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    Würzburg

    Wie sich Nachbarn in Zeiten von Corona gegenseitig helfen

    Infizierte und Erkrankte stehen unter Quarantäne, können oder dürfen das Haus nicht verlassen. Doch sie sind nicht allein. In vielen Gemeinden gibt es Unterstützung.
    Menschen, die aufgrund von Covid-19 unter Quarantäne stehen, finden nun in Stadt und Landkreis Würzburg zahlreiche Hilfsangebote. Nachbarn besorgen neben Lebensmittel auch Medikamente.
    Menschen, die aufgrund von Covid-19 unter Quarantäne stehen, finden nun in Stadt und Landkreis Würzburg zahlreiche Hilfsangebote. Nachbarn besorgen neben Lebensmittel auch Medikamente. Foto: Patty Varasano

    "Ich wohne im Frauenland und biete sehr gerne meine Hilfe für diverse Tätigkeiten wie beispielsweise einkaufen, gärtnern, und telefonieren . . . an", schreibt Ri Calotta in die Facebook-Gruppe #CoronaCare Würzburg hilft sich. Die Plattform hat inzwischen über 4000 Mitglieder. Viele Angebote, Fragen, Sorgen und Ängste, aber auch ernste Aufrufe posten die Einzelnen. So wie Alex, der festgestellt hat, dass in Würzburg wieder mehr Leute zu Fuß und mit dem Auto unterwegs sind: "Bleibt bitte Zuhause, so könnt Ihr mehr dazu beitragen, das Virus nicht zu vermehren und zu verbreiten. Ich muss raus, meinen Job machen und Menschen pflegen." Und Hartmut kommentiert dazu: "Eine halbe Stunde oder Stunde reicht vollkommen zum Spaziergang. Lasst Euren Hintern Zuhause!!! Oder muss es erst so kommen, wie in Spanien oder Frankreich mit verschärfter Ausgangssperre?"

    Für Menschen, die aus verschiedenen Gründen selbst nicht aus dem Haus können, gibt es zahlreiche ehrenamtliche Hilfsangebote in der Region Würzburg. So hat sich die freiwillige Feuerwehr Gramschatz eine neue Aufgabe auf die Fahne geschrieben: "Corona-Nachbarschaftshilfe – Die Feuerwehr Gramschatz kauft ein …." heißt es auf deren Facebook-Seite. Um gerade ältere Menschen und andere Risikogruppen vor einer Ansteckung mit dem Corona-Virus zu schützen, wollen die Feuerwehrleute Solidarität zeigen und Besorgungen für Menschen im Dorf übernehmen, für die das Einkaufen gerade zu gefährlich ist. Hilfe gibt es unter https://de-de.facebook.com/feuerwehrgramschatz/ oder per Mail an coronahilfe@ff-gramschatz.info.

    Viele junge Menschen haben sich gemeldet

    Auch die Malteser haben einen kostenlosen Einkaufsservice eingerichtet. Die Aktion erfolgt in Zusammenarbeit mit der Beratungsstelle für Senioren und Menschen mit Behinderungen der Stadt Würzburg und anderen Organisationen. "Wir sind überwältigt von der Hilfsbereitschaft der Menschen, in wenigen Tagen haben wir ein Team von 200 Helfern auf die Beine gestellt", sagt Koordinatorin Barbara Griesbach stolz auf Anfrage der Redaktion. Über Facebook hatten die Malteser den Aufruf gestartet und innerhalb kurzer Zeit haben sich viele, vor allem junge Menschen, gemeldet.

    Das Angebot einer Nachbarschaftshilfe hängt an einer Eingangstür. Wegen der Corona-Krise gelten zahlreiche Einschränkungen für das öffentliche Leben.
    Das Angebot einer Nachbarschaftshilfe hängt an einer Eingangstür. Wegen der Corona-Krise gelten zahlreiche Einschränkungen für das öffentliche Leben. Foto: Daniel Bockwoldt/dpa

    Nun gelte es, so Griesbach weiter, auch die Hilfsbedürftigen zu erreichen. Deshalb seien erst einmal zahlreiche Flyer verteilt worden, um all diejenigen zu informieren, die kein Internet oder Handy haben. Aber auch die ersten Einkäufe wurden schon erledigt. Und das funktioniert so: Jedem Hilfesuchenden wird ein Helfer zugeteilt, der dann telefonisch Kontakt aufnimmt, um beispielsweise Einkäufe zu vereinbaren.

