• aktualisiert:

    GEROLDSHAUSEN

    Wenn die Feuerwehr den Ernstfall probt

    Montagabend, 18.15 Uhr, auf dem Gelände der Baywa dringt Rauch aus dem obersten Fenster des rund 30 Meter hohen Getreidesilos. Um 18.32 Uhr ertönt ein Funkspruch aus dem Funkgerät von Kreisbrandmeister (KBM) Heiko Drexel: „Übungsalarm. Staubexplosion im Silo der Firma Baywa. Mehrere Personen in Gefahr. Industriestraße 8 in Geroldshausen.“

    Der Funkspruch kommt von der Leitstelle in Würzburg. „Dass sie Übungsalarm sagen ist wichtig, nicht dass einer fährt wie ein Gedopter“, meint Drexel. Wenige Minuten später trifft die örtliche Feuerwehr mit einem großen Einsatzfahrzeug ein, sie ist als erstes zur Stelle. Nach und nach kommen die Wehren aus Ingolstadt, Moos und Sulzdorf dazu. Blaulicht und Feuerwehrleute überall auf dem Gelände.

    Ein Lüfter bläst den Rauch aus dem Silo

    Alles geht ganz schnell. Wasserschläuche werden in Windeseile verlegt. Die Atemschutzträger legen ihr schweres Gerät an. Ein Lüfter wird am Eingang des Getreidesilos in Position gebracht. Der soll den Rauch durch die Fenster im Silo nach außen blasen.

    Der Mann hinter dem Übungsszenario, Kreisbrandmeister (KBM) Jürgen Fuß, beobachtet alles ganz genau. Wieder mal hat er sich die Aufgaben, die es an diesem Abend zu meistern gilt, einfallen lassen. Und die haben es ganz schön in sich. Während es draußen in der abendlichen Sonne noch rund 30 Grad hat, sind es im Getreidesilo etwa fünf Grad mehr.

    Über hundert Stufen mit kompletter Atemschutzmontur

    Über 100 Stufen müssen die Kameraden mit kompletter Atemschutzmontur im dunklen, sehr engen Treppenhaus ganz nach oben, um zwei Verletzte zu retten. Und natürlich wieder nach unten. Und das ganze zweimal. Eine anstrengende und schweißtreibende Angelegenheit.

    Hinzu kommt ein weiteres Problem: Mit einer normalen Trage ist da nichts zu machen, deshalb kommt das Rettungstuch zum Einsatz. Aber zu erst muss der Wasserschlauch nach oben. Mit Bravour meistern die jungen Leute die Herausforderung. Innerhalb von 25 Minuten sind die beiden „Verletzten“ aus dem Silo mit einer Trage nach unten gebracht.

    Rettung aus zwölf Meter Höhe

    Doch das ist nicht alles. Auf der anderen Seite des Gebäudes hat sich ein Mann vor dem Rauch im Silo auf eine Außenplattform gerettet. Von hier geht es nicht weiter, nur zwölf Meter nach unten. Parallel zur Rettungsaktion aus dem Silo bauen deshalb Feuerwehrkameraden aus Ingolstadt eine Steckleiter auf und steigen nach oben, um das „Opfer“ über die Leiter sicher nach unten zu bringen.

    Bevor sie an das Podest kommen, müssen sie noch ein Leiterteil mit einer Leine nach oben ziehen. „Das ist wirklich anspruchsvoll, weil wir eine große Höhe haben. Nicht wie bei einem Wohnhaus im ersten Stock“, meint Fuß. Auch diese Aktion geschieht innerhalb weniger Minuten. Fuß ist zufrieden. „Das war wirklich top. Wir hatten wirklich große Bedenken wegen der Höhe und weil wir das nicht jeden Tag machen“, lobt er am Ende der Übung.

    Besonders schwierige Rettung

    40 Feuerwehrleute von vier freiwilligen Wehren haben rund 30 Minuten alle Hände voll zu tun. Alle arbeiten Hand in Hand, auch bei der dritten Aufgabe, der Rettung einer Puppe aus einer Halle von einem Podest in vier Meter Höhe. Auch hier hat der KBM den Schwierigkeitsgrad etwas erhöht: Da die Puppe verletzt ist, muss sie auf der Trage waagerecht nach unten gebracht werden.

    Mit dem Ablauf der gesamten Aktion sind der örtliche Kommandant und Einsatzleiter Andreas Meder und KBM Heiko Drexel zufrieden. Vom Heulen der Sirenen bis zur Rettung der „Opfer“ ist nicht einmal eine halbe Stunde vergangen.

    Einsatz mit einfachen Hilfsmitteln

    Ganz bewusst hat Jürgen Fuß dieses Mal sehr viel technische Hilfeleistung in die Großübung mit eingebaut. Dabei sei ihm eines wichtig: Auch mit einfachen Mitteln funktioniert technische Hilfeleistung. „Die kleineren Wehren haben keine große technische Ausrüstung wie Spreizer, Schere oder Hebekissen. Trotzdem konnten sie die Person von der Plattform in zwölf Meter Höhe retten“, erläutert er. Und das mit einfachsten Mitteln wie Leiter, Trage und Leinen. „Es muss nicht immer Hightech sein“, meint Fuß.

    Ein- bis zweimal pro Jahr sollte jede freiwillige Feuerwehr, an einer solchen Alarmübung teilnehmen, sagt Fuß. Für elf Feuerwehren ist er als KBM zuständig. Das Abhalten von Übungen zählt er zu seinen Aufgaben, auch wenn es „keine gesetzliche Verpflichtung dafür gibt“.

    Nach 30 Minuten sind alle gerettet

    Solche Übungen seien immer sinnvoll, gerade für Wehren mit wenig Einsätzen. Ziel sei auch, dass wirklich jeder Feuerwehrmann und jede Feuerwehrfrau tatkräftig etwas machen kann.

    Bilanz der Aktion: Vier Feuerwehren mit rund 40 ehrenamtlich aktiven Feuerwehrleuten haben die Herausforderungen „super“ gemeistert. „Danke und großen Respekt dafür“, sagt Fuß. Und: „Eine halbe Stunde. Alles gerettet, alles gut. Hat sich gelohnt.“

    Weitere Artikel
    Fotos

      Kommentare (0)

      Der Diskussionszeitraum für diesen Artikel ist leider schon abgelaufen. Sie können daher keine neuen Beiträge zu diesem Artikel verfassen!