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    Leinach

    Wie nachhaltiger Waldschutz aussehen muss

    Beim Rundgang durch den Leinacher Wald will das AELF zeigen: Waldschutz bedeutet Klimaschutz. Foto: Lukas Kutschera

    Gerade ist es windstill im Wald, irgendwo zwischen Leinach und Greußenheim. Trotzdem tragen alle Anwesenden orangene Schutzhelme. Das Thema ist brisant – sogar Abgeordnete aus München und Berlin sind gekommen. "Sind Sie bereit, mit Helm in den Wald zu gehen?", fragt Elfi Raunecker. Eigentlich solle man bei Sturm den Wald meiden. Doch die Bereichsleiterin Forsten vom Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten Würzburg (AELF) will zeigen, wie schlecht es um den Wald steht. Es geht um Trockenschäden. Vor allem darum, wie sehr der Buchenbestand unter der Klimaerwärmung leidet.

    In Unterfranken ist die Buche der Hauptbaum. Etwa die Hälfte vom gesamten Baumbestand macht sie hier aus – und galt lange Zeit als klimastabil. Dass es um die Baumart aber kritisch steht, macht die Situation im Leinacher Wald deutlich. Eingeladen wurden deshalb die Landtagsabgeordneten Paul Knoblach (Die Grünen) und Gerald Pittner (Freie Wähler) sowie die Bundestagsabgeordnete Anja Weisgerber (CSU). Wie Waldschutz schlussendlich aussehen soll, darüber ensteht am Ende eine hitzige Debatte.

    Darum sterben die Buchen

    Sofort fallen in Leinach farbige Markierungen an den Stämmen der Bäume auf. Die meisten sind blau markiert, viele rot. Letztere seien bereits abgestorben, erklärt Antje Julke vom AELF Würzburg. Die blau markierten Buchen seien unmittelbar vom Tod durch Vertrocknen bedroht.

    Warum sterben die Bäume ab? Julke zeigt verschiedene Grafiken. Auf ihnen sieht man den Verlauf der Lufttemperatur über die letzten Jahre, gemessen am Forsthaus Guttenberg. Immer wieder überschreiten die Graphen deutlich das langjährige Mittel. Dazu komme, dass der Niederschlag zurückgehe – in den letzten Jahren etwa um zehn Prozent. "Das führt zu Wasserstress", sagt Julke. Heuer seien die Buchen erstmals schon ab Ende Juni unterversorgt gewesen und hätten sich in der gesamten Vegetationsperiode nicht mehr erholen können.

    Naturverjüngung gegen das Baumsterben

    Mit Naturverjüngung, also natürlich aufgegangener Saat der heimischen Baumarten, versuchen die Förster, dem Sterben entgegen zu wirken. Doch auch hier macht die Klimaerhitzung Probleme. Stephan Thierfelder vom AELF Schweinfurt steht vor einer Fläche Jungpflanzen. Noch nicht mal einen halben Meter sind sie hoch, und schon vertrocknet.

    "Wir kennen die Katastrophe, haben aber keinen, der sie abarbeitet."
    Elfi Raunecker vom AELF Würzburg über die Probleme beim Abholzen.

    "Viele Pflanzen schaffen es erst gar nicht auszutreiben", erklärt Thierfelder. Zusätzlich erschwere das Rehwild die Verjüngung. Die Rehe würden die jungen Pflanzen abkauen, bevor sie richtig austreiben könnten. Daher meint er: "Wir brauchen die entsprechende Unterstützung durch die Jagd."

    Probleme auch beim Abholzen

    Auch problematisch: Vielerorts würden die vertrockneten Buchen die öffentliche Sicherheit gefährden und müssten deshalb abgeholzt werden. Wie sehr das ins Geld gehen kann, erzählt Greußenheims Bürgermeisterin Karin Kuhn. Um den Verkehr in ihrer Gemeinde zu sichern, würden über 50 000 Euro anfallen. "Das können wir nicht schultern", sagt die Bürgermeisterin.

    Überhaupt fänden sich schwer Unternehmen, welche die Abholzung auch bei kleineren Waldflächen übernehmen würden. Großunternehmen hätten Kleinere vom Markt verdrängt, meint Elfi Raunecker. "Wir kennen die Katastrophe, haben aber keinen, der sie abarbeitet."

    Eine Hitzige Debatte: Knoblach und Weisgerber diskutieren über das Klimaabkommen. Foto: Lukas Kutschera

    Politische Lösung gefragt: Reduzierung von CO2-Emissionen

    An der Waldlichtung in Leinach sucht Raunecker nach Blättern verschiedener Baumarten. Schnell hat sie zwei Hände voll gefunden. "Es gibt viele Arten, die sich hier durchsetzen könnten", sagt sie. Dazu brauche es aber die richtigen Rahmenbedingungen. Besonders von der Politik erwarten die Vertreter vom AELF Unterstützung. Ohne eine Reduzierung der CO2-Emissionen und angepassten Wildbeständen würden die Bemühungen von Waldbesitzern und Förstern ins Leere laufen.

    Daraufhin fangen die Politiker zu diskutieren an. Der Landtagsabgeordnete Knoblach wirft Weisgerber vor, dass die Zeit renne. Das Klimaabkommen der Bundesregierung seien zu wenige Maßnahmen, die zu langsam greifen würden. Die Bundestagsabgeordnete verteidigt das Abkommen der Großen Koalition. Durch den CO2-Handel könnten sich auf dem Markt Preise bilden, welche die geforderten 180 Euro pro Tonne sogar überschreiten würden. Das letzte Wort hat aber Elfi Raunecker: "Es gibt Themen, da nützt die Farbe ihrer Partei nichts." Am Ende sei es der Wald, der zählen würde.

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