    Informationsflyer im Briefkasten

    Dabei wird aber persönlicher Kontakt vermieden, die Einkäufe werden vor die Tür gestellt, sagt Griesbach. Der Dienst der Malteser sei nicht auf die Stadt Würzburg beschränkt, sondern gelte auch im Landkreis. Wer also älter als 65 Jahre ist und/oder wegen einer Vorerkrankung zu einer Risikogruppe gehört, kann sich ab sofort beim Malteser Hilfsdienst Würzburg unter der Telefonnummer (07 00) 62 58 37 37 melden.

    Mit "Reichenberg hilft" hat die Gemeinde Reichenberg innerhalb kürzester Zeit nicht nur ein Netzwerk aus vielen ehrenamtlichen Helfern, sondern auch eine Internetplattform auf die Beine gestellt, bei der sich Helfer und Hilfesuchende melden können. "Über 63 freiwillige Helfer sind es inzwischen", sagt Franziska Scheer vom Organisationsteam auf Anfrage der Redaktion. Und weil nicht alle Menschen in Reichenberg und den Ortsteilen Albertshausen, Fuchsstadt, Lindflur und Uengershausen sich über Internet oder soziale Medien informieren, sei die allererste Aktion gewesen, die Informationsflyer in jeden Briefkasten zu bringen.

    "Viele Menschen haben große Hemmungen, darüber zu reden, wir brauchen mehr Offenheit, damit um zu gehen."
    Reichenbergs Bürgermeister Stefan Hemmerich über Covid-19

    Und nun "steht das Team bereit und ist gut gewappnet", so Scheer weiter, auch wenn sich die Zahl der Einkäufe bisher noch im Rahmen hält. Im Moment werden mit vielen Freiwilligen Gesichtsmasken genäht – vorerst für das Seniorenwohnen und für die Nachbarschaftshilfe selbst. Indes rief Bürgermeister Stefan Hemmerich zusammen mit den Kirchenvertretern in einer Videobotschaft über Facebook dazu auf, die Reichenberger Nachbarschaftshilfe zu unterstützen und sie bei Bedarf "ohne Angst und Scham in Anspruch zu nehmen".

    Das sei sehr wichtig, da das Corona Virus bereits mit einigen positiven Fällen im Gemeindegebiet angekommen sei, sagt er auf Anfrage der Mainpost. Und: "Viele Menschen haben große Hemmungen, darüber zu reden, wir brauchen mehr Offenheit, damit um zu gehen", meint er. Denn Covid-19 sei kein Makel, sondern eine Erkrankung, die alle treffen kann.

    Helmstadt sucht Helfer

    Deshalb sein Appell an die Bevölkerung: "Wer sich krank und abgeschlagen fühlt, sollte zuhause bleiben und sich telefonisch beim Hausarzt melden, um weitere Schritte abzusprechen." Das oberste Ziel von jedem Einzelnen müsse sein, die Verbreitung des Corona Virus zu verlangsamen, so der Bürgermeister. Gerade für Infizierte, Menschen in vorsorglicher häuslicher Quarantäne und MitbürgerInnen aus Hochrisikogruppen sei die Nachbarschaftshilfe Reichenberg da. Kontakt: nachbarschaftshilfe@reichenberg.bayern.de, Telefon: (0 15 73) 4 66 08 84.

    "Wir benötigen eine Menge freiwilliger Helfer", heißt es auf der Internetseite "Helmstadt online". Der Elisabethenverein und die Pfarrgemeinde Helmstadt starten gemeinsam mit anderen Institutionen ab sofort die "Nachbarschaftshilfe Helmstadt". Sie will eine Plattform für Hilfesuchende und Helfende bieten und die Gesuche und Angebote der BürgerInnen in Helmstadt und Holzkirchhausen koordinieren.

    "Wer sich vorstellen kann, einem anderen Mitbürger zu helfen, und diesen diskret, unentgeltlich und vertraulich zu unterstützen, meldet sich bitte telefonisch oder per E-Mail mit Angabe von Namen und Telefonnummer und dem Bereich, in dem er helfen kann, bei uns", so der Aufruf. Hotline: (01 51) 56 39 13 60 (Elisabethen-Verein) und im Pfarrbüro unter Telefon (0 93 69) 23 62. 

    Würzburger Rugby Klub zeigt Solidarität

    Das Bayerische Rote Kreuz bietet für die Region Würzburg eine Einkaufshotline an, bei der Lebensmittel und Hygieneartikel bestellt werden können. Das Service-Telefon ist unter (08 000) 27 52 75 zu erreichen. Nähere Informationen zu Kosten und Ablauf sind ebenfalls unter dieser Nummer zu erhalten. Das Angebot soll die Verwandten- und Nachbarschaftshilfe nicht ersetzen, sondern dort ergänzen, wo es keine Angehörigen, Freunde oder Nachbarn gibt, die die Einkäufe übernehmen können.

