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    Wie viel Naturschutz brauchen die Würzburger Wälder?

    Der BUND Naturschutz fordert ein Naturwaldreservat im Gramschatzer Wald, doch das Konzept der zuständigen Forstbetriebe sieht das nicht vor. Warum?
    Die BUND-Kreisgruppe Würzburg und die Forstbetriebe Arnstein streiten darüber, ob es ein Naturwaldreservat im Gramschatzer Wald geben sollte.
    Die BUND-Kreisgruppe Würzburg und die Forstbetriebe Arnstein streiten darüber, ob es ein Naturwaldreservat im Gramschatzer Wald geben sollte. Foto: Irene Konrad

    Passiert im Gramschatzer Wald genug für den Naturschutz? Ja, sagen die zuständigen Forstbetriebe Arnstein, nein, findet der BUND Naturschutz Würzburg. Der BUND übt scharfe Kritik an dem Naturschutzkonzept, das die Forstbetriebe im September vergangenen Jahres vorgestellt haben. "Wir haben den Eindruck, dass man dort die Biodiversität nicht unterstützen will", so Steffen Jodl, Geschäftsführer der BUND-Kreisgruppe Würzburg.

    Steffen Jodl, Geschäftsführer der BUND-Kreisgruppe Würzburg
    Steffen Jodl, Geschäftsführer der BUND-Kreisgruppe Würzburg Foto: Thomas Obermeier

    Bis 2023 soll im bayerischen Staatswald ein "grünes Netzwerk" entstehen, dass zehn Prozent der Flächen umfasst und aus sogenannten Naturwaldflächen besteht, so sieht es das 2019 aktualisierte Waldgesetz vor. In diesen Gebieten dürfen Bäume alt werden, Totholz bleibt liegen als Lebensraum für andere Lebewesen. Der Wald wird hier sich selbst überlassen.

    Wie ist das Waldschutzgesetz zu interpretieren?

    Darüber, wie dieses Waldgesetz auszulegen ist, haben der BUND und die Forstbetriebe unterschiedliche Meinungen. Müssen diese Flächen zusammenhängen, oder können sie auch als "Trittsteine" ausgewiesen werden? Diese kleinen Flächen sollen es Tieren möglich machen, sich zwischen den "Inseln" der großen Schutzgebiete in den Staatswäldern zu bewegen.

    Geht es nach dem BUND, sollten im Guttenberger Forst und im Gramschatzer Wald mindestens zehn Prozent der Fläche aus der Waldnutzung genommen und sich selbst überlassen werden. Der Naturschutzbund fordert von den zuständigen Forstbetrieben Arnstein, dass sie größere, zusammenhängende Flächen anlegen, etwa ein Naturwaldreservat im Gramschatzer Wald von 25 Hektar. Bisher gibt es dort nur Trittsteine.

    Christoph Riegert, Forstbetriebsleiter Arnstein
    Christoph Riegert, Forstbetriebsleiter Arnstein Foto: Karlheinz Haase

    Im Gebiet der Forstbetriebe Arnstein, das acht Forstreviere zwischen den Landkreisen Kitzingen im Süden und Bad Kissingen im Norden umfasst, werden etwa 600 Hektar nicht genutzt, das etnstpricht gut vier Prozent des Waldes. Das ist im Rahmen des Waldschutzgesetzes in Ordnung, denn die Zehn-Prozent-Quote gilt für den gesamten Staatswald in Bayern, nicht für jeden einzelnen Forstbetrieb. "So ist es sinnvoll," erklärt Christoph Riegert, Leiter der Forstbetriebe Arnstein, "denn manche Betriebe haben in ihrem Gebiet sehr viel schützenswerte Natur, andere weniger."

    Forstbetriebe setzen auf Trittsteine, BUND auf große Flächen

    Die 600 Hektar in den Wäldern der Arnsteiner Betriebe setzen sich zusammen aus Naturwaldreservaten, die zum Teil schon in den 70er-Jahren ausgewiesen wurden, Wäldern der Klasse 1, also alten naturnahen und seltenen Waldbeständen, und eben den Trittsteinen.

    Für Riegert ist das ein schlüssiges Konzept: "Eine große Fläche zu schützen wäre kontraproduktiv, wenn dann im restlichen Wald nichts mehr getan wird." Steffen Jodl vom BUND vertritt eine andere Position: "Trittsteine lösen sich schnell auf und sind einem großen Störungspotential durch die Waldwirtschaft ausgesetzt", kritisiert er. Sie könnten als Verbindungselemente fungieren, aber einen flächigen Naturwald könnten sie nicht ersetzen, so Jodl.

    Staatsforsten sehen Forderungen des BUND erfüllt

    Riegert betont, er sträube sich nicht grundsätzlich gegen ein weiteres Naturwaldreservat."Wir haben die zuständige Landesanstalt gebeten, zu prüfen, ob wir in unserem Gebiet ein weiteres Reservat einrichten oder ein bestehendes vergrößern sollten. Aber die Waldtypen, die wir in der Region haben, sind in den Naturwaldreservaten in Bayern schon ausreichend vorhanden." Das bestätigen die Bayerischen Staatsforsten in einem Schreiben an den BUND.

    Die Staatsforsten stehen hinter dem Arnsteiner Naturschutzkonzept: Sie verweisen auf die Tatsache, dass im Gramschatzer Wald insgesamt 64 Hektar als Trittsteine natürlicher Waldentwicklung ausgewiesen sind. "Die Anregung für 25 Hektar sich selbst überlassenem Wald im Gramschatzer Wald sehen wir damit als erfüllt an", heißt es in dem Schreiben der Staatsforsten an den BUND. 

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