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    Würzburg

    Wie steht es um Würzburgs Radwege?

    Die "Stadt Rad Tour" führte vom Rathaus über die Alte Mainbrücke zur geplanten Radachse 2 in der Zellerau, im Bild von links: Manfred Dürr, Oberbürgermeister Christian Schuchardt und SPD-Stadträtin Lore Koerber-Becker. Foto: Patrick Wötzel

    "Erfahre deine Stadt" – mit diesem Slogan wirbt Würzburg dafür, so oft wie möglich vom Pkw auf das Fahrrad umzusteigen. Bei einer "Stadt Rad Tour" konnten sich interessierte Bürger auf Einladung des städtischen Radverkehrsbeauftragen Adrien Cochet-Weinandt selbst ein Bild davon machen, welche Maßnahmen in naher Zukunft umgesetzt werden sollen.

    Im Frühjahr 2018 ging es bei der Info-Radtour bis nach Versbach, wo Fahrradfahrer entlang der Versbacher Straße inzwischen vergleichsweise flott voran kommen. In diesem Jahr stand die geplante Radachse Nummer 2 von der Alten Mainbrücke über die Zeller und Frankfurter Straße bis zum Zeller Bock im Mittelpunkt.

    Auch Oberbürgermeister Christian Schuchardt war im ersten Teil der "Stadt Rad Tour" am Start: "Wir haben bereits sehr viel für den Radverkehr getan", betonte er. Keine Kommune habe beim Fahrrad-Ranking des ADFC die Note eins oder zwei bekommen, die Notenspanne liege zwischen 3,2 an der Spitze und 4,8 am Ende der Tabelle. Mit der Note 4,3 stehe Würzburg also gar nicht so schlecht da: "Wir sind besser als unser Ruf. Wir werden nie auf Platz eins kommen, aber wir haben in den letzten Jahren bereits 15 Kilometer Radwege gebaut und Angebotsstreifen angelegt", so der OB weiter: "In diesem und im nächsten Jahr kommen weitere sechs Kilometer dazu, soweit alle Fördermittel fließen."

    "Wir haben in den letzten Jahren bereits 15 Kilometer Radwege gebaut und Angebotsstreifen angelegt."
    Oberbürgermeister Christian Schurchardt

    An der noch nicht erfolgten Vergabe der staatlichen Förderung liegt es zum Beispiel, dass die seit mehreren Jahren fertigen Pläne für die Radachse 2 bisher nicht umgesetzt werden konnten. Die Teilnehmer der Radtour erfuhren aus erster Hand, warum die bestehenden Radwege auf beiden Seiten der Frankfurter Straße schon seit Jahren nicht mehr benutzungspflichtig sind: Es sind schmale, holprige Pisten direkt neben parkenden Autos, die eine sichere, bequeme und flotte Fahrt an keiner Stelle zulassen. Künftig wird es in der Frankfurter Straße 1,50 Meter breite Schutzstreifen auf der Straße mit einem Sicherheitsabstand von einem halben Meter zu den parkenden Kraftfahrzeugen geben.

    In der Öffentlichkeit nicht wahrgenommen

    Cochet-Weinandt sprach von langwierigen Planungs- und Abstimmungsprozessen, die die Umsetzung geplanter Vorhaben trotz ausreichender Mittel im städtischen Haushalt an einigen Stellen bisher verzögert haben. "Es wurden bereits viele dicke Bretter gebohrt, die in der Öffentlichkeit nicht wahrgenommen werden", merkte der Radverkehrsbeauftragte an.

    Auf dem Fahrradstreifen ging es auch durch die Zellerau. Foto: Patrick Wötzel

    An einigen Stellen müssen Kompromisse gemacht werden – zum Beispiel in der engen Zeller Straße, in der aus Sicht des Radverkehrs eine Einbahn-Regelung für den Autoverkehr sinnvoll wäre. Wegen der befürchteten Verlagerung des Verkehrs auf andere Straßen ist dieser Wunsch bisher nicht umsetzbar. Mehr als die im Wechsel auf beiden Straßenseiten angelegten Schutzstreifen "können wir nach der Abwägung aller Belange hier für den Radverkehr nicht rausholen", so Cochet-Weinandt.

    Auf dem Viehmarkt-Parkplatz informierte der Radverkehrsbeauftragte über die geplante Verlängerung des Fuß- und Radwegs von der Leonhard-Frank-Promenade direkt am Mainufer bis zum Sportplatz der Bereitschaftspolizei. Danach ging es weiter über die Friedensbrücke und den bereits gut genutzten Schutzstreifen am Congress Centrum in Gegenrichtung der Einbahnstraße Oberer Mainkai, gefolgt vom gut ausgebauten Geh- und Radweg unter der Brücke hindurch am Heizkraftwerk vorbei zum Kulturspeicher.

    Fahrrad-Parkhaus als Lösung?

    Letzte Stationen der Tour waren der Röntgen- und Hauger Ring, wo die Radachse 3 seit längerer Zeit auf den Lückenschluss bis zum Berliner Ring wartet, und schließlich die Rad-Abstellanlagen am Hauptbahnhof. Dort gibt es rund 600 offizielle Stellplätze für Fahrräder und E-Bikes, der Bedarf ist nach den Erhebungen im städtischen Radverkehrskonzept etwa doppelt so hoch. Dazu kommt, dass nach Schätzungen fast ein Drittel der bestehenden Plätze von herrenlosen Schrotträdern belegt ist. Die einzige mögliche Lösung für dieses Problem wären laut Cochet-Weinandt kostenpflichtige Abstellanlagen mit Zugangskontrolle, zum Beispiel in einem Fahrrad-Parkhaus.

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