    Die Stadt Würzburg hat eine Hotline für Senioren sowie für hilfsbedürftige Menschen, die einen akuten nichtmedizinischen Hilfebedarf haben, eingerichtet unter Telefon: (09 31) 37 35 10 (Montag bis Freitag von 8 bis 16 Uhr). Das Senioren-Telefon soll nicht die Bürgertelefone der Stadt und des Landkreises Würzburg oder der Kassenärztlichen Vereinigung ersetzen.

    Der Würzburger Rugby Klub 2012 e.V. bietet ebenfalls Hilfe an. Auf seiner Facebook-Seite heißt es dazu: "Als Teil dieser wundervollen Stadt und um die Grundwerte des Rugby (Integrität, Leidenschaft, Solidarität, Disziplin und Respekt) zu leben, möchten die Jungs und Mädels vom Würzburger Rugby Klub Verantwortung übernehmen und mit anpacken. Wenn ihr Hilfe benötigt, oder jemandem in eurem Umfeld kennt, der auf Hilfe angewiesen ist, schreibt dem Würzburger Rugby Klub. Wir werden uns dann gemeinsam überlegen, was am besten zu tun ist und den Kontakt zu dem jeweiligen Mitglied herstellen (auch telefonisch, wenn die betroffene Person kein Internet hat)."

    Aktuell gibt es folgende Angebote: Einkaufen, Gassigehen, Kinderbetreuung, Rezepte abholen, Medikamente holen und zum Arzt fahren. Kontakt:https://www.facebook.comWRK2012#Coronacare

    Weitere Nachbarschaftshilfen

    Eine weitere Auswahl an Nachbarschaftshilfen im Landkreis Würzburg haben wir für Sie im Internet zusammengetragen: Nachbarschaftshilfe Waldbrunn: Ansprechpartner: Patricia Nennstiel-Tischler, Tel. 09306-9843507 (Montag, Dienstag, Freitag, 9.30 Uhr bis 13 Uhr), Pfarrerin Kirsten-Müller-Oldenburg, Tel. 09306-3174, Gemeindereferent Bernd Müller, Tel. 09306-983805 (vormittags); Nachbarschaftshilfe Veitshöchheim: Helfer und Hilfesuchende melden sich unter Tel. 0931-9802744 (Montag bis Freitag von 9 bis 12, Montag bis Donnerstag von 14 bis 17 Uhr). E-Mail: Einkaufshilfe@veitshöchheim.de; Corona-Nothilfe Margetshöchheim: Einkaufsservice für Mitbürger, die nicht selbst einkaufen gehen können. Bestellungen jeden Dienstag und Freitag unter Tel. 0931-4686226 (auch Helfer können sich unter dieser Nummer melden); Nachbarschaftshilfe Zell: "Miteinander Füreinander Zeit haben". Kontakt: Tel. 0931-3569164; Nachbarschaftshilfe Waldbüttelbrunn: "Zeit füreinander", Tel. 0931-4970414 oder 4970425; Nachbarschaftshilfe Höchberg: Tel. 0931-409542 oder 4043895; Nachbarschaftshilfe Hettstadt: Tel. 0151-53 28 88 95; Nachbarschaftshilfe Erlabrunn "A Schdunn": Tel. 0151-57570241; Nachbarschaftshilfe Eibelstadt: Tel: 09303-2223 (Pfarrbüro) (Mo., Mi., Fr. von 9 bis 12 Uhr und Do. von 16 bis 19 Uhr) oder 09303-906128 (Einwohnermeldeamt) (Mo. bis Fr. von 8 bis 12 Uhr, Di. von 13 bis 17.30 Uhr, Do. von 13 bis 16.30 Uhr); Nachbarschaftshilfe der Pfarreiengemeinschaft Fährbrück: Pfarrbüro Fährbrück, Tel. 09367-90640, E-Mail: pg.faehrbrueck@bistum-wuerzburg.de; Pfarrbüro Bergtheim, Tel. 09367-553, E-Mail: pfarrei.bergtheim@bistum-wuerzburg.de; Nachbarschaftshilfe Rottendorf: Tel. 0151-18 80 86 87, Montag bis Freitag: 8.00 – 12.00 Uhr; Nachbarschaftshilfe Theilheim: Tel. 09303-9844263, E-Mail: wirhelfen@theilheim.at; 

    Bürgertelefone: Das Bürgertelefon von Stadt und Landkreis Würzburg ist unter 0931 8003-5100 zu erreichen. (montags bis freitags von 8 bis 16 Uhr, samstags und sonntags von 10 bis 16 Uhr). Kassenärztliche Vereinigung: Ratsuchende Bürger*innen können sich auch an die Telefonnummer 116 117 des ärztlichen Bereitschaftsdienstes der Kassenärztlichen Vereinigung Bayern wenden.

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