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    Rimpar

    Wie ein "Blühschlepper" auf den Artenschutz aufmerksam macht

    Der Bayerische Bauernverband ist diesen Sommer mit einem "Blühschlepper" durch ganz Bayern unterwegs. Damit soll auf das Thema Artenschutz aufmerksam gemacht werden.
    Für einen Imagefilm des Bauernverbands wurde der Spruch "Landwirtschaft macht mehr als du denkst" in die Kamera gerufen. Der Bayerische Bauernverband ist diesen Sommer mit einem "Blühschlepper" durch ganz Bayern unterwegs. Foto: Aurelian Völker

    Schon aus der Ferne ist er ein Blickfang, der "Blühschlepper" des Bayerischen Bauernverbandes (BBV). Er tourt rund drei Monate durch ganz Bayern und macht dabei Halt in Rimpar, hoch oben auf dem Kobersberg. "Ziel der Tour ist es, den Menschen zu zeigen, was die bayerischen Bauern schon lange vor dem Bienen-Volksbegehren auf freiwilliger Basis mit viel Herzblut für den Arten- und Umweltschutz tun", sagt Michael Stolzenberger, Kreisobmann des Bauernverbandes. Nun hat die Familie Keidel dazu eingeladen, ihre Blühfläche mit Insektenhotel zu besichtigen.

    Vor Ort sprachRimpars Bürgermeister Burkard Losert darüber, dass Landwirte nicht einfach zum Schuldigen gemacht werden dürfen. Stattdessen gilt es Lösungen zu suchen. Dabei müsse die ganze Gesellschaft eingebunden werden. Es reiche nicht, bei "einem Volksbegehren zu unterschreiben, nach Hause zu gehen und dann den Steingarten zu betrachten, oder auf dem 800 Euro Weber-Grill Meica-Würste für 89 Cent zu grillen", so Losert.

    Kreisbäuerin versorgte Gäste mit "Blütensnacks"

    Währenddessen versorgte Kreisbäuerin Martina Wild die Gäste mit regionalen Säften und "Blütensnacks". "Grundsätzlich ist jede Blüte essbar, aber nicht jede ist auch schmackhaft", weiß Wild. Aus den Blüten der Ringelblume, der Kornblume, von Rosen oder dem Gänseblümchen zauberte sie leckere Köstlichkeiten. Von knalligem Rosengelee, über Blütenfrischkäse und Blütenbutter, bis zum Blüteneiswürfel war alles dabei. Als Nachspeise gab es duftende Lavendelkekse. All diese Spezialitäten könne jeder schnell, einfach und kostengünstig zubereiten. Je mehr Blüten verwendet werden, desto farbiger werden die Leckereien. Die bunte Butter bewies dies eindrucksvoll: Bei den Besuchern sorgte sie für staunende Blicke. Alle von Wild verwendeten Blüten seien ökologisch und stammen aus ihrem Garten, so Wild.

    Petra Keidel (links) und Martina Wild präsentierten den Besuchern, welche Leckereien einfach und kostengünstig aus Blüten hergestellt werden können. Foto: Aurelian Völker

    Auch auf dem Aushängeschild der Tour, dem 130 PS starkem Deutz-Traktor, drehte sich alles um Blüten. Rundherum war der Schlepper mit Blumen verziert. Besonders eindrucksvoll war der Blick aus der Fahrerkabine auf die Motorhaube. Auf der Frontscheibe prahlte das Motto der Tour – "Bayern blüht auf".

    Derweil fand auf der Blühfläche eine moderierte Diskussion statt. Begleitet wurde die Diskussion von einer Kamera, vor Ort wurde ein Imagefilm gedreht. Dann versammelten sich alle vor dem Traktor und riefen "Landwirtschaft macht mehr als du denkst" in die Kamera.

    Blühpatin Meißner: Bauern sind oft machtlos

    Die mehrjährige Blühfläche habe Jungbauer Michael Keidel freiwillig angelegt, dafür bekomme er auch keine Subventionen. Für eine Aufwandsentschädigung sorgen die 36 Blühpaten, die eine Patenschaft für einen Teil der zwei Hektar großen Fläche übernommen haben. Eine der Blühpaten ist Johanna Meißner. Sie ist überzeugte Bio-Einkäuferin und ernährt sich fleischlos. Sie finde es gut, dass sie sich mit der Patenschaft aktiv beteiligen kann. An der Blühwiese gehe sie oft spazieren. Sie wisse, dass die Bauern oft machtlos sind. Vielmehr müssten ihrer Meinung nach die Verbraucher mehr darüber nachdenken, was sie kaufen.

    Bei einer Diskussionsrunde wurde über den Arten- und Naturschutz gesprochen. Von links: Eva Rüger (Moderatorin), Michael Keidel (Junglandwirt), Michael Stolzenberger (BBV-Kreisobmann), Katharina Beck (Fahrerin des Blühschleppers), Heiko Lukas (AELF) Foto: Aurelian Völker

    Bedingt durch die Jahreszeit ist abgesehen von den Sonnenblumen nur noch wenig Farbpracht auf dem Feld erkennbar. Dauerhaft aufgestellte Schilder für Spaziergänger zeigen aber, welche Blühpracht Kamille, Kornblume, Phacelia und über 40 weitere Pflanzen noch vor vier Wochen hatten. Vom Frühjahr bis zum Herbst blühen immer wieder neue Pflanzen auf. Damit können die Bienen jederzeit Pollen und Nektar sammeln, weiß Heiko Lukas vom Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten (AELF).

    Der Traktor war für die Kinder ein Höhepunkt

    Auf dem Kobersberg sind sich alle einig, dass die Bevölkerung stärker in das Thema Landwirtschaft eingebunden werden muss. Umso schöner findet es Stolzenberger, dass Kinder des Waldkindergartens vor Ort waren. Besonders der große Traktor war für die Kleinen ein Höhepunkt.

    Die geplante Mitfahrt des Schleppers bei Fridays-For-Future in Würzburg musste aus kurzfristigen terminlichen Gründen ausfallen. So zieht der Traktor zunächst weiter nach Bütthard, zum dortigen "Pilotprojekt zur Stärkung von Artenvielfalt und Wildlebensraum". Ende September endet seine Rundfahrt. Bis dahin sollen noch viele Verbraucher erfahren, was die heimischen Bauern leisten.

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