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    Estenfeld

    Wie eine Medizintechnikfirma auf digitale Vernetzung setzt

    Im Präsentationsraum werden die neuen Geräte von Vater Thomas und Sohn Adrian Neundörfer gezeigt. Foto: Thomas Obermeier

    Das Steigerwald-Örtchen Fatschenbrunn gilt mit seinen nur 275 Einwohnern nicht gerade als Nabel der Welt, geschweige denn der Digitalisierung. Es ist vom Markertsgrüner Forst umgeben, die nächste größere Ortschaft ist das acht Kilometer entfernte Eltmann. In Fatschenbrunn ist die Familie Neundörfer zu Hause. Vater Thomas und Sohn Adrian leiten gemeinsam die Firma Strätz FN GmbH Medizintechnik in Estenfeld bei Würzburg. Sie setzen in starkem Maße auf die digitale Vernetzung – nicht die ihres Heimatortes, sondern die von Kliniken, Arztpraxen und Medizinischen Versorgungszentren in einem Radius von rund 80 Kilometern um Würzburg.

    "Dort schlummert noch viel Potenzial. Es gibt zahlreiche ineffiziente Arbeitsschritte, auch weil nach wie vor vieles händisch gemacht werden muss", sagt Thomas Neundörfer und betont: "Angesichts des steigenden Bedarfs an medizinischen Leistungen und dem knapper werdenden Angebot an ärztlichen und generell medizinischen Leistungen kommt der Zeitersparnis eine hohe Bedeutung zu."

    "Wir begreifen uns als Vollversorger."
    Juniorchef Adrian Neundörfer

    Da spiele auch mit rein, weiß Neundörfer junior, dass angehende praktizierende Ärzte, darunter viele Frauen, nicht mehr den hohen Arbeitsumfang leisten können und wollen, wie das früher der Fall war. An dieser Stelle möchte sich Strätz ins Spiel bringen. "Wir begreifen uns als Vollversorger", betont der Juniorchef, der genau wie sein jüngerer Bruder Julius für den Fußball-Kreisklassisten SV Fatschenbrunn aufläuft.

    Digitalisierung bei Ultraschallgerät weit fortgeschritten

    Das klassische Firmengeschäft ist, wie der Name schon vermuten lässt, der Vertrieb von medizinischen Produkten: Vom einfachen Handschuh oder Einmalkanülen über den gynäkologischen Untersuchungsstuhl bis hin zum hochmodernen EKG- oder Ultraschallgerät. Letzteres kostet mehrere tausend Euro aufwärts. "Je nach Preisklasse bringt es die unterschiedlichsten Funktionen mit", erläutert Neundörfer senior, während er im Ausstellungsraum diverse Knöpfe drückt.

    Im Präsentationsraum werden die neuen Geräte von Vater Thomas und Sohn Adrian Neundörfer gezeigt. Foto: Thomas Obermeier

    Die Digitalisierung ist bei diesem Gerät bereits sehr weit fortgeschritten. Farbige Bilder und Kurztexte erklären dem Anwender punktgenau, wie er den Ultraschallkopf beim jeweiligen Organ idealerweise bewegen sollte und was genau er anschließend auf dem Monitor sieht. "Gerade für angehende Ärzte und solche, die ein fachfremdes Organ untersuchen müssen, kann das eine große Hilfestellung sein", weiß der gelernte Medizintechniker Neundörfer. Die Ergebnisse bräuchten nicht mehr wie früher ausgedruckt, sondern würden automatisch gespeichert und dokumentiert. Soweit, so gut.

    Ältere Ärzte beäugen digitale Anwendungen häufig skeptisch

    "Das Problem sind häufig die Schnittstellen in den Gesamtabläufen der Praxen", weiß der 60-Jährige. Will heißen: Die einzelnen Diagnosegeräte mögen auf dem neuesten Stand der Technik sein; wenn sie nicht richtig untereinander vernetzt sind, laufen die Mitarbeitenden in den nicht selten vollen Praxen und Versorgungszentren der rennenden Zeit hinterher.

    Nun beäugen gerade ältere Ärzte genau wie Patienten digitale Anwendungen häufig skeptisch. Das hat erst wieder jüngst der Deutsche Ärztetag gezeigt. Bei der Vernetzung nach außen mag die Skepsis aufgrund mangelnder Datensicherheit teilweise auch angebracht sein. Doch intern sorgt eher das Fehlen für Frust.

    Sieben Millionen Euro Jahresumsatz

    Strätz versucht seine Kunden mit einer Art Kompetenz- und Vertrauensoffensive für sich, aber auch generell für die Digitalisierung zu gewinnen. "Wir achten stark darauf, uns Experten ins Unternehmen zu holen, die mit Ärzten und medizinischen Fachangestellten auf Augenhöhe sprechen können", berichtet Thomas Neundörfer, der das Unternehmen 1993 als damaliger Angestellter aus dem Sanitätshaus Strätz herausgekauft hat. Heute beschäftigt sein Betrieb selbst 30 Mitarbeiter und setzt aktuell rund 7 Millionen Euro jährlich um – Tendenz steigend.

    In den letzten Jahren sind darüber hinaus fachliche Schulungen zum Steckenpferd von Strätz geworden. Rund 8000 Teilnehmer haben sie bereits besucht. "Wir bieten diese Weiterbildungen selbst oder in Kooperation mit unserem neuen Partner ReAlive an, der auf Notfalltrainings spezialisiert ist", berichtet Juniorchef Neundörfer. Er hat in Bayreuth Gesundheitsökonomie studiert und damit auch das große Ganze im Blick. "Gerade bei den Hygienevorschriften hat sich in den letzten Jahren gesetzlich sehr viel getan", weiß der 26-Jährige. Die Angst vor multiresistenten Keimen spiele da sicherlich eine Rolle. "Aber auch Kurse zur Gewaltprävention in der Arztpraxis oder Palliativmedizin sind zur Zeit gefragt."

    Andreas Kohl arbeitet im Lager. Foto: Thomas Obermeier

    Mit solchen Schulungen, aber auch einem großzügigen technischen Support will Strätz Medizintechnik als langjähriger Begleiter von regionalen Kliniken und Praxen wahrgenommen werden. Trotz der rasant fortschreitenden Digitalisierung haben sich nämlich über die Zeit einige Dinge nicht geändert, woran der Besucher im Aufenthaltsraum des Estenfelder Betriebs erinnert wird. Dort stehen Lebensweisheiten wie: "Wer keine Zeit für die Gesundheit hat, wird eines Tages Zeit haben müssen, krank zu sein." oder Zitate wie das des Schriftstellers Hermann Kesten: "Die Fortschritte der Medizin sind so ungeheuer – man ist sich seines Todes nicht mehr sicher."

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