• aktualisiert:

    Ochsenfurt

    Weststadt Ochsenfurt: Neue Pläne für Hotel und Stadthalle

    Das alte Flockenwerk mit seinem charakteristischen Türmchen soll den neuen Planungen zufolge erhalten werden. Foto: Claudia Schuhmann

    War die europäische Seveso-III-Richtlinie am Ende gar nicht von Übel für die Stadt Ochsenfurt? Diese Ansicht klang mehrmals an in der jüngsten Sitzung des Stadtrats, der sich einstimmig für den vom Würzburger Büro Holl Wieden Partnerschaft vorgestellten Rahmenplan zur Entwicklung der Weststadt aussprach. Denn dieser Plan beendet den städtebaulichen Stillstand in dem Areal. Die neuen Pläne unterscheiden sich deutlich von den früheren, die Investor und Stadtrat Joachim Beck (CSU) zunächst verwirklichen wollte, bevor die Richtlinie jegliche Entwicklung abrupt stoppte.

    Beck wollte ursprünglich das alte Flockenwerk abreißen und an seiner Stelle ein Hotel und eine Veranstaltungshalle für ungefähr 400 Personen bauen. Doch die beantragte Baugenehmigung kam nicht, denn laut Seveso-III-Richtlinie und deren Umsetzung in nationales Recht dürfen in einem bestimmten Umkreis um einen sogenannten "Störfallbetrieb" keine schutzbedürftigen Nutzungen wie etwa ein Hotel genehmigt werden.

    Der chemische Betrieb kann umziehen

    Bei dem Störfallbetrieb handelt es sich um den seit langer Zeit völlig unbeanstandet arbeitenden und Bestandsschutz genießenden chemischen Betrieb SFM Chemicals. Das war Anfang 2018, und damit schien nicht nur das Hotelprojekt gestorben, sondern sämtliche Pläne zur Entwicklung der inzwischen als Sanierungsgebiet ausgewiesenen Weststadt.

    Die Firma SFM Chemicals wird mit ihrem Betrieb ins Industriegebiet am Wolfgang umziehen. Foto: Claudia Schuhmann

    Seitdem hätten viele Gespräche mit allen Beteiligten stattgefunden, sagte Bürgermeister Peter Juks (UWG) in der Sitzung. Und die haben nun zu einem Ergebnis geführt. Der Plan sieht vor, dass SFM Chemicals von der Floßhafenstraße in das Industriegebiet am Wolfgang umzieht und dort neu baut. Damit wird das SFM-Gelände frei, das die Stadt kaufen wird. Eine staatliche Förderung für den Kauf kann die Stadt aber nur erhalten, wenn besagter Rahmenplan verwirklicht wird, der die Fläche für eine öffentliche Nutzung vorsieht.

    "Wir haben alles außer Schnee und Bergen."
    Joachim Beck, Stadtrat und Investor

    Deshalb soll das Gelände über die geplante Stadtpromenade auf der ehemaligen Mainländebahn an das ebenfalls in Planung befindliche Museum Main-Mensch in der Spitalanlage angebunden werden. Einen Themenpark, etwa mit Floßbauplatz, Mehrgenerationenplatz und einem Pavillon hat Planer Hartmut Holl dort vor. Die förderfähigen Kosten für den Erwerb des Grundstücks belaufen sich auf 2,5 Millionen Euro, der Anteil der Stadt würde etwa eine Million betragen. Den Rest gibt die Städtebauförderung.

    Das Quartier zwischen Floßhafenstraße und Mainländebahn in Ochsenfurt soll städtebaulich aufgewertet werden. Foto: Claudia Schuhmann

    Daniela Kircher von der Förderstelle an der Regierung von Unterfranken riet den Stadträten in der Sitzung dringend, möglichst zügig in die Umsetzung einzusteigen, denn nie zuvor sei die Fördersituation so gut gewesen wie im Augenblick. Das Gremium ließ sich nicht lange bitten und stimmte für die Beantragung von Fördermitteln in Höhe von 2,5 Millionen Euro im Rahmen der Städtebauförderung. Im Zuge der Planungen werden außerdem der Flächennutzungsplan und der Bebauungsplan geändert.

    Aus dem Flockenwerk wird eine Markthalle

    Auch für die Firma SFM Chemicals wird die Verlagerung der Produktion finanziell kein Pappenstiel sein. Aber die Verantwortlichen sähen die Möglichkeiten zur Erweiterung, die sich mit dem neuen Standort ergäben, so Juks gegenüber der Redaktion. Das Grundstück am Wolfgangsberg erhalte das Unternehmen im Tausch gegen die Fläche in der Floßhafenstraße, für die die Stadt zusätzlich die erwähnten 2,5 Millionen Euro zahlt. Wie viel Geld SFM Chemicals für den Umzug in die Hand nehmen muss, ist Juks nicht bekannt. Firmen hätten aber die Möglichkeit, Mittel aus der Wirtschaftsförderung zu bekommen, so der Bürgermeister.

    Diese Möglichkeit steht auch Joachim Beck für seine Investition offen. Grob geschätzt werde sich diese Investition auf mindestens zehn Millionen Euro belaufen, so Beck im Gespräch mit der Redaktion. Der Investor hat aber auch viel vor. Durch das frei werdende SFM-Areal steht nun eine viel größere Fläche zur Verfügung, für die Beck bereits Pläne hat. Das alte Flockenwerk will er nun erhalten und es zu einer Markthalle umbauen, in der frische regionale Produkte verkauft werden sollen. Eine Gastronomie soll es ebenfalls geben, allerdings nicht in Form eines klassischen Restaurants.

    Das Projekt in der Weststadt soll sich auch auf die nahe Altstadt positiv auswirken. Foto: Claudia Schuhmann

    In westlicher Richtung soll sich an die Markthalle die neue Veranstaltungshalle anschließen, deren Eigentümer und Betreiber Joachim Beck sein wird. Die Halle soll ein Foyer erhalten, das auch als Empfangsbereich für das sich anschließende Hotel genutzt werden kann. Stilistisch denkt der Investor an einen Kubus ähnlich der neuen Tauberphilharmonie in Weikersheim. Mindestens 40 großzügige Zimmer soll das Holz-Hotel haben. Hinter dem Hotel plant Beck ein Chaletdorf mit weiteren 80 Betten - eine Idee, die erst durch den geplanten Umzug des Chemiebetriebs möglich wurde.

    Beck geht davon aus, dass nicht nur Durchreisende und Tagungsgäste in Ochsenfurt nächtigen wollen, sondern auch Besucher, die dem aktuellen Trend zum Urlaub in der Heimat frönen und länger bleiben wollen. "Wir haben alles außer Schnee und Bergen", sagte Beck. Den Tourismus hatte bereits das ISEK als Schwerpunkt für Ochsenfurt ausgemacht. "Die Zeichen stehen positiv", betonte auch Hartmut Holl noch einmal angesichts stark steigender Übernachtungszahlen in Ochsenfurt. 

    Alle Fraktionen befürworten das Projekt

    Die Fraktionssprecher äußerten sich durchweg positiv zu den Plänen. Seit 30 Jahren laboriere der Stadtrat an dem Thema herum, sagte Wolfgang Karl (CSU). Jetzt gebe es ein "tragendes und gutes Konzept." Auch angesichts der angespannten Haushaltslage sei er zuversichtlich, dass die Finanzierung im Haushalt über mehrere Jahre gelingen werde.

    Seveso III sei vielleicht gar nicht so schlecht gewesen, sagte Gerold Hohe (UWG). Auch die Mainflanke und die Altstadt könnten von dem "sehr tollen Projekt" profitieren. Britta Huber (Grüne) sprach von einer "unheimlich wichtigen strategischen Entscheidung" und einer Ausgabe, die sein müsse. Im Grundsatz befürwortet auch die SPD das Projekt uneingeschränkt. Joachim Eck bemängelte allerdings das Prozedere vor der Entscheidung im Stadtrat. Nur 72 Stunden Zeit für Beratungen hätten die Fraktionsmitglieder nach einer Information im nichtöffentlichen Teil des Hauptausschusses bis zur Entscheidung gehabt. Im Frühjahr 2020 könnte laut Juks mit der Maßnahme begonnen werden.

    Weitere Artikel
    Fotos

      Kommentare (0)

        Der Diskussionszeitraum für diesen Artikel ist leider schon abgelaufen. Sie können daher keine neuen Beiträge zu diesem Artikel verfassen!