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    Kirchheim

    Wie geht man mit dem Feinstaub aus Steinbrüchen um?

    Aufmerksame Zuhörer bei der Bürgerversammlung Foto: Christian Ammon

    Verschmutzte Straßen und Feinstaub, Engpässe im Kindergarten und der Grundschule waren die zentralen Themen bei der Bürgerversammlung der Gemeinde im Kirchheimer Pfarrheim. Gut 50 Bürger nahmen teil und folgten den ausführlichen Erläuterungen von Bürgermeister Björn Jungbauer. Dabei ging er auch auf einige strittige Punkte ein. Dennoch wurde es nochmals interessant bei den Fragen der Bürger. Strittig war vor allem, wie mit Feinstaub aus den Steinbrüchen umzugehen ist. Ein Antrag von Edgar Berthold, ein Messgerät anzuschaffen, wurde jedoch von der Versammlung mit klarer Mehrheit abgelehnt.

    Berthold begründete seinen Vorstoß damit, dass der Schlamm aus den Steinbrüchen, der regelmäßig in der feuchten Jahreszeit die Straßen rund um Kirchheim verschmutzt, die übrige Zeit des Jahres als Staub in der Luft liege. Dies sei an den in den Sommermonaten grauen Büschen oder auch auch am verstaubten Auto zu erkennen. "Wir sind kein Dorf wie jedes andere, sondern durch die Natursteinindustrie besonders belastet", erklärte er. Er bekam Unterstützung von Apothekerin Antje Boyks, die davor warnte, dass auch an und für sich ungiftiger Erdstaub der Lunge Schaden zufügen könne. Die Gegenposition nahm Altbürgermeister Anton Holzapfel ein. Er kritisierte, den auch in anderen Orten zu beobachtenden Trend, selber den Feinstaub messen zu wollen, als "außerhalb der Realität" und gab zu bedenken, dass das bloße Messen noch keine Lösung darstelle.

    Bürgermeister Jungbauer ließ die Versammlung darüber abstimmen. Eine deutliche Mehrheit der Bürger überzeugte der Vorstoß jedoch nicht. Auf die zum Teil stark verschmutzten Straßen war Jungbauer bereits in seinem Vortrag eingegangen. Es habe Gespräche und einen Ortstermin mit den zuständigen Behörden, der Straßenmeisterei, dem Landkreis und auch der Polizei gegeben. Die grundlegende Schwierigkeit liege darin, dass die neun genehmigten Ausfahrten von mehreren Firmen genutzt würden und eine Anzeige nur dann Erfolg haben, wenn der Verursacher eindeutig geklärt sei. Er gab zudem zu bedenken, dass die Natursteinindustrie als Gewerbesteuerzahler – in diesem Jahr 835 000 Euro – wichtig sei und die Gemeinde traditionell mit dem Steinabbau leben müsse. Seiner Ansicht nach ist es sinnvoll, wenn sich die Unternehmen zusammen täten und gemeinsam eine Reinigungsmaschine anschaffen würden. Er erklärte, dass außerorts nicht die Gemeinde zuständig sei. Er empfahl daher sich bei den Behörden zu beschweren. Er versprach dennoch den Druck zu erhöhen und auch rechtliche Schritt zu prüfen.

    Auch zur Zukunft des so genannten Göbelhofs, einem teils noch gut erhaltenen, aus Muschelkalk-Bruchstein errichteten früheren Bauernhof, gibt es unterschiedliche Ansichten: Die Planung, hier ein mehrstöckiges Schulgebäude zu errichten, ist zwar vom Tisch. Das Grundstück ist hierfür zu schmal. Es gibt jedoch Überlegungen, es abzureißen und als Pausenhof zu verwenden. Antje Boyks bezeichnete den Hof als "ortsbildprägend". Ein historisches Gebäude lasse sich erhalten und auch von innen her "ganz toll" sanieren. Unumstritten ist, dass die Grundschule deutlich mehr Platz benötigt. Jungbauer sprach von zehn Klassen, die zusätzlich benötigt werden. Als Erweiterungsmöglichkeit nannte er das Rathaus und die alte Schmiede. Der gegenüberliegende Hubertushof sei für die Gemeinde jedoch nicht greifbar, um hier neu zu bauen.

    Auch für die Kindergärten besteht deutlicher Bedarf, sich auszudehnen. Es fehlen vor allem vier zusätzliche Krippengruppen. Während St. Anna in Gaubüttelbrunn vergleichsweise einfach erweitert werden könnte, ist dies im Kindergarten St. Michael nur schwer möglich. Der Bürgermeister brachte daher einen Neubau in der Karolinenruhe, einem Grundstück, das der Gemeinde gehört, ins Gespräch. Hier sei eine flexible Gestaltung denkbar. Die beiden großen Erweiterungen dürften jedoch die Gemeindekassen vor Herausforderungen stellen. Immerhin steht die Gemeinde derzeit finanziell recht gut da: Die Schulden wurden seit 2012 stetig bis auf einen kleinen Rest abgebaut und in den Rücklagen warten 3,1 Millionen Euro darauf, ausgegeben zu werden.

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