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    MARGETSHÖCHHEIM

    Wie groß soll der neue Markt werden?

    Für 1,3 Millionen Euro will die Supermarktkette Tegut ihre Filiale in Margetshöchheim im Herbst grundlegend modernisieren. Dafür wird der Laden voraussichtlich für zwei Monate geschlossen. Da die Gespräche über eine „Revitalisierung“ noch laufen, will sich eine Firmensprecherin derzeit zu Details nicht äußern, hat eine Anfrage der Main-Post ergeben.

    Standort-Treue

    In der Gemeinde wird die Ankündigung des Unternehmens als ein starkes Signal gedeutet, dass Tegut zum Standort Margetshöchheim steht. Tatsächlich hatte ein Vertreter aus der Fuldaer Zentrale bei einem Gespräch am 9. April im Rathaus den Willen seines Unternehmens diesbezüglich bekräftigt. Gegenüber Gemeindevertretern machte er deutlich, dass seine Firma eine Ansiedlung eines Discounters auf dem ehemaligen Gelände der Großbäckerei Götz durchaus verkraften könne. Ein weiterer Vollsortimenter hingen würde angesichts des begrenzten Kundeneinzugsgebiets einen „erbarmungslosen Existenzkampf“ auslösen, zitierte Bürgermeister Waldemar Brohm (CSU) den Tegut-Mitarbeiter. Am Ende würde einer auf der Strecke bleiben, prophezeite dieser.

    Hintergrund der Diskussion sind neue Nutzungsplanungen für das Gelände in der Zeller Straße. Dort will man ein vierstöckiges Ärztehaus mit Apotheke, Physiotherapie und Café bauen. Ebenfalls ist ein weiteres vierstöckiges Gebäude mit einer Zahnarztpraxis geplant. Darüber hinaus soll dort auch ein Lebensmittel-Discounter mit 800 Quadratmetern Verkaufsfläche angesiedelt werden.

    Insbesondere der Planung hinsichtlich des Ärztehauses und der Zahnarztpraxis steht man fraktionsübergreifend im Gemeinderat positiv gegenüber. An dem Supermarkt scheiden sich jedoch die Geister. Während die MM negative Auswirkungen auf Versorgungsstrukturen im Ort befürchtet, begrüßt die Mehrheit von CSU und SPD die Idee einer zusätzlichen Einkaufsmöglichkeit.

    In Anbetracht der vom Tegut-Vertreter gemachten Aussage schien man zu einem Konsens gekommen zu sein, einer Ansiedlung eines Discounters zuzustimmen. Da im besagten Gewerbegebiet ein Discounter bis zu einer Verkaufsfläche von 800 Quadratmetern zulässig ist, war man der Meinung, dass nicht einmal die Umwidmung in ein Sondergebiet erforderlich ist. Doch rechtzeitig vor der jüngsten Ratssitzung legten die Projektentwickler den Gemeinderäten einen überarbeiteten Plan vor. Darin wird ein größerer Verbrauchermarkt ausgewiesen: 1200 Quadratmeter für die Verkaufsfläche, 450 Quadratmeter für das Lager und 150 Quadratmeter für die Bürofläche.

    Größere Verkaufsfläche

    Gegenüber der bisherigen Planung wurde auch das geplante Zahnärztehaus am Ende des Wiesenweges geringfügig vergrößert. Das Ärztezentrum mit Apotheke im Erdgeschoss, Praxis- und Therapieräumen im ersten und zweiten Obergeschoss und Wohn- und Büroräumen im obersten Staffelgeschoss hält die erforderlichen Abstandsflächen ein.

    Die für das Ärztezentrum zu bebauende Fläche befindet sich im Innenbereich (gemäß Paragraf 34 des Baugesetzbuchs). Mit 1200 Quadratmetern Verkaufsfläche des Verbrauchermarktes werden die Forderungen der Landesplanung eingehalten.

    Wie Verwaltungsleiter Roger Horn aus einem Telefongespräch mit Kreisbaumeisterin Monika Becker mitteilte, vertritt das Landratsamt Würzburg die Meinung, dass grundsätzlich ein Sondergebiet ausgewiesen werden müsse, wenn ein Discounter eine Verkaufsfläche über 800 Quadratmeter plane. Soweit die Gemeinde Einfluss auf die Gestaltung nehmen wolle, könne ein sogenannter „vorhabenbezogener Bebauungsplan“ aufgestellt werden. Laut der Kreisbaumeisterin werden Verbrauchermärkte auch dann größer als 800 Quadratmeter geplant, wenn es sich um einen Discounter handelt. Der Grund: Um Barrierefreiheit zu schaffen, wird mehr Platz innerhalb der Verkaufsflächen benötigt.

    Erweitertes Sortiment

    An der Gemeinderatssitzung nahm auch ein Projektentwickler für das Götz-Gelände teil. Eine verbindliche Zusage, dass dort ein Discounter angesiedelt wird, machte er nicht. Auch nicht auf mehrmalige Nachfrage. Man konnte aber aus seinen Äußerungen heraushören, dass womöglich ein Vollsortimenter geplant ist. Als wollte er kritische Gemeinderäte beschwichtigen, wies der Projektentwickler darauf hin, dass die Unterschiede zwischen Discountern und Vollsortimentern heute fließend seien. Denn immer mehr Discounter würden ihr Sortiment und ihre Verkaufsflächen erweitern.

    Entscheidung vertagt

    Nach mehr als einstündiger Diskussion waren Teile von CSU und SPD bereit, auf die Forderungen des Projektentwicklers einzugehen und einen Bebauungsplan aufzustellen. Doch soweit kam es nicht. Bürgermeister Brohm erklärte sich bereit, die Entscheidung auf die nächste Sitzung zu vertagen. Zwischenzeitlich will die Gemeinde noch einmal das Gespräch mit dem Landratsamt suchen, wie der zweite Bürgermeister Peter Etthöfer (MM) gefordert hatte. Auch sollten die Architekten prüfen, inwieweit sie auf die Bedenken und Wünsche der Anlieger eingehen können. Darüber hinaus wurde der Projektentwickler aufgefordert, bis zur nächsten Sitzung abzuklären, welcher Discounter in welchem Umfang auf dem Gelände bauen will.

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