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    Sonderhofen

    Wie Landwirtschaft im Klimawandel aussehen muss

    Die Mulchsaat direkt über abgestorbenen Zwischenfrüchten gilt als besonders boden- und gewässerschonend. Foto: Gerhard Meißner

    Fast genau drei Jahre ist es her, dass ein Unwetter  in einigen Gemeinden des südlichen Landkreises für Überflutungen sorgte und dabei einen Schaden in Millionenhöhe hinterließ. Tonnenweise ging dabei auch fruchtbarer Ackerboden verloren. Seitdem mehren sich Starkregenereignisse auffällig, gepaart mit langen Trockenperioden, sagt Peter Schwappach vom Sachgebiet Agrarstruktur an der Regierung von Unterfranken.

    Gemeinsam mit dem Würzburger Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten (AELF) versucht die Regierung deshalb Strategien zu finden, um die Folgen des Klimawandels für Natur und Landwirtschaft zu mildern und zugleich zum Grundwasserschutz beizutragen. Veränderte Anbaumethoden sind ein Schritt auf diesem Weg. Bei einem Feldtag in Sonderhofen ging es um die Mulch- und Direktsaat auf Mais- und Zuckerrüben-Äckern.

    Zwischenfrüchte in der vegetationslosen Zeit 

    Bislang ist es üblich, Mais- und Rübenäcker mit dem Pflug oder Grubber auf die Frühjahrssaat vorzubereiten.Bereits vielerorts gedeihen in der vegetationslosen Zeit Zwischenfrüchtewie Senf oder Phacelia, die den Boden vor Erosion schützen und verhindern, dass überschüssiger Stickstoffdünger ins Grundwasser ausgewaschen wird. Nach dem Frost werden sie normalerweise eingearbeitet und tragen so zur Humusbildung bei.

    Franz Walch, Landwirt aus Sonderhofen, geht schon seit Jahrzehnten andere Wege. Auf seinen Maisfeldern hat der Pflug ausgedient. Rund 130 Landwirte sind zum Feldtag nach Sonderhofen gekommen, um sich über seine praktischen Erfahrungen und die wissenschaftliche Auswertung der Mulch- und Direktsaat zu informieren.

    Am Regensimultor zeigt Landwirt Franz Walch den Unterschied: Auf konventionell bestellten Äckern fließt nach einem Starkregen das meiste Wasser oberflächlich ab. Unter der Mulchschicht (links) kann der Regen besser versickern.  Foto: Gerhard Meißner

    Die Unterschiede zu einem traditionell bewirtschafteten Feld macht Bodenkundler Florian Ebertseder von der Landesanstalt für Landwirtschaft an einem Bodenschnitt deutlich. Gut sind die Gänge der Regenwürmer zu erkennen, die das Pflanzenmaterial in den Oberboden einarbeiten und zugleich für Durchlüftung und Lockerung sorgen. Ein spitzer Metallstab dringt mühelos einen halben Meter tief in den Boden ein, obwohl dort seit langem kein Pflug mehr tätig war.

    "Mulchsaat und Direktsaat sind der Versuch, Erosionsschutz, Gewässerschutz und einen wirtschaftlichen Ertrag unter einen Hut zu kriegen."
    Heiko Lukas, Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten

    Auch die Kapillarität und Wasserspeicherung des Bodens sei besser als auf anderen Äckern, sagt Franz Walch. Als der Mais im Trockensommer 2019 auf Nachbarfeldern schon starke Trockenschäden zeigte, habe sein Acker gut zwei Wochen länger durchgehalten.

    Konkret lässt sich der Effekt am Regensimulator zeigen. Über verschiedenen Feldproben wird dort ein Wolkenbruch nachgestellt, bei dem in zehn Minuten 40 Liter Regen pro Quadratmeter niedergehen. Solche Starkregenereignisse träten in den letzten Jahren gehäuft auf, sagt Alfred Fuchs vom Landwirtschaftsamt, der den Feldtag mit vorbereitet hat. Vor allem im späten Frühjahr, wenn sich die Saat noch nicht ausreichend entwickelt hat, sei Verlust hoch.

    An Probegrabungen machte Bodenkundler Florian Ebertseder beim Feldtag in Sonderhofen vor rund 130 Landwirten den Einfluss schonender Anbauververfahren deutlich. Foto: Gerhard Meißner

    Auf der ungepflügten Fläche, auf der noch Reste der Zwischenfrucht stehen, wird trotzdem ein Großteil des Regens festhalten und kann versickern. Auf der nackten Fläche ohne Zwischenfrucht, fließt ein Großteil des Wassers oberflächlich ab und nimmt viel fruchtbare Erde mit.

    Humusbildung wird gefördert

    Durch das organische Material wird die Humusbildung unterstützt. Dadurch werde auch der in den Pflanzen enthaltene Kohlenstoff gebunden und der Atmosphäre indirekt klimaschädliches Kohlendioxid entzogen, sagt Franz Walch. Ein Beitrag zum Klimaschutz also. Schutz bietet die Mulchauflage auch vor Winderosion, die sich gerade erst an den stürmischen Tagen im April bemerkbar gemacht hat. Durch Sand und Erde, die dabei über die Äcker geweht wurden, sind manche jungen Rübenpflanzen regelrecht weggeschmirgelt worden, sagt Pflanzenbau Helmut Siedler.

    "Mulchsaat und Direktsaat sind der Versuch, Erosionsschutz, Gewässerschutz und einen wirtschaftlichen Ertrag unter einen Hut zu kriegen", so Heiko Lukas vom AELF. Landwirt Franz Walch gelte dabei als Pionier, weshalb sein Betrieb immer wieder zu Vergleichsstudien herangezogen werde. 

    Grenzen der schonenden Bewirtschaftung

    Die gewässerschonende Bewirtschaftung hat aber auch Grenzen. Die für die Mulch- und Direktsaat erforderlichen Sämaschinen sind teurer. Und die Zwischenfrüchte müssen im Winter abfrieren. Wenn der Winter, wie in diesem Jahr, zu mild ist, müssen im zeitigen Frühjahr Herbizide gespritzt werden, um ein Weiterwachsen zu verhindern. Üblich ist dabei der Einsatz von glyphosathaltigen Präparaten. Heiko Lukas plädiert deshalb dafür, den Wirkstoff nicht generell zu verbieten, sondern seinen Einsatz weiterhin dort zuzulassen, wo andere Schutzziele erreicht werden und Blühpflanzen und Insekten nicht direkt betroffen sind.

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