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    RANDERSACKER

    Winzer-Sein ist die Entscheidung für ein anderes Leben

    Vater und Sohn sind Winzer. Das gilt zwar noch für das Randersackerer Weingut Schmitts Kinder, ist aber nicht selbstverständlich. Wie für Landwirte auch gilt für Weinbaubetriebe: Einen Nachfolger zu finden, ist nicht einfach.

    Vor 50 Jahren zählte man in Franken rund 6500 Weinbaubetriebe, 30 Jahre später sogar 8500. 2009/2010 waren es dann aber nur noch rund 5500, 2013/2014 gerade etwas mehr als 4000. Die Zahlen stammen von Peter Schwingenschlögl von der Bayerischen Landesanstalt für Wein- und Gartenbau in Veitshöchheim. Deutschlandweit betrachtet ist der Rückgang noch dramatischer. Von gut 150 000 Weinbaubetrieben Ende der 1950er Jahre blieben 2013/14 nur 20 000 übrig.

    Als Winzer ist man an den Ort gebunden

    Hinter diesen Zahlen stehen Menschen. Betriebsinhaber aber, die sich Sorgen um die Zukunft ihres Weingutes machen, kann Artur Steinmann, Präsident des Fränkischen Weinverbandes, nicht nennen. „Eine Betriebsaufgabe wird als Niederlage empfunden, über die man nicht spricht“, sagt er.

    Er selbst sieht das eher pragmatisch: „Nichts hält ewig.“ Und Winzer sei schließlich ein spezieller Beruf: „Es ist die Entscheidung für ein ganz anderes Leben.“ Man sei zwar sein eigener Herr. Aber eben an den Ort gebunden und von einer 35-Stunden-Woche weit entfernt.

    Bürokratie und Kundenaquise sind aufwändiger

    „Winzer-Sein ist eine Berufung“, bestätigt Martin Schmitt, Diplom-Ingenieur für Weinbau und Önologie sowie Inhaber des Weingutes Schmitts Kinder. Diese Berufung spürte er bereits mit 16 Jahren – als Einziger von vier Geschwistern. Er hat die Entscheidung, 2014/2015 den väterlichen Betrieb zu übernehmen, bisher nicht bereut. Auch wenn die Arbeit im mittelständischen Unternehmen immer schwieriger wird.

    Auf der einen Seite nage die Bürokratie – von Mindestlohn über Digitalisierung und EU-Gesetzgebung bis hin zum Datenschutz – an den Nerven, auf der anderen Seite werde die Betreuung und Akquise von Kunden immer zeitintensiver und aufwändiger. „Den Weinliebhaber, der mit einem Kofferraum voll Wein wieder nach Hause fährt, gibt es nicht mehr.“ Einkaufen muss als Event empfunden werden und Service für den Kunden – vom Endverbraucher über den Gastronom bis zum Wiederverkäufer – zählt ebenso dazu wie Marketing auf Messen und bei Veranstaltungen. Schon deshalb ist Schmitt froh, dass die Eltern ihn weiterhin tatkräftig unterstützen.

    Teil der Ausbildung im Ausland absolviert

    Nicht zuletzt erlaubt ihm das auch etwas freie Zeit. Bisher reichten die Urlaubstage nicht, um nach Australien zurückzukehren, wo er 2002 einen Teil seiner Ausbildung verbrachte und so zwei Weinlesen in einem Jahr erlebte: auf der Südhalbkugel und sechs Monate später zuhause. Große Unterschiede stellt er nicht fest: „Mit dem Wein zu leben ist hier wie da nicht viel anders.“

    Christiane Krenig erinnert sich an ihre Jugend. Damals war ihr die Arbeit in den Weinbergen ein Gräuel. „Als Kinder waren wir selbstverständlich immer mit dabei. Daran war nicht zu rütteln.“ Um dem zu entkommen, entschied sie sich für eine Ausbildung in der Küferei – der Arbeit im Weinkeller also.

    Erfolgreich als Familienbetrieb

    Etwas später schloss sie dann doch noch die Ausbildung zum Weintechniker ab, um gemeinsam mit ihrem Mann Martin Krenig in den elterlichen Betrieb einzusteigen. Seit zehn Jahren fungieren Seniorchef Armin Störlein und sein Schwiegersohn beim Weingut Störlein-Krenig als Doppelspitze. „Das erleichtert uns die gegenseitige Vertretung“, sagt Krenig. Jeder wisse, was wann, wo und wie zu tun sei. Man bespreche und entscheide stets gemeinsam. Das funktioniere gut, weil sein Schwiegervater ihn als gleichberechtigten Partner sehe, der sich ebenso einbringen darf wie der Routinier.

    „Aber“, sagt Christiane Krenig „eine solche Entscheidung ist ein langer und manchmal schmerzhafter Prozess; ein Stück Familiengeschichte und etwas, das unser aller Leben sehr prägt.“ Ihre sieben- und elfjährigen Kinder eingeschlossen. Wie wenig selbstverständlich Betriebsübernahmen heute seien, zeige die Tatsache, dass von ehemals fünf selbstständigen Bäckern und Metzgern in Randersacker heute keiner mehr existiere.

    Bewusstsein für Boden und Gestein

    Halt gebe den Winzern die Nähe von gleichgesinnten Kollegen wie Martin Schmitt. Wie Krenig-Störlein hat sich Schmitts Kinder der Trias-Philosophie verschrieben. Dem Bewusstsein für Boden und Gestein, die den Geschmack des Weines prägen – und die man beim Trinken schmecken kann und soll. Eine Art des Weinausbaus, die beiden Weingütern in diesem Jahr nicht zum ersten Mal einen sogenannten Wein-Oskar – den „Best of Gold“ – bescherte.

    Eine willkommene Bestätigung in schwierigen Zeiten. „Denn“, so Krenig: „wir müssen mit den Gegebenheiten am Ort leben.“ Egal ob es um Arbeitskräfte, Steuer- oder andere Gesetze gehe. „Wir können nicht wie große Konzerne einfach umziehen, wenn es unrentabel wird.“ Allerdings, merkt seine Frau an: „Weinbau ist zwar oftmals anstrengende Handarbeit – das Leben in unseren malerischen Weinbergen aber ist Balsam für die Seele.“

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