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    Waldbüttelbrunn

    Wie der Grüne Sebastian Hansen Bürgermeister werden will

    Große Freude bei Sebastian Hansen (Mitte) und seinen grünen Freunden (von links) "Toni" Hofreiter, Irina Hönig, Sven Winzenhörlein und Kerstin Celina. Hansen kandidiert am 15. März 2020 für die Grünen als Bürgermeister in Waldbüttelbrunn. 

    Foto: Silvia Gralla

    Seine grünen Freunde müssen zu ihm hochblicken . Die Landtagsabgeordnete Kerstin Celina darf erst einmal wieder das Mikrofon 40 Zentimeter tiefer stellen, weil der riesige junge Mann vor ihr gesprochen hat. 1,98 Meter ist Sebastian Hansen groß. Der 24-Jährige will in Waldbüttelbrunn Bürgermeister werden, nicht weil er sich als der "Größte" fühlt, sondern weil er für seine Gemeinde viele Pläne hat. 

    Wie kommt ein Spitzenpolitiker nach Waldbüttelbrunn?

    Mittwochabend in Waldbüttelbrunn: Unter Platanen, zwischen Alter Kirche und Friedhof, spricht Anton Hofreiter über das, was die Menschen gerade sehr bewegt – den Klimaschutz. Dass der Fraktionsvorsitzende der Grünen im Deutschen Bundestag in die gut 5000 Einwohner zählende Gemeinde Waldbüttelbrunn gekommen ist, verwundert zunächst. Doch Hansen und Hofreiter kennen sich, so kam der Kontakt zustande. Und der Spitzenpolitiker aus Berlin findet es "klasse, dass ein junger Mensch sich so intensiv um die Kommunalpolitik kümmert". 

    "Ich finde es klasse, dass ein junger Mensch sich so intensiv um die Kommunalpolitik kümmert."
    Anton Hofreiter, Fraktionsvorsitzender von Bündnis90/Die Grünen

    Den bekannten Hofreiter nach Waldbüttelbrunn zu einer sonst eher spröden Nominierungsversammlung einzuladen, erweist sich als kluger Schachzug. So sind gut 100 Interessierte gekommen, um sich über grüne Themen zu informieren. Bei einer gewöhnlichen Versammlung, die einen Bürgermeisterkandidaten aufstellt, wären die wenigen Mitglieder des grünen  Ortsverbands wohl eher unter sich geblieben. 

    Stundentakt der Busse verbessern

    Hofreiter, der doppelt so alt ist wie Hansen, spricht nachdenklich. Es ist die Erderwärmung, die ihn umtreibt. "Wenn es im Durchschnitt zwei Grad wärmer wird auf dem Planeten, ändert sich vieles", sagt er. "Aber wir können vieles noch in den Griff bekommen." Würde es aber um drei, vier, vielleicht gar fünf Grad wärmer, dann "werden die Probleme unbeherrschbar", wird Hofreiter deutlich. Dabei gehe es gar nicht darum, die Natur zu retten. "Die kommt klar damit", sagt der promovierte Biologe und holt kurz Luft. "Es geht um die Rettung unserer eigenen Lebensgrundlagen und wir müssen aufhören, Kohle, Erdöl und Erdgas zu verbrennen." 

    Die Eisenbahn zu ertüchtigen, ist Hofreiters und der Plan der Grünen. Dazu gehöre es auch, das Bussystem zu ertüchtigen. Und mit einem Blick auf den Fahrplan der Linie 470, die Waldbüttelbrunn mit Würzburg verbindet, sagt der Münchner: "Was nutzt mir, wenn es einen Stundentakt gibt, wenn man abends nicht mehr wegkommt." Tatsächlich fährt der letzte Bus unter der Woche um 20.58 Uhr  in die Stadt. "Schön, dass mich heute Abend noch jemand ins Hotel nach Würzburg fährt." 

    Keine Ackerflächen für ein Gewerbegebiet

    Denn Hofreiter will auch hören, was Sebastian Hansen zu sagen hat. 2015 ist er in den Gemeinderat nachgerückt. "Er ist nicht einer, der im Gremium sitzt, er ist einer, der im Gemeinderat arbeitet", wirbt Kerstin Celina. Vor allem schätze sie seine "feinen Antennen", was Rechtsextremismus angeht. Besonders aufgefallen ist Hansen vor vier Jahren, als er mit einem roten T-Shirt mit der Aufschrift "Gegen Nazis"an einer Sitzung des Gemeinderats teilnahmund damit für einen Eklat sorgte. Denn der amtierende SPD-Bürgermeister Klaus Schmidt sah darin eine Störung der Sitzung. Nur unter Protest zog Hansen seine Kapuzenjacke über das T-Shirt.

    Am Mittwoch trägt der 24-Jährige ein blaues Business-Hemd unter dem blauen Jacket. Hansen spricht über Waldbüttelbrunn, über seine Visionen für die Gemeinde. Dazu gehört, dass er wertvolle Ackerflächen in der Gemeinde erhalten möchte. Der Gemeinderat hat am Montag mehrheitlich beschlossen, im Flächennutzungsplan ein weiteres Gewerbegebiet festzulegen. Hansen ist dagegen und sagt: "Neue, große Gewerbegebiete haben ausgedient." Stattdessen möchte er die Geschäfte im Ort fördern, damit es in Waldbüttelbrunn weiterhin Läden gibt, die fußläufig zu erreichen sind. 

    Widerstand gegen die B26n

    In naher Zukunft, so befürchten es viele vor allem im Ortsteil Mädelhofen, könnte das Waldstück Mühlhart gerodet werden, um dort ähnlich wie in Thüngersheim Muschelkalk abzubauen. Laut Regionalplan sei dies eine Vorrangfläche. Hansen will sich dafür einsetzen, dass der Wald aus dem Regionalplan herausgenommen wird. "Gerade in unserem waldarmen Landkreis ist es wichtig, dass solche Flächen erhalten bleiben", sagt er. Auch die Pläne, die geplante Bundestraße B26n durch Mädelhofen zu führen, lehnt Hansen ab. "Wir müssen als Gemeinde unseren Widerstand gegen dieses Straßenprojekt intensivieren", sagt er. 

    Überhaupt steht für ihn der Naturschutz ganz oben. Die Beschlüsse des Gemeinderates sollen, vorausgesetzt er bekommt in der Gemeinde das Sagen, immer hinsichtlich ihrer Auswirkungen auf die Natur überprüft werden. Alle sollen sich in Waldbüttelbrunn wohlfühlen. Dazu gehört auch ein Kreativzentrum am Sumpfler. 

    100 Prozent für Hansen

    Am Ende sind dann unter den 100 Zuhörern auch sechs Mitglieder des kleinen Ortsverbandes. Alle stimmen für Hansen, der auch als Spitzenkandidat der Grünen Jugend bei der Kreistagswahl antreten will, als Kandidaten für die Bürgermeisterwahl. 

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