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    WÜRZBURG

    Wie man den Balkon zum Nutzgarten macht

    Balkone, das sind die verlängerten Wohnzimmer der Städter. Vom Frühling bis zum Herbst werden sie mit wenigen Mitteln zu individuellen Oasen. Viele nutzen den Balkon auch, um Obst und Gemüse anzubauen, denn das ist auch auf kleinstem Raum möglich. Dort wachsen dann Sommerblumen, Kübelpflanzen, Topfgemüse und Kräuter – und es gibt unzählige Gestaltungsmöglichkeiten. Bei der Ausstellung „Balkonwelten heute und morgen – Inspirationen für kleine und große grüne Oasen“ können sich die Besucher derLandesgartenschau in Würzburg im Pavillon des Landwirtschaftministeriums über allerlei Gestaltungsmöglichkeiten informieren.

    Standort bestimmen und los geht's

    Bevor man mit der Balkongestaltung loslegt, ist es sinnvoll den Standort zu bestimmen. Ist der Balkon mit Sonne gesegnet? Liegt er im Schatten? Erst dann wählt man die Pflanzen aus. Hierfür ist Eva-Maria Geiger, Leiterin des Zierpflanzenbaus bei der Bayerischen Landesanstalt für Weinbau und Gartenbau, genau die richtige Ansprechpartnerin. Sie kennt nicht nur die Trends, sondern testet mit ihrem Team jedes Jahr über 800 verschiedenen Beet- und Balkonpflanzen. „Wir prüfen, welche Sorten pflegeleicht sind und wie sie die klimatischen Bedingungen bei uns vertragen.“ Neben den richtigen Werkzeugen sei auch die richtige Erde wichtig. „Am besten ist torfreduzierte Erde in Gärtnerqualität.“ Dann können Paprika, Erdbeeren, Kräuter oder Tomaten auf dem Balkon gut gedeihen.

    Rote Geranien mit Weihrauch und Gundermann

    Der klassische, traditionelle Balkon ist der „Bayerische Balkon“ mit üppigen roten Geranien. Nicht nur im Alpenvorland ist er ein Aushängeschild für schöne Dörfer und Gemeinden. „Geranien sind pflegeleicht und wetterstabil – und sie blühen üppig vom Frühling bis zum Herbst“, sagt Eva-Maria Geiger. Zu den neuen Geraniensorten gesellen sich heutzutage auch knallrote Verbenen- und Petunien-Sorten. „Durch die vielen Blüten hat dieser Balkon eine unglaubliche Fernwirkung.“ Blattschmuckpflanzen wie Weihrauch und der lang werdende Gundermann setzen der Farbenpracht ein Stück Natürlichkeit entgegen. Der kleinblättrige Zauberschnee mit seinen sehr kleinen weißen Blättchen hebt die roten Geranienblüten noch hervor.

    Der Stress-weg-Balkon

    Gestresst vom hektischen Alltag? Ein „Entschleunigungs-Balkon“ garantiert entspannende Auszeiten im Grünen. Dazu passen zart belaubte Tast- und Streichelpflanzen wie „Angel Wings“ mit ihren samtweichen Blätter. „Grüne und blaue Farbtöne wirken beruhigend“, sagt Geiger. Dazu pflanzt man am besten blaue Lobelien und sattgrüne Blattschmuckpflanzen, auch Oliven-Bäumchen passen zum Arrangement. Herrlich, wie das hier duftet: Die ätherischen Öle des Lavendels und anderer Duftpflanzen beruhigen die überanstrengten Sinne der Stadtbewohner. Duftbegonien im Halbschatten erfrischen wenn man im Vorbeigehen ein paar Blüten streift mit feinem Zitronenduft. „Auch ein kleiner Zierbrunnen sorgt mit seinem Plätschern für Entspannung.“

    Im Trend: der insektenfreundliche Balkon

    Absolut angesagt ist der insektenfreundliche Balkon – mit vielen Pflanzen, die Bienen und Schmetterlinge lieben. „Bienen fliegen Pflanzen sehr selektiv an“, sagt Eva-Maria Geiger. Bei der beliebten Balkonpflanze Goldzweizahn bevorzugen sie die Blütenfarben Weiß, Rosa und Rot. Orange und gelb blühender Goldzweizahn dagegen würde etwas weniger oft angeflogen. Für den Balkon vom Typ „Natur-Tankstelle“ verwendet die Fachfrau Kräuter und Blütenpflanzen, die für Insekten attraktiv sind. Weiß blühender Goldzweizahn, Wandelröschen, Staudengerbera, Sonnenblumen, Indianerminze und Blütensalbei-Sorten locken Hummeln, Wild- und Honigbienen an, die sich beim Sammeln der Blütenpollen nicht stören lassen und so für den achtsamen Beobachter ungefährlich sind. Hübsch sehen auch Insektenhotels aus hochwertigem Holz aus.

    Dazu pflanzt die Gartenfachfrau noch Gräser, aber auch Essbares wie Granatapfel, Feige, Snackpaprika, Tomaten und Erdbeeren. „Diese Pflanzen sind vor allem für einen Südbalkon geeignet“, sagt Geiger. Aber genauso gebe es insektenfreundliche Pflanzen, die eher auf einem schattigen Nord- oder Ostbalkon gedeihen. Dazu könne man sich bei der Landesgartenschau beraten lassen. Im Winter sollte man vor allem Granatapfel und Feige ins helle und kühle Treppenhaus stellen, denn sie sind nicht winterfest.

    Weiße Pflanzen wirken zeitlos edel

    Die Gestaltung der grünen Oase verrät immer auch etwas über die Persönlichkeit des Gestalters. Wer möchte, dass der Balkon sehr edel wirkt, der sollte auf den Typ „Zeitlose Eleganz“ setzen. Hier zieren weiße Blütenpflanzen, feine Gräser und silberlaubige Blattschmuckpflanzen edle Gefäße. „SunPatiens“-Lieschen bezaubern durch ihren Kontrast der reinweißen Blüten mit den dunkelgrünen Laubblättern. Die pflegeleichten Pflanzen wirken edel und sind sowohl für Halbschatten als auch für sonnige Standorte geeignet. „Weiß blühende Gartenbegonien setzen vornehme Lichtpunkte in schattigen Bereichen“, sagt Geiger.

    Chili trifft Cocktail-Minze am Männerbalkon

    Auch Männer können mit ihrem Balkon ein Statement setzen. Absolutes Muss ist ein Grill, dazu gesellen sich markante Pflanzen am besten in kantigen, graphitfarbenen Gefäßen. Dunkellaubige, fast schwarze Gräser und Blattschmuckpflanzen zieren den „Männerbalkon“. „Ich wurde vor einiger Zeit von der Zeitschrift Men's Health gefragt, wie ein Männerbalkon aussehen könnte“, sagt Geiger. Und hier ist ihre Antwort darauf: Pflanzen mit kulinarischem Zusatznutzen stehen im Vordergrund. Basilikum-Minze, Rosmarin, Basilikum, Monatserdbeeren und tropische Früchte für sommerliche Cocktails in geselliger Runde, megascharfe Chilis und würzige Kräuter für feurige Grillabende. Süßkartoffeln aus eigener Ernte runden im Herbst die Balkonsaison ab. „Die Süßkartoffeln wachsen prima in einer Hängeampel.“

    Natürlich gedeiht alles nur so prächtig, wenn es ausreichend gegossen wird. „Dafür wäre ein Wasseranschluss am Balkon perfekt“, sagt die Balkonfachfrau. Beim Gießen spielt auch der Standort eine wichtige Rolle. Auf einem Südbalkon verdunstet das Wasser wesentlich schneller als auf einem schattigen Nordbalkon. Vor dem Gießen der Pflanzen sollte man die so genannte Fingerprobe machen. Dafür steckt man den Finger möglichst tief in die Erde, um die Feuchtigkeit zu prüfen. Ist nur die Oberfläche ausgetrocknet, sollte an bewölkten und kalten Tagen mit dem Gießen noch ein bisschen gewartet werden. Scheint hingegen die Sonne, sollte man möglichst zweimal am Tag, früh am Morgen und abends gießen.

    Balkonwelten heute und morgen

    Ideen für die Balkonbepflanzung und unterschiedliche Balkontypen gibt es noch bis Mittwoch, 25. Juli, bei der Landesgartenschau in Würzburg zu sehen. Zu sehen gibt es den klassischen „Bayerischen Balkon“ mit seinen üppigen roten Geranien, einen „Männerbalkon" mit Grillplatz und einer scharfer Pflanzenauswahl wie Chilis und Cocktail-Kräuter, einen „Entschleunigungs-Balkon“, der Auszeiten vom temporeichen Alltag erlaubt, eine „Balkon-Natur-Tankstelle“ für Insekten oder ein Mini-Indoor-Garten mit schmackhaften Kräutern und technischen Raffinessen. Die Balkonwelten sind täglich von 9 bis 18 Uhr am Pavillon des Landwirtschaftsministeriums zu sehen.

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