• aktualisiert:

    Reichenberg

    Wird das Sterben bald teurer?

    Die Umgestaltung der Friedhöfe in allen Ortsteilen, auch den in Reichenberg, hat sich die Gemeinde für die kommenden Jah...

    Der Markt Reichenberg will die Friedhöfe in allen Ortsteilen zukunftsweisend umgestalten. Dabei sollen auch die Gebühren erhöht werden. Dies beschloss der Gemeinderat einstimmig.
    Bereits seit längerem habe man sich dazu Gedanken gemacht, sagte Bürgermeister Stefan Hemmerich. Der Friedhofsplaner Thomas Struchholz wurde beauftragt, einen Rahmenplan zu erstellen. Dafür wurde zunächst eine Bestandsaufnahme jedes einzelnen der fünf Friedhöfe gemacht.

    Eine wichtige Aufgabe eines kommunalen Friedhofes sei heute, verschiedene Bestattungsformen anzubieten, von der Erdbestattung über die Urne bis zur Baumbestattung, erläuterte Struchholz bei der Vorstellung des Plans. Der Trend zurück zur Natur und zu pflegeleichten Gräbern sei enorm. Deshalb sei beispielsweise der Friedwald als Konkurrenz zu den kommunalen Friedhöfen zu sehen.

    "Sie sind heute gezwungen, die Weichen für die nächsten 30 Jahre zu stellen", so der Planer. Dabei sei zu beachten, dass große Gräber mit zu hohen Gebühren und einem zu großen Pflegeaufwand problematisch sind. Denn in 20 bis 30 Jahren werde nur noch ein Viertel der Flächen auf den Friedhöfen gebraucht, prognostizierte er. Mit der Frage, was dann mit diesen Flächen passiert, müssten sich die Kommunen jetzt auseinander setzen, forderte er.

    Großer Bestand an historischen Grabsteinen

    Für die Umgestaltung der gemeindlichen Friedhöfe hatte Struchholz einige Vorschläge parat. So sollten in Reichenberg die Hecken entfernt werden, weil sie zu hoch seien. Der Raum dort müsse transparenter werden, zudem müssten Hecken gepflegt werden, und das koste viel Geld, meinte er.
    In Uengershausen soll der lange Weg komplett neu gebaut werden. In Lindflur wird eine Aussegnungshalle benötigt, der Platz dafür sei direkt am Eingang vorhanden. An einer Stelle im Friedhof könnte man aufgrund des alten Baumbestandes Baumbestattung anbieten. Allerdings könnten dort wegen der Baumwurzeln nur Urnen bestattet werden. Unter die Bäume sollen Farne gepflanzt werden, das sei pflegeleichter als Rasen, sagte er.

    Albertshausen hat einen "fantastischen historischen Bestand" an Gräbern. Das Problem dabei: Die Leute wollen heute ihre Grabstellen verkleinern und keine halben Gärten pflegen, so Struchholz. Doch diese historisch wertvollen Grabsteine sollten auf keinen Fall platt gemacht, sondern erhalten werden. Der Erhalt könne in Zusammenarbeit mit der Denkmalschutzbehörde gelingen.

    Schrittweise Erhöhung der Gebühren

    In Fuchsstadt seien die Wege nicht schön und der Eingang von der Kirche her sei verbesserungswürdig, so der Fachmann. Auch hier könnte ein Urnenbereich geschaffen werden.
    Ein weiteres Manko der Friedhöfe im Markt Reichenberg seien die Gebühren, die seit 2010 nicht angepasst wurden und nun dringend erhöht werden müssten, sagte Struchholz. Damit beschäftigte sich der Gemeinderat in einer weiteren Sitzung.

    Matthias Dotzler vom Büro "Kommunale Transparenz" in Würzburg stellte dazu seine Kalkulationen vor. Wenn die Friedhöfe ab jetzt kostendeckend sein sollen, müssen die Gebühren zum Teil auf das Doppelte erhöht werden, sagte er. Die Benutzung der Leichenhalle würde gar von 25 auf 111,35 Euro pro Tag ansteigen. Diese drastische Erhöhung wurde im Gremium ausführlich diskutiert. Sigrid Kranz empfand das als unsozial. "Wo steht, dass wir kostendeckend sein müssen? Ich kann doch einen Friedhof nicht mit der Abwasserbeseitigung vergleichen", meinte sie. "Die Erhöhung um 100 Prozent ist gewaltig, das können wir so nicht machen", meinte auch Christoph von Seydlitz-Wolffskeel. Sein Vorschlag: eine moderate Erhöhung um 20 Prozent.

    Schließlich einigte man sich darauf, die Verwaltung mit der Erarbeitung einer schrittweisen Erhöhung zu beauftragen. Der Beschluss erfolgte einstimmig.

    Weitere Artikel
    Fotos

      Kommentare (0)

      Der Diskussionszeitraum für diesen Artikