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    Würzburg

    Wie Jugendliche die Zukunft des Landkreises mitbestimmen wollen

    70 Jugendliche, 10 000 Euro Budget und viel Interesse: Das beschreibt den Jugendkreistag Würzburg, der sich nun zum ersten Mal traf. Was die Schüler fordern.
    70 Jugendliche aus dem Landkreis sind zur ersten Sitzung des Jugendkreistags ins Landratsamt gekommen anstatt die Schulbank zu drücken. Schüler Jonathan Odoj (Gymnasium Veitshöchheim) erklärt, warum er Desinfektionsmittel in Schultoiletten als sinnvoll erachtet.  Foto: Sophia Scheder

    Sie sind jung, engagiert und sie wollen mitreden. Auch in der Politik. Deshalb sind 70 Schülerinnen und Schüler aus dem Landkreis am Dienstag zum Jugendkreistag ins Landratsamt gekommen, anstatt die Schulbank zu drücken.

    Schon vor Beginn der Vorbesprechung um acht Uhr ist der Raum gefüllt. Die Schülerinnen und Schüler möchten es sich nicht nehmen lassen, die Zukunft ihres Landkreises mitzubestimmen. Die meisten kennen sich noch gar nicht und trotzdem herrscht Trubel durch die vielen Gespräche - die selben Interessen schweißen zusammen. Zum ersten Mal lud das Landratsamt Würzburg Schüler aus dem Landkreis zu einer eigenen Sitzung ein. Dort können sie sich Gehör verschaffen und Themen vorbringen, die sie beschäftigen.

    Jahresbudget von 10 000 Euro 

    Die Jugendlichen sind zwischen 14 und 17 Jahre alt und wurden an ihren Schulen zu Jugendkreisräten gewählt oder ernannt. Jede teilnehmende Schule entsendet etwa zehn Vertreter. Ein Jahr lang sollen sie die Interessen junger Menschen im Landkreis vertreten und dürfen dabei auch handfeste Entscheidungen treffen, denn der Jugendkreisrat verfügt über ein Jahresbudget von 10 000 Euro. Die Jugendlichen bestimmen, welche Projekte sie mit dem Geld im Landkreis umsetzen wollen, dafür tagt der Jugendkreistag mindestens zweimal pro Schuljahr. Beschlüsse, die laufende Kosten verursachen oder das Budget des Jugendkreistags überschreiten, werden allerdings dem regulären Kreistag zur weiteren Beratung vorgelegt.

    In der Vorabbesprechung der ersten Sitzung des Jugendkreistags erklärt Landrat Eberhard Nuß, wie eine Sitzung im regulären Kreistag abläuft. Foto: Sophia Scheder

    Da ist zum Beispiel Tobias Scheder, der 15-jährige Höchberger sitzt mit seinen Schulkameraden vom Friedrich-König Gymnasium (FKG) in der ersten Reihe des Plenums. "Ich persönlich finde es wichtig, dass wir im Jugendkreisrat Dinge entscheiden, die unserer Generation besonders am Herzen liegen, die jedoch von der älteren Generation nicht beachtet oder nicht ausreichend besprochen werden", sagt er und nennt den Umweltschutz als Beispiel. 

    Umweltschutz als roter Faden 

    Das Thema polarisiert auch bei den anderen Jugendlichen und zieht sich wie ein roter Faden durch die gesamten drei Stunden im Würzburger Landratsamt. Für die erste Sitzung sind im Vorfeld einige Anträge eingegangen. So will ein Antrag elektronische Händetrockner in Schultoiletten als Ersatz für bisherige übliche Handtuchrollenspender anbringen. Ziel sei laut den Schülern der Realschule Ochsenfurt, die den Antrag gestellt haben, eine bessere Hygiene und weniger Umweltbelastung durch das ständige Waschen der Stoffhandtücher. Nach einigen Diskussionen beschlossen die Jugendkreisräte jedoch gemeinsam mit Landrat Eberhard Nuß, der die Sitzung leitete, das Thema an den einzelnen Schulen aufzugreifen, anstatt eine einheitliche Lösung zu finden. Aber: "Die Verwaltung prüft, welche innovativen Lösungen es unter dem ökologischen Aspekt in diesem Bereich gibt", schlägt Kreisrätin Christine Haupt-Kreutzer den Jugendlichen vor. Im Anschluss sollen diese Ideen den Schulen vorgelegt werden.

    "Es geht um unsere Zukunft und zudem sind wir ein großer Teil der Bevölkerung, dem dringend mehr Gehör verschafft werden sollte."
    Mia Morell, Sprecherin des Jugendkreistages

    Das am längsten diskutierte Thema kam von Anträgen der jungen Abgeordneten der St. Ursula Schule, des Röntgen-Gymnasiums und der Realschule Höchberg: ÖPNV. "Man merkt, das Thema brennt", sagt Stephan Junghans, Kommunaler Jugendpfleger. Während sich die Schülerinnen der St. Ursula Schule beispielsweise eine kostenfreie Beförderung im ÖPNV für Oberstufenschüler, "als Beitrag zum aktiven Klimaschutz im Landkreis" wünschen, fordert die Realschule Höchberg ein verbessertes Bus- und Bahnnetz. Die Vertreter des Röntgen Gymnasiums wurden da schon etwas konkreter: Sie beantragten eine Befragung von Jugendlichen aus dem Landkreis. Der öffentliche Verkehr soll so aus Sicht der Jugendlichen bewertet werden und gleichzeitig Verbesserungsvorschläge mit sich bringen. Dies sei eine "tolle Idee", meint Kreisrätin Haupt-Kreutzer und ist damit derselben Meinung wie Nuß: "Das ist eine hochinteressante Diskussion. Eure Meinung zu hören, ist spannend und das Thema wurde so noch nie so intensiv diskutiert." 

    Die erste Sitzung des Jugendkreistags mit Landrat Eberhard Nuß. Von links: Ernst Joßberger, stellvertretender Landrat, die drei Sprecher des Jugendkreistages, Clemens Fensterle, Jannis Müller und Mia Morell, Landrat Eberhard Nuß und Kreisrätin Christine Haupt-Kreutzer. Foto: Sophia Scheder

    Das Thema ÖPNV liegt auch Mia Morell besonders am Herzen. Die Schülerin vom FKG wurde gemeinsam mit Clemens Fensterle (Gymnasium Veitshöchheim) und Jannis Müller (FKG) zur Sprecherin des Jugendkreistages gewählt und ist somit dafür zuständig, die Beschlüsse im Kreistag vorzustellen. "Hier gibt es noch viele Probleme, die dringend angegangen und behoben werden müssen, da wir als Landkreisjugendliche von Busverbindungen abhängig sind", sagt sie. Sie habe sich dazu entschlossen Jugendkreisrätin zu werden, da sie es für wichtig halte, dass sich Jugendliche politisch engagieren. "Es geht um unsere Zukunft und zudem sind wir ein großer Teil der Bevölkerung, dem dringend mehr Gehör verschafft werden sollte." Sie sieht den Jugendkreisrat als guten Einstieg, um erste politische Erfahrungen zu sammeln.

    Ein Baum als Dank für die Jugendlichen

    Dass sich Jugendliche politisch engagieren, zeigt auch die Fridays-for-Future-Bewegung. Nach deren Vorbild möchten die Vertreter des Deutschhaus-Gymnasiums die Sauerstoffproduktion in Würzburg steigern und haben deshalb den Antrag gestellt, mehr Bäume auf öffentlichen Grundstücken zu pflanzen. Auf vorerst drei Bäume für je etwa 150 Euro hat sich der Jugendkreistag geeinigt und wird somit bescheiden das erste Geld der 10 000 Euro ausgeben. 

    Landrat Eberhard Nuß pflanzt gemeinsam mit den beiden Jugendkreistagssprechern Clemens Fensterle und Jannis Müller die weiße Maulbeere, ein Geschenk von Nuß an die Jugendlichen.  Foto: Sophia Scheder

    Passend dazu gab es zum Abschluss noch eine Überraschung vom Landrat: Als Anerkennung für das Engagement der Jugendlichen, schenkte er ihnen den Baum einer Weißen Maulbeere- und pflanzte ihn symbolisch gemeinsam mit den drei Sprechern des Jugendkreisrates auf das Gelände des Landratsamtes. "Ihr überlasst das Schicksal nicht den anderen. Ihr engagiert Euch und dafür möchte ich euch danken", so Nuß und wirft eine Schaufel Erde in die Baumgrube. "Die Zukunft seid ihr."

    Über den Jugendkreistag
    Der Kreistag beschloss am 18. März dieses Jahres, einen Jugendkreistag ins Leben zu rufen, mit dem Ziel, das politische Engagement junger Menschen zu fördern und ihnen einen Gestaltungsraum für ihre Ideen zu geben. 
    In der laufenden Amtsperiode beteiligen sich sieben Schulen: die Realschule Ochsenfurt, die Realschule Höchberg, die St.-Ursula-Schule, das Deutschhaus-Gymnasium, das Friedrich-Koenig-Gymnasium, das Röntgen-Gymnasium und das Gymnasium Veitshöchheim. Alle Delegierten haben ihren Wohnsitz im Landkreis. Sie vertreten nun ein Jahr lang die Interessen junger Menschen. Eine Wiederwahl ist möglich.
    Mehr Informationen über den Jugendkreistag gibt es online unter www.landkreis-wuerzburg.de/jugendkreistag.

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