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    Würzburg / Schweinfurt

    Wie reagieren Unterfrankens Lehrer auf den drohenden Lehrermangel?

    Das neue Schuljahr in Bayern beginnt - und mit ihm die Diskussion über den Lehrermangel an Grundschulen. Auslöser ist die Studie der Bertelsmanns-Stiftung, nach der bis 2025 über 26 000 Lehrkräfte fehlen werden. Foto: Marijan Murat, dpa

    Bis zum Jahr 2025 werden Prognosen der Bertelsmann-Stiftung zufolge mindestens 26 300 Lehrer an Grundschulen fehlen. Damit sei die Lage noch dramatischer, als von der Kultusministerkonferenz (KMK) erwartet, heißt es in einer am Montag vorgelegten Studie der Stiftung. Die KMK hatte im vergangenen Oktober einen Mangel von 15 300 Grundschullehrern im Jahr 2025 errechnet.

    Laut Gerhard Bleß, dem Vorsitzenden des Unterfränkischen Bezirksverbands im Bayerischen Lehrer- und Lehrerinnenverband (ULLV), bräuchte es bereits jetzt, und nicht erst in sechs Jahren für eine optimale Ausstattung, "15 000 Lehrer allein in Bayern." Bayerns Kultusminister Piazolo (Freie Wähler) sieht dagegen keinen akuten Lehrermangel, weil 1000 neue Stellen zum Schuljahresbeginn geschaffen worden seien.

    "Warum reagiert man erst dann, wenn die Kinder in die Schule kommen. Sie sind doch längst geboren."
    Gerhard Bleß, Vorsitzender des Unterfränkischen Lehrer- und Lehrerinnenverbands (ULLV)

    Eine "Herkules-Aufgabe" nannte Stiftungsvorstand Jörg Dräger die Bewältigung des Lehrermangels. Bei steigenden Schülerzahlen dauere es gleichzeitig "noch etliche Jahre", bis die zusätzlich eingerichteten Studienplätze für das Lehramt an Grundschulen auch mehr Absolventen hervorbrächten. Gerhard Bleß bestätigt diese Entwicklung und spricht von einem "hausgemachten Problem" und einem "Fiasko". Bereits vor fünf Jahren sei klar gewesen, dass es angesichts steigender Geburtenzahlen zu einem Lehrermangel kommen wird.

    Zwar steht Bayern laut Bleß (noch) gut relativ gut da". Aber es werde "schwierige Jahre" geben. Und: "Warum reagiert man erst dann, wenn die Kinder in die Schule kommen - sie sind doch längst geboren", sagt Bleß und kritisiert die Politik: "Eine langfristige Vorausschau findet nicht statt, und in die Lehrerausbildung wird keine Kontinuität hineingebracht." Es sei keine Bereitschaft da, über das nächste Jahr hinauszublicken. Das könnte sich kein großer Konzern erlauben, so Bleß. "Was wir an Schulen machen, ist eine permanente Mängelverwaltung."

    "Bayerns Hochschulen leisten viel gegen den Lehrermangel."
    Bernd Sibler, bayerischer Wissenschaftsminister (CSU)

    Wissenschaftsminister Bernd Sibler (CSU) sieht dies anders als Gerhard Bleß. "Bayerns Hochschulen leisten viel gegen den Lehrermangel", lautet seine Reaktion auf die Bertelsmann-Studie. "Auf der Grundlage von detaillierten Prognosen haben wir den Bedarf an Grundschullehrerinnen und -lehrern bereits frühzeitig erkannt und entsprechend gehandelt", so Sibler in einer Pressemitteilung. Bereits zum Wintersemester 2018/2019 habe Bayern begonnen, 700 zusätzliche Grundschul-Studienplätze an bayerischen Universitäten zu schaffen. "So können wir vorausschauend für sehr gut ausgebildete Grundschul-Lehrkräfte sorgen." Und zudem werden laut Sibler zusätzliche Lehrstühle für die Ausbildung von Lehrkräften für Sonderpädagogik in München, Würzburg und in Regensburg eingerichtet. "Auch in diesem Bereich sollen die Ausbildungskapazitäten erhöht werden."

    SPD-Landtagsabgeordneter Volkmar Halbleib will die Zahl der Schulpsychologen verdoppeln

    Der unterfränkische SPD-Landtagsabgeordnete Volkmar Halbleib stellt sich auf die Seite des BLLV und damit auch auf die Seite des unterfränkischen Bezirksverbands. Notwendig sei nicht nur, die Warnungen der Lehrerverbände wie dem BLLV und der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) ernst zu nehmen und mit konkreten Sofortmaßnahmen dem Lehrermangel im Bereich der Grund- und Mittelschulen zu begegnen, schreibt er in einer Pressemitteilung. Hierzu gehöre eine Angleichung der Bezahlung für Lehrkräfte aller Schularten, die Erhöhung der Zahl der Studienplätze und eine Modernisierung der Lehrerausbildung. Notwendig sei auch, die sozialen Probleme stärker in den Fokus zu nehmen. So müsste laut Halbleib die Zahl der Schulpsychologen verdoppelt werden.

    Die Bertelsmann-Stiftung plädiert angesichts des Lehrermangel für schnelle Lösungen. So solle man zum Beispiel Quereinsteiger mit Fachstudium, aber ohne Lehramtsabschluss einstellen oder angehende Ruheständler ermuntern, länger zu unterrichten. Da sieht der ULLV-Vorsitzende Bleß skeptisch, auch wenn die große Zahl an Quereinsteigern ein Segen sei. Er plädiert dafür, dass "in Zeiten, wo man viele Lehrer hat, sie aus der Schule nehmen könnte und ihnen Individualisierungsmöglichkeiten anbieten könnte. Das würde die Qualitätsstandards erhöhen.

    Mit Informationen von dpa

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