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    Sommerhausen

    Wie eine Schulklasse einen Baumlehrpfad errichtete

    Haben Sie eine Vorstellung, wie sich Wildschweine und Baumblätter unterhalten? Im Tierpark Sommerhausen kann man ihnen lauschen und dabei jede Menge über Bäume erfahren.
    Das Team zur Errichtung des inklusiven Baumlehrpfades für Kinder, v.li. Franka Matterne, Theresa Probst, Lena Czotscher, Lena Ederer, Georg Huthöfer, Magdalena Feige, Jakob Wagner, Anna Prediger, Pauline Schmittner, Victoria Hofmann, Vanessa Tartler, Bastian Keller, Lea Spitznagel, Elisa Walter, der Leiter der Umweltstation Thomas Biechele-Kusch, Projektleiterin des P-Seminars Anne-Barbara Maier und Matthias Dilling, Gruppenleiter für die Tierpark-Mitarbeiter. Es fehlt Esther Streit. Foto: Antje Roscoe

    Winterlinde oder Hainbuche? Wo ist denn da der Unterschied? Selten war es einfacher, das herauszufinden. Der neue Baumlehrpfad im Tierpark Sommerhausen charakterisiert sieben Baumarten so anschaulich, dass es hier auch dem letzten Erwachsenen gelingen könnte, sich im Wald zurecht zu finden. Konzipiert ist der Lehrpfad für Kinder und für Menschen mit Behinderungen.

    In ihre Welt haben sich 15 Schüler des Gymnasiums Marktbreit mit einem Praxis-Seminar (P-Seminar) hineinversetzt. Über zwei Jahre hatten sich die Schüler der 11. und 12. Klassen mit der Konzeption und ihrer Verwirklichung beschäftigt. Zur Präsentation als letztem Arbeitsschritt vor geladenem Publikum, darunter Eltern und Sponsoren, stellten sie das Projekt und die unzähligen Arbeitsschritte vor – schlüssig, informativ und ausgereift persönlich. Von der Idee, das Wildschwein aus dem Logo des Wildparks als Leitmotiv zu nehmen über die Auseinandersetzung mit der Braille-Schrift und QR-Codes bis hin zum verletzungssicheren, stabilen Schilderbau reichten die Überlegungen der Schilder-, der Baumolino und der Handwerker-Gruppe.

    Zwölf Sponsoren beteiligen sich am Projekt

    Von der Experten-Beratung an der Graf-zu-Bentheim-Schule bis zur Gewinnung von zwölf Sponsoren, die mit 2300 Euro und Sachspenden wie dem Seil oder den Schildern beteiligt sind, haben sich die Jugendlichen durchgearbeitet. P-Seminarleiterin Anne-Barbara Maier verstand sich dabei eher als Moderatorin denn als Lehrerin. Von der Findung der Symbolik auf den Schildern bis zum Einsprechen des Audiotextes waren unzählige Arbeitsschritte zu koordinieren.

    Lena Ederer und Lena Czotscher führen "Baumolino" vor. Foto: Antje Roscoe

    Das Ergebnis ist nun ein Baumlehrpfad mit einem allgemeinen Info-Schild und einem Baumolino, einem interaktiven Quiz in der Machart von Bandolino-Lernspielen. Die sieben Baumschilder sind jeweils mit QR-Codes versehen, über die ein von den Schülern eingesprochener Audiotext zum Anhören abzurufen ist. Es ergänzen sich der Name des Baumes in Braille-Schrift und das dazugehörige Blatt als 3D-Objekt, das zum Erfühlen wesentlicher Merkmale gedacht ist.

    "Wir haben besondere, klimafeste Bäume ausgesucht."
    Thomas Biechele-Kusch, Leiter der Umweltstation im Tierpark Sommerhausen

    Der Waldumbau im Tierpark bot die Entwicklung des Lehrpfades an, fachlich unterstützt von der Umweltstation. "Wir haben besondere, klimafeste Bäume ausgesucht", erklärt Thomas Biechele-Kusch, Leiter der Umweltstation des Tierpark Sommerhausen. Mit Robinie, Ginko, Mispel, Elsbeere, Hainbuche, Mehlbeere und Winterlinde wurden Bäume gewählt, die im Bereich des früheren Damwildgeheges gepflanzt worden waren. Die Idee, einen Baumlehrpfad anzulegen sei schon länger da gewesen, so Biechele. Als Thema für ein P-Seminar war es nun geradezu ideal, denn hier geht es darum, aus Theorie etwas Konkretes entstehen zu lassen, um praktisches Arbeiten und Organisieren, um Teamarbeit und dergleichen.

    Tatkräftig mitgeholfen haben auch Mitarbeiter des Tierparks, vor allem Roland Brom, der jeden Freitag nach Dienstschluss mit anpackte. Matthias Dilling, der die Tierpark-Mitarbeiter anleitet, unterstützte auf beiden Seiten, vor allem bei den sehr praktischen Arbeitsschritten, unter anderem dem Besorgen vom Beton an der Betontankstelle. Rein fachlich war natürlich auch hilfreich zu wissen, dass das Graben in sandigem Boden für die Fundamente der Schilder zwar nicht allzu schwer und schnell geht, man aber für die Ausführung und Standsicherheit in etwa doppelt so große Löcher benötigt wie normalerweise.

    Von der Chaosphase zum gelungenen Projekt

    Letztlich wurde nicht nur ein Baumlehrpfad eröffnet, sondern ein Projekt, das offenbar alle Eingeladenen auf eigene Weise "sehr begeistert" und befriedigt, wie es Peter Estenfelder für die Mainfränkischen Werkstätten ausdrückte: "Ich will keinen mehr hören, der über die Jugend schimpft". Ab sofort sind die "ausgesprochene Chaosphase" zu Beginn des Projekts, die in den Elterngrüppchen noch Thema war, alte Geschichten. Bei der abschließenden Führung der Schüler über den Lehrpfad war ein "Ich bin so stolz auf dich!" zu hören.

    Anders gefragt: Können Sie schweißen, etwas Theoretisches spannend machen oder Sponsoren für ein Projekt gewinnen? "Es wäre doch schön, wenn jeder der die Schule verlässt, einen Dübel in die Wand bekäme", fasst Schulleiter Friedhelm Klöhr die vielen Lerneffekte zusammen, die dieses für die persönliche Reife Gewinn bringende P-Seminar geschaffen hat.

    Eine Baumtafel des inklusiven Lehrpfades mit QR-Code zu Audio-Texten, Braille-Bezeichnung und 3D-Objekt zum Befühlen. Foto: Antje Roscoe

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