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    Würzburg

    Wie einfach es sein kann, über Sex zu reden

    Tiefe Stimme, polternder Gang und Schnauzer: Karolin Benker spielt in der Anfangsszene von "Darüber spricht man nicht" mit den Geschlechterrollen von Mann und Frau. Foto: Daniel Peter

    Premiere feierte das Aufklärungsstück "Darüber spricht man nicht" im Würzburger Theater Ensemble. Obwohl der Titel das Gegenteil suggeriert, stand nach den 90 Minuten fest: Man kann über das Thema Sexualität sprechen, ohne sich schämen zu müssen.

    Nach einem musikalischen Einstieg gehen die Schauspieler gemeinsam mit dem Publikum der Frage nach, woran sich Mann und Frau denn körperlich unterscheiden. Denn Miro gibt mit tiefer Stimme und polterndem Gang vor, ein Mann zu sein. Fibi dagegen trägt lange Haare und ein Kleid und beharrt darauf, eine Frau zu sein. Beides stimmt natürlich nicht.

    Warum das Stück offen, aber nicht obszön ist

    Regisseurin Britta Schramm möchte Kindern und Jugendlichen einen unbefangenen Umgang mit dem Thema Sexualität vermitteln. Inhaltlich hält sich das Theaterstück an den Lehrplan. "Wenn du dir nicht sicher bist, kannst du einfach fragen", lautet ein Rat zur Geschlechterfrage. "Familien können ganz unterschiedlich sein und manchmal auch richtig kompliziert", lautet eine weitere Erkenntnis. Klare Positionen nehmen die Akteure gegen Sexting und Cybermobbing ein: "Ein Foto ohne deine Erlaubnis zu posten, ist überhaupt kein Spaß, sondern richtig fies."

    Vorsichtig nähert sich das Stück den Themen Missbrauch und Vergewaltigung an. "Obwohl wir alle noch schockiert sind über den aktuellen Missbrauchsfall in Würzburg, müssen wir gerade jetzt weiter daran arbeiten, unsere Kinder zu stärken, so dass sie standhaft nein sagen können", stellt die Regisseurin einen aktuellen Bezug her. Sexualerziehung gilt als wichtiger Baustein bei der Prävention von sexuellem Missbrauch. Die eindringliche Botschaft von der Bühne dazu lautet: "Wenn du etwas nicht willst, ist es ganz wichtig, dass du nein und stopp sagst."

    Schauspieler Christian Perleth fordert das junge Publikum zum Mitmachen auf. Foto: Daniel Peter

    Weshalb das Thema aktueller denn je ist

    Seit Anfang letzten Jahres beschäftigte Schramm sich mit dem Projekt, im November begannen die Proben. "Das Thema ist ein brandheißes Eisen. Das Stück ist so wahnsinnig offen – nur wir sind mittlerweile wieder prüde und verklemmt geworden", stellte sie verwundert fest.

    Das interaktive Mitmachtheater auf die Bühne zu bringen, war auch für die vier Schauspieler eine Herausforderung. "Wir wissen nie, in welche Situationen wir geraten“, sagt Karolin Benker. Das Quartett moderiert die Aussagen seines Publikums und motiviert es zum Mitmachen: "Wenn Kinder merken, dass sie nicht ernst genommen werden, halten sie sich zurück. Bei uns sollen sie aber das raushauen, was sie denken", sagt Benker. Allerdings gibt es Grenzen: „Beleidigende oder unpassende Kommentare stoppen wir sofort“, ergänzt Kollege Christian Perleth.

    Unterstützt wird Schramms Produktion vom Staatlichen Schulamt und dem Fachbereich Schule der Stadt Würzburg. Nach seiner gelungenen Premiere wird das Theaterstück nun an Schulen aufgeführt, um auch Kinder zu erreichen, die nicht von Haus aus aufgeklärt werden, um ihre Ängste, Vorurteile und Hemmungen abzubauen, "darüber" nicht sprechen zu können.

    Weitere Vorstellungen im Theater Ensemble am 25. und 26. Mai (jeweils 15.30 Uhr). Das Stück wird auch als Tourneetheater, begleitend zum Sexualkundeunterricht der 4. und 6. Klassen, unterwegs sein.

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