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    München

    "Wenn es diese Stiftung nicht gäbe, man müsste sie erfinden"

    Der neue Generalsekretär der Hanns-Seidel-Stiftung Oliver Jörg (rechts) mit seinem Amtsvorgänger Peter Witterauf (links) und der amtierenden Vorsitzenden Ursula Männle. Foto: Hanns-Seidel-Stiftung

    Eine Wohnung in München hat Oliver Jörg schon gefunden. Schließlich beginnt für den früheren Würzburger CSU-Landtagsabgeordneten am 1. Juli ein neues berufliches Kapitel: Der 46-jährige Jurist wird neuer Generalsekretär bei der CSU-nahen Hanns-Seidel-Stiftung (HSS). Ein ruhiger Versorgungs-Job für einen verdienten CSU-Politiker nach seiner knappen und bitteren Landtagswahl-Niederlage in Würzburg

    Jörg lässt sich von so einer provokanten Frage nicht aus der Reserve locken. Er habe verschiedene Job-Alternativen gehabt - als Rechtsanwalt und auch in der privaten Wirtschaft: "Aber die Aufgabe bei der Hanns-Seidel-Stiftung interessiert mich einfach", beteuert er. Politische Bildung organisieren, junge Menschen für Demokratie begeistern, dazu Entwicklungshilfe im arabischen Raum oder in Afrika: "Wenn es diese Stiftung nicht gäbe, man müsste sie erfinden", schwärmt Jörg.

    In der Tat kann die 1966 gegründeteHanns-Seidel-Stiftung beeindruckende Zahlenpräsentieren: Im Jahr 2018 nahmen rund 290 000 Menschen an über 6800 Veranstaltungen teil. Die Stiftung veranstaltet Seminare etwa zu digitaler Demokratie oder Cybersicherheit, erstellt Studien zu Migranten, Einstellungen zur Politik oder Mediennutzung, veröffentlicht Publikationen zur Kulturpolitik oder zur Frage: "Was ist konservativ?" Sie fördert mehr als 1200 Stipendiaten. In über 50 Ländern weltweit unterstützt die HSS politische Bildung und Demokratie-Projekte. Mehr als 270 Mitarbeiter arbeiten vor allem in München, Berlin und im oberfränkischen Kloster Banz. Der Etat von zuletzt rund 67 Millionen Euro wird vor allem aus öffentlichen Mitteln gespeist.

    Auch eine politische Stiftung trifft die digitale Revolution

    CSU-Chef Markus Söder verlangt aber auch von der Stiftung effiziente Strukturen im digitalen Wandel – eine Herausforderung, die künftig Jörg als Geschäftsführer sowie der designierte neue Vorsitzende, der CSU-Europaabgeordnete Markus Ferber, meistern sollen. "Wir bauen auf hervorragenden Strukturen auf", lobt Jörg. Doch die digitale Revolution gehe auch an einer politischen Stiftung nicht spurlos vorbei: Junge Menschen auch auf neuen Wegen zu erreichen, sei deshalb ein Hauptziel seiner Arbeit. "Wir müssen mehr in den Dialog kommen, was junge Menschen von Politik erwarten", erklärt Jörg. Dafür müsse die Stiftung auch offen sein für Kooperationen mit Universitäten und anderen Bildungseinrichtungen.

    "Das ist kein Austragshäusl, sondern eine sehr spannende Aufgabe"
    Oliver Jörg über seinen neuen Job als Geschäftsführer der CSU nahen Hanns-Seidel-Stiftung

    "Wir haben die nötige Distanz zur aktiven Politik, um hier Schwellen leichter zu überspringen", hofft er. Natürlich habe die HSS eine Nähe zur CSU: "Wir sind aber keine Wähler-Gewinnungs-Organisation." Die Stiftung könne Bürger unabhängig von ihrer Parteien-Präferenz mit interessanten Experten zusammenbringen, "um darüber nachzudenken: Was macht uns aus, welche Probleme haben wir, wie können wir sie lösen", wirbt der neue Stiftungschef: "Das ist doch der genialste Luxus, den sich eine Gesellschaft leisten kann." Wie alle politischen Stiftungen müsse aber auch die HSS stärker transparent machen, "was wir mit dem Steuergeld machen und warum unsere Arbeit Sinn macht", räumt Jörg ein: "Wir brauchen deshalb auch einen Schub in der öffentlichen Wahrnehmung."

    Einen Schub, der für den neuen Generalsekretär auch ein Sprungbrett sein könnte zurück in die aktive Politik? Der neue Job sei für ihn kein Lückenfüller, beteuert Jörg: "Das ist kein Austragshäusl, sondern eine sehr spannende Aufgabe." Er lässt aber auch durchblicken, dass er sich mit Mitte 40 mittelfristig schon noch neue Aufgaben in der Politik zutraut: "Ich bin ein politischer Mensch und werde das auch bleiben."

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