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    Würzburg

    Wenn andere feiern: Arbeiten auf dem Africa Festival

    Rostand Longtchi (links) und sein Chef Jan Müller sind im Gastrobereich des Africa Festivals ein eingespieltes Team: "Wir haben eine familiäre Atmosphäre." Foto: Jürgen Sterzbach

    Das Africa Festival öffnet seine Tore, die ersten Besucher betreten das Gelände. Etienne Oppl ist schon da. Er ist zuständig für die Presse und Öffentlichkeitsarbeit. Dazu gekommen ist der 27-Jährige zufällig. Zweieinhalb Jahre arbeitete er im Disneyland bei Paris, bevor er zum Studieren zurück nach Würzburg kam und einen Nebenjob suchte: "Ich habe bei einer Jobbörse ein paar Stichworte eingegeben und bin auf eine Anzeige vom Africa Festival gestoßen."

    Vom Disneyland auf die Mainwiesen

    Für Festivals und Themenparks interessierte er sich seit jeher, das Africa Festival lernte er aber erst mit der Arbeit kennen: "Ich bin da so reingerutscht." Rund 200 Mitarbeiter zählt das Africa Festival während des Betriebs; von der kleinen Schwester, die sich nebenbei etwas dazu verdienen möchte, über Studenten bis zum Aussteiger auf Zeit.

    Viele fleißige Helfer waren mit dem Aufbau beschäftigt. Foto: Patty Varasano

    Wie David Limmer. Der 41-Jährige ist als einer von zwei technischen Leitern auf dem Gelände unterwegs. Eigentlich arbeitet der Würzburger im eigenen Architekturbüro, aber nimmt sich für das Festival im Büro frei: "Wenn ich am ersten Tag auf dem Platz komme, schaue ich auf eine leere Wiese und atme tief ein. Das gleiche mache ich am letzten Tag und atme tief aus."

    Für drei Wochen raus aus dem Büro

    Seit 14 Jahren ist Limmer beim Africa Festival aktiv: erst am Zapfhahn, dann im Kinderbereich und seit gut zehn Jahren in seiner jetzigen Funktion: "Wir bauen für vier Tage eine kleine Stadt auf, die von Kabelbinder und Klebeband gehalten wird. Danach reißen wir alles wieder ab." Während des Studium sei es für ihn freilich auch ums Geld gegangen. Mittlerweile, räumt er ein, habe er das nicht mehr nötig. Dennoch hält er dem Festival die Treue.

    Seine Motivation hat sich verändert: "Ich mag das bunte Treiben, das zieht mich an. Hier kann ich drei Wochen lang in eine ganz andere Welt eintauchen." Die Arbeit unter freiem Himmel, der Kontakt mit den Menschen, die Bewegung stehen dabei ganz im Gegensatz zum strukturierten Arbeitstag des Architekten: "Das erfrischt mich sehr. Danach sitze ich ganz anders im Büro."

    David Limmer ist selbstständiger Architekt in Würzburg. Drei Wochen im Jahr arbeitet er beim Africa Festival als technischer Leiter: "Hier kann ich in eine ganz andere Welt eintauchen." Foto: Jürgen Sterzbach

    Mitarbeiter schätzen familiäre Atmosphäre

    Rostand Longtchi kam 2004 aus Kamerun zum Studieren nach Würzburg: Physik, Abschluss mit Master. In den ersten Jahren arbeitete der 35-Jährige auf dem Festival am Infostand, jetzt in der Gastronomie. Das Festival beginnt für ihn deshalb schon drei Tage vor der eigentlichen Eröffnung. "Wir haben in dieser Zeit einen straffen Zeitplan", wirft Jan Müller ein. Der Würzburger ist mit einer Werbeagentur selbstständig und seit 17 Jahren beim Africa Festival dabei.

    Dort leitet Müller den Gastrobereich, der mit rund 100 Mitarbeitern der größte ist. "An manchen Ständen geht es den ganzen Tag lang richtig zur Sache. Wenn du abends nach Hause gehst, willst du die Füße nur noch hochlegen", lacht Longtchi. Die Arbeit bereitet ihm dennoch Freude. "Wir haben eine familiäre Atmosphäre", findet Müller. Einige Mitarbeiter kehren, obwohl sie längst nicht mehr in Würzburg wohnen, einmal im Jahr zum Africa Festival zurück.

    Einmal im Jahr zurück nach Würzburg

    Max Schubert ist einer davon. Er studierte in Würzburg und stieß über einen Bekannten in dieser Zeit zum Team. Heute lebt und arbeitet der 38-Jährige mit seiner Familie in Berlin. "Ich nehme mir diese paar Tage frei und komme her. Das ist ein willkommener Ausgleich zum Büro", sagt Schubert. Sein Kollege Fiston Malu stammt aus dem Kongo. 1991 kam er nach Würzburg und begann kurz danach, beim Festival mitzuarbeiten. Angepackt hat er schon überall, seit vielen Jahren organisiert er nun den Basar: "Für mich hat das eine sehr wichtige Rolle bei der Integration gespielt."

    Für David, Rostand, Jan, Max und Fiston gilt auch, wie Etienne Oppl seine Motivation erklärt: "Wir wollen den Besuchern hier einen tollen Tag bereiten, ihnen etwas Tolles anbieten, die Lebensfreude Afrikas vermitteln und eine andere Welt präsentieren."

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