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    Würzburg

    Wie ein Würzburger Herrscher im Bauernkrieg blutige Rache nahm

    Er regierte in stürmischen Zeiten: Konrad von Thüngen, Würzburger Bischof und Herzog von Franken, wurde schon von seinen Zeitgenossen sehr unterschiedlich beurteilt.
    Konrad von Thüngen regierte von 1519 bis 1540. Foto: Museum für Franken

    Vor 500 Jahren wählte am 15. Februar 1519 das Würzburger Domkapitel Konrad von Thüngen einstimmig zum Würzburger Bischof und Herzog von Franken. Für ihn, der in Pavia studiert und an den Domkirchen von Würzburg und Speyer herausragende Ämter wahrgenommen hatte, waren zu diesem Zeitpunkt weder die langfristige Bedeutung von Luthers Thesenanschlag, noch die politische und gesellschaftliche Wirkung des großen Aufstandes der Bürger und Bauern – beides epochale Ereignisse – absehbar.

    Ulrich von Hutten, der kirchenkritische Humanist, widmete ihm zum Regierungsantritt 1520 einen Dialog namens Fortuna. Auf dem Wormser Reichstag 1521, auf dem er erstmals den künftigen Kaiser Karl V. traf, beauftragte er seinen Kanzler Peter von Aufsess mit Publikation und Druck der gegen Luther gerichteten Bannbulle „Exsurge Domine“, Erhebe Dich o Herr!

    Dem Kaiser lieh er eine beträchtliche Summe Geld

    Gegen den Protest einflussreicher Reichsfürsten bestätigte Karl V. ihm den Herzogstitel und verlieh ihm sogleich die Regalien und Privilegien, die staatlichen Hoheitsrechte des Hochstifts, seines künftigen Herrschaftsbereiches. Dem Kaiser lieh er die nicht unbeträchtliche Summe von 3000 Goldgulden. Für dessen Romzug sagte er analog zu anderen Reichsfürsten 45 Mann zu Pferd, 208 zu Fuß und weitere 500 Gulden zu. Im November 1521 trat er zudem – im Gegensatz zu seinen Vorgängern – dem Schwäbischen Bund bei, einer Militärallianz, die den Frieden im Süden des Reichs schützen sollte. Dies wurde später insofern wichtig, als er ohne deren Unterstützung 1525 nicht in der Lage gewesen wäre, die aufständischen Bauernheere in zwei offenen Feldschlachten niederzuwerfen.

    Bereits 1524 wurden die ersten Unruhen aus dem Bamberger Raum gemeldet. Von Thüngen führte diese weniger auf wirtschaftliche und soziale Probleme, sondern vielmehr auf Luther und dessen Reformation zurück. Als die Revolutionäre ins Hochstift einrückten, forderte er im März 1525 vom Rat und den Bürgermeistern Würzburgs finanzielle Unterstützung für Söldner sowie ein gerüstetes Aufgebot zum Schutz von Stadt und Land. Den Kurfürsten in Heidelberg, Pfalzgraf Ludwig V., und den Statthalter des Erzbischofs von Mainz, Wilhelm von Honstein, bat er sogleich um militärischen Beistand. Diese hatten jedoch in den eigenen Territorien Aufstände niederzuwerfen und sagten ab. Schließlich wies er seine lehensabhängige Ritterschaft an, sich gerüstet auf der Marienburg einzufinden.

    Kaiser Karl verleiht Konrad von Thüngen 1534 den Erbschutz über alle Klöster des Hochstifts und unterschreibt die besiegelte Pergamenturkunde mit „Carolus“. Foto: Staatsarchiv Würzburg

    Erste Ausschreitungen im Main- und Hauger Viertel in Würzburg

    In Würzburg kam es indes zu ersten Ausschreitungen gegen bewaffnete bischöfliche Knechte, zudem insbesondere im Main- und Hauger Viertel gegen Geistliche, die nun teilweise selbst rüsteten. Bürgermeister und Rat lehnten es ab, von Thüngens Reiter in die Stadt zu lassen. Da sich dieser schließlich der Solidarität der Hauptstadt nicht mehr gewiss war, befahl er, die Marienburg und die verbliebenen Schlösser für eine Belagerung in Stand zu setzen und zu verproviantieren. Für seinen Mut spricht, dass er es Anfang Mai 1525 noch wagte, begleitet u. a. von seinem Sekretär und Historiker Lorenz Fries, persönlich in die rebellische Stadt zu reiten, um sich auf dem versammelten Landtag die Beschwerden der Aufständischen anzuhören. Die Bauern zeigten sich jedoch nicht verhandlungsbereit.

    Systematisch brannten die Aufständischen die Burgen des fränkischen Adels nieder. Foto: Hauptstaatsarchiv München

    Als die drei insgesamt circa 15 000 Mann starken Bauernheere begannen, die Marienburg einzuschließen, zog er die Konsequenz: Im Zweifel, dass die Burg gehalten werden könnte, setzte er sich am 5. Mai mit wenigen Vertrauten zu Kurfürst Ludwig V. nach Heidelberg ab. Nachdem dieser die dortigen Aufstände niedergeschlagen hatte, kehrte der Fürstbischof nach circa vier Wochen mit ihm und den pfälzischen Truppen, verstärkt durch das Heer des Schwäbischen Bundes unter der Führung des Georg Truchsess von Waldburg, in seine Lande zurück.

    65 Aufrührer wurden in der Stadt enthauptet

    Die siegreichen Schlachten von Königshofen an der Tauber und Ingolstadt bei Ochsenfurt im Juni 1525, bei denen etwa 7000 Bauern getötet wurden, machten den Weg frei nach Würzburg, das sich am 8. Juni auf Gnade und Ungnade ergab. Mindestens 65 Aufrührer wurden vor dem Dom, auf dem Marktplatz und am Rennweg enthauptet, mehr als 150 Bürger, darunter die beiden Bürgermeister, zahlreiche Stadträte – unter ihnen Tilman Riemenschneider – inhaftiert und teilweise gefoltert.

    Ab 20. Juni zog der Fürst etwa zwei Monate lang durch sein Hochstift, um die Unterwerfung seiner Städte und Ämter entgegenzunehmen und Gericht zu halten. Weitere 211 Aufständische wurden hierbei mit dem Schwert gerichtet.

    Würzburger Richtschwert, 16. Jahrhundert. Foto: Museum für Franken

    Wie alle anderen Städte und Ämter hatte auch die Stadt Würzburg alle Waffen abzuliefern, die Stadttore zu öffnen sowie beträchtlichen Schadensersatz zu leisten. Schwerwiegend war zudem der Verlust aller ihrer althergebrachten Rechte. Aus dem 24-köpfigen Würzburger Rat entfernte der Bischof Tilmann Riemenschneider und weitere neun Mitglieder.

    Konrad von Thüngen bat beim Papst um Absolution

    Nach der Niederwerfung der Aufstände bat Konrad von Thüngen Papst Clemens VII. um Absolution, „damit sein Gewissen zu Ruhe und Frieden käme.“ Voraussetzung für eine endgültige Befriedung des Landes war für ihn, den „Vorkämpfer der Altgläubigen“, die Ausrottung der lutherischen Lehre. Trotz – oder auch wegen – dieser Überzeugung förderte er die Vorbereitung eines allgemeinen Konzils zur Überwindung der Glaubensspaltung.

    Als Landesherr konnte von Thüngen durchaus Erfolge vorweisen: 1521 gelang es ihm, die Stadt Heidingsfeld, ein böhmisches Lehen, dauerhaft an das Hochstift zu bringen. Für Würzburg erließ er nach den Aufständen eine Stadt- und eine Gerichtsordnung. Zahlreiche Mandate und Verfügungen im Bereich des Verwaltungs- und Polizeiwesens sollten im Land für Sicherheit sorgen und die Wirtschaft stärken. Zugunsten Würzburger Händler veranlasste er zum Beispiel ein Einfuhrverbot für Wein und richtete 1529 einen freien Markt für den Getreidekauf ein.

    Hinrichtung von Aufständischen. Foto: Staatsbibliothek Bamberg

    Der parteiische Würzburger Stadtschreiber Martin Cronthal bezeichnete die Regierung von Thüngens als tyrannisch, die Würzburger Ratschronik hingegen gewinnt seinem Handeln durchaus positive Aspekte ab. Lorenz Fries, den er 1525 zu seinem Rat ernannt hatte, bewertet in seiner Geschichte des Bauernkriegs das Handeln des Fürstbischofs als gerechtfertigt.

    Einig sind sich die Zeitgenossen darin, dass er gottesfürchtig und maßvoll lebte und sich durch umfassendes Wissen sowie einen scharfen Verstand auszeichnete. Bei bedeutsamen Regierungsaktionen verließ er sich nicht auf seine Räte, sondern informierte sich selbst und entschied zügig. Gegen Ende seines Lebens befürwortete er die Zulassung der Priesterehe. Testamentarisch vermachte er seinem Heimatort Thüngen 50 Gulden für die Ausleihe von Saatgut. Nach seinem Tod am 16. Juni 1540 wurde er im Würzburger Dom beigesetzt.

    Text: Ulrich Wagner

    Bearbeitet von Torsten Schleicher

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