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    Güntersleben

    Wenn zwei Musikvereine gemeinsame Sache machen

    Thüngersheim und Güntersleben musizieren nun auch gemeinsam. Ist es ein Blasmusik-Projekt mit Pilotwirkung?
    Die Blasmusik-Vereinsjugenden Güntersleben und Thüngersheim arbeiten nun verstärkt zusammen. Die Idee dafür kam von der Jugend. Foto: Fabian Gebert

    Wenn Chiara Jander Posaune spielt, dann geht sie ganz in der Musik auf. Auch für Lukas Vetter auf dem Euphonium ist sein Instrument alles. Genauso wie der Bläserin des Musikvereins Thüngersheim und ihrem Mitmusiker des Jugendblasorchesters Güntersleben geht es den insgesamt 60 Musikern beim gemeinsamen Probentag im Günterslebener Lagerhaus. Dass neben ihnen einer aus dem Nachbarort und einer anderen Musikkapelle sitzt, spielt keine Rolle. Das gemeinsame Ziel verbindet: Schließlich soll schon am kommenden Samstag, den 1. Juni, beim gemeinsamen Freilicht-Konzert im Günterslebener Dürrbachpark alles klappen.

    Kirchturmdenken fehl am Platz

    Die Idee dafür, gemeinsame Sache zu machen, kam von der Jugend. "Gemeinsam schafft man mehr", findet Jander, die gemeinsam mit Vetter zu den Initiatoren gehört. "Es ist einfach toll, was für eine Dynamik eine großes Orchester entwickeln kann." Es gehörte denn auch nicht viel dazu, auch die Vorstände beider Vereine zu überzeugen. Was in einer Wettbewerbssportart wie Fußball seit längerem möglich sei, müsse doch auch in der Musik gelingen, stellt sich die Günterslebener Vereinsvorsitzende Petra Kuhn hinter ein Umdenken, das Ortsgrenzen hinter sich lässt. Auch ihr Vorstandskollege Joachim Mechler hält "Kirchturmdenken" für fehl am Platz: "Die Orchester lösen sich sich lieber auf oder spielen mit einer grenzwertigen Besetzung, als dass sie einmal über den eigenen Tellerrand hinausblicken", hat er beobachtet. Beide können sich vorstellen, dass ihr Gemeinschaftsprojekt "Pilotwirkung" haben könnte.

    Beide Vereine berichten davon, dass es immer schwieriger werde, Nachwuchs für das Orchester zu gewinnen. Foto: Fabian Gebert
    "Die Orchester lösen sich sich lieber auf oder spielen mit einer grenzwertigen Besetzung, als dass sie einmal über den eigenen Tellerrand hinausblicken."
    Joachim Mechler, Vorsitzender Musikverein Thüngersheim

    Beide erzählen davon, dass es immer schwieriger wird, Nachwuchs für das Orchester zu gewinnen. Vor allem die gegenüber früher deutlich längeren Schulzeiten machten es den Vereinen schwer. Umso zufriedener sind sie, dass das gemeinsame Orchester am kommenden Samstag die ganze Bandbreite aufführt, die die Blasmusik zu bieten hat: Von Posaunen und Trompeten über ein breites Spektrum an Holzbläsern bis hin zu Tuba und Bariton oder eher seltenen Instrumenten wie Waldhorn oder Saxophon. Auch Schlagzeug ist dabei – und zwar gleich sieben Mal. Für Lukas Vetter, der die Stimmprobe für die Schlagzeuger übernommen hat, eine Herausforderung: "Da muss man sich schon was einfallen lassen", erklärt er. Doch besser zu viele als zu wenige Musiker, findet er.

    Bei einem gemeinsamen Auftritt am Samstag soll das Geübte umgesetzt werden. Foto: Fabian Gebert

    Dabei gibt es Unterschiede in der Gestalt beider Orchester: Güntersleben ist 16 Musiker stark – ein reines Jugendorchester, wohingegen in Thüngersheim generationenübergreifend musiziert wird und das Orchester doppelt so groß ist. Vorausgegangen sind dem gemeinsamen Projekt genaue Planungen und Absprachen. Rasch sei man sich einig gewesen, Gewinn oder Verlust des Konzertes zu teilen und mit dem Dürrbachpark habe man einen geeigneten Auftrittsort gefunden.

    Gemeinsame Proben in Güntersleben

    Die Proben laufen seit April, zunächst wurden die vereinbarten Stücke getrennt gespielt. Für die gemeinsame Probe haben sich die Vorstände für Güntersleben entschieden. Am gemeinsamen Probentag fehlt kaum einer: "Da will natürlich keiner passen", hat Chiara beobachtet. Auch kennen sich die jungen Musiker oft schon vom Schulorchester des Veitshöchheimer Gymnasiums, gemeinsamen Aktivitäten der Pfarreiengemeinschaft oder natürlich dem Kreisorchester.

    "Die haben alle richtig Bock drauf", beschreibt Dirigent Jan Eckhoff aus Thüngersheim seine Eindrücke. Kay Grabowski, sein Pendant aus Güntersleben, ist es beinahe schon etwas unheimlich, wie ruhig und konzentriert geprobt wird.

    Die Dirigenten für das Projekt zu gewinnen, war nicht schwierig, berichten die Vereine. Foto: Fabian Gebert

    Die beiden Dirigenten für das Projekt zu gewinnen, war nicht schwierig. Zwar müsse jeder mal zurücktreten und dem anderen das Feld überlassen. Dafür sei es in großer Besetzung möglich, andere Stücke zu spielen und den Schwerpunkt stärker in Richtung anspruchsvoller, symphonischer Blasmusik zu verschieben, freuen sich beide. Gerade für die Nachwuchsmusiker sei dies nicht ganz einfach. Schließlich habe jeder Dirigent seinen eigene Stil. Als später alle zusammensitzen und die eingängige Melodie von "Frozen" aus dem Walt-Disney-Film "Die Eiskönigin" spielen, ist dennoch zu spüren, wie sehr es jeder einzelne Musiker genießt, zu dem vollen Klang des großen Orchesters beizutragen.

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