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    Würzburg / Berlin

    Wie die Volksparteien die Jugend verlieren

    Die "Fridays-for-Future"-Bewegung steht für die Politisierung junger Leute. Das Bild entstand bei der Demo in Schweinfurt. Foto: Jonas Keck

    Die Grünen verdanken ihren Erfolg bei der Europawahl vor allem auch Jungwählern. 34 Prozent der Wähler unter  25 Jahren haben laut der Auswertung von Infratest dimap am Sonntag grün gewählt. Die Union mit 13 Prozent bei den Jungwählern und SPD mit neun Prozent können da nicht ansatzweise mithalten. Eine entscheidende  Rolle spielte den Wahlforschern zufolge das Thema Klima- und Umweltschutz. Hier halten die Wähler aller Altersgruppen die Grünen für die glaubwürdigste Partei. 

    Droht nach der SPD nun auch den Volksparteien CDU und CSU eine ganze Generation an Jungwählern verloren zu gehen? Für Jugendforscher Klaus Hurrelmann bestätigt das Wahlergebnis einen Konflikt zwischen Jung und Alt, der die gesamte Gesellschaft spalten könnte: „Klima- und Umweltpolitik haben die junge Generation heftig politisiert, wie die Bewegung ,Fridays for Future‘ zeigt.“ Es sei durchaus denkbar, "dass sich dieser Generationenkonflikt weiter zuspitzt“, warnt der Experte aus Bielefeld. Er verweist auf Großbritannien, wo der Brexit das Land und die Generationen gespalten habe. „Die Politiker in Deutschland müssen aufpassen, dass uns nicht das gleiche Schicksal mit der Klimapolitik ereilt.“

    Jugendforscher befürchtet Radikalisierung 

    Gefragt seien jetzt Politiker, die zwischen den Generationen Brücken bauen könnten, sagt Hurrelmann. Sonst drohe eine "Radikalisierung der jungen Generation", zumal auch  Themen wie Digitalisierung und Rente Sprengkraft besäßen. "Auch sie spiegeln eindeutig unterschiedliche Interessen von Generationen wider.“

    Auch in Unterfranken hat die Politisierung der Jugend zuletzt massiv zugenommen, beobachtet Sebastian Hansen von der Grünen Jugend Würzburg. Als er vor fünf Jahren dazu stieß, seien sie häufig noch "zu dritt, zu viert" bei den Treffen gewesen, schildert der 24-Jährige. "Jetzt sind es jede Woche 25 bis 30 Leute." Die Mitgliederzahl habe sich in kurzer Zeit von 40 auf 130 fast verdreifacht. Da mache das Diskutieren gleich viel mehr Spaß, so Hansen. Wenn jetzt auch noch Wahlerfolge dazu kämen, motiviere es noch mehr, sich zu engagieren.

    Rottmann: "Diese Generation tickt anders"

    Ihre größten Erfolge erzielten die Grünen bei der EU-Wahl am Sonntag in den Großstädten, in Bayern liegen sie in München, Erlangen und Würzburg vor der CSU. "Aber auch in der Fläche bewegt sich einiges", freut sich Manuela Rottmann über gute Grünen-Ergebnisse in ihrem Wahlkreis Bad Kissingen. Die Bundestagsabgeordnete hat ein gestiegenes Interesse an Grünen-Politik ausgemacht, "längst nicht nur bei jungen Leuten, aber dort besonders". Dass Schüler selbst in Kleinstädten wie Bad Königshofen (Lkr. Rhön-Grabfeld) "Fridays-for-Future"-Demos veranstalten, zeige die Politisierung der jungen Leute. Rottmann: "Diese Generation tickt anders als ihre Vorgänger."

    Derweil schieben die Jungsozialisten das schlechte Abschneiden der SPD bei der Europawahl auf die Große Koalition. Man würde schon gerne den Klimaschutz "mehr in den Fokus stellen", sagt Bezirkschef Michael Reitmair. Weil die SPD aber viele Forderungen in der Regierung nicht durchsetze, habe die Partei ein Glaubwürdigkeitsproblem.  (Mitarbeit: Leonie Küthmann, Nicolas Bettinger) 

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