standards

    Doch was heißt das? Ziel des Labels ist, ökonomische, ökologische und soziale Standards weltweit zu garantieren. Konkret geht es etwa darum, dass kein Waldarbeiter bei der Arbeit sein Leben riskiert, dass Menschenrechte eingehalten werden, dass es keine Kahlschläge im Wald gibt, dass Maschinen nicht kreuz und quer fahren und den Waldboden zerstören, dass es schützenswerte Gebiete für die Trinkwasserversorgung gibt, dass Maschinen nur mit Bioöl fahren, dass Monokulturen durch klimastabile Mischwälder mit mindestens vier standortgerechte Baumarten ersetzt werden sollen. Kurzum: In jedem Mitgliedsland geht es darum, das wertvolle System Wald zu erhalten.

    "Wer Kahlschlag oder verbotenen Pestizideinsatz betreibt oder dessen Wald zu stark vom Wild verbissen wird, so dass sich die Bäume nicht verjüngen, fliegt raus", sagt Catrin Fetz, Pressesprecherin von PEFC Deutschland. 

    Catrin Fetz, Pressesprecherin von PEFC Deutschland im Würzburger Steinbachtal.
    Catrin Fetz, Pressesprecherin von PEFC Deutschland im Würzburger Steinbachtal. Foto: Patty Varasano

    Unabhängige forstlich ausgebildete Auditoren vom TÜV kontrollieren, ob die Standards eingehalten werden. Etwa die Hälfte der zertifizierten Waldfläche wird jedes Jahr stichprobenartig überprüft. Große Waldbesitzer trifft es häufiger. Pro Hektar Wald kostet die Zertifizierung 18 Cent.

    Weltweite Standards, wie soll das gehen?

    Doch am Amazonas in Brasilien muss auf andere Pflanzen, Produktions,- Arbeits,- und Klimabedingungen Rücksicht genommen werden als beispielsweise im Würzburger Stadtwald. Deshalb entwickelt jedes Land aus den internationalen Mindestanforderungen von PEFC seinen eigenen Standard. "Für die Waldbesitzer in Brasilien muss es reizvoller sein, Holz, das durch die Zertifizierung mehr Wert ist, zu verkaufen und dabei den Wald nachhaltig zu bewirtschaften, als etwa den Wald für Soja-Flächen oder Rinderhaltung umzuwandeln", sagt Fetz. 

    Je höher die Nachfrage nach zertifzierten Produkten sei, desto mehr wirke sich das auf die Leute aus, die vom Wald leben müssen, sagt Thorsten Arndt von PEFC International. "Insofern haben auch die Verbraucher hier bei uns einen gewissen Einfluss darauf, ob am Amazonas der Regenwald brennt." 

    Auf welche Label sollte der Verbraucher bei Holzprodukten achten?
    PEFC und FSC: Es gibt zwei große internationale Zertifizierungssysteme, die nachhaltige Waldbewirtschaftung sicherstellen sollen: PEFC (Programme for the Endorsement of Forest Certification Schemes) und FSC (Forest Stewardship Council). Beide Label werden weltweit eingesetzt und haben ähnliche Ziele. 
    Raus aus der Nische: Trotz der Erfolgsgeschichte von PEFC ist zertifiziertes Holz immer noch ein Nischenprodukt. Von vier Milliarden Hektar Wald auf der Erde sind gerade einmal 400 Millionen Hektar zertifiziert.
    Karl-Georg Schönmüller (links), Leiter des Forstbetriebs der Stadt Würzburg, und Wolfgang Kleiner, Umweltreferent der Stadt, stehen hinter einem Stapel von zertifiziertem Holz im Steinbachtal.
    Karl-Georg Schönmüller (links), Leiter des Forstbetriebs der Stadt Würzburg, und Wolfgang Kleiner, Umweltreferent der Stadt, stehen hinter einem Stapel von zertifiziertem Holz im Steinbachtal. Foto: Patty Varasano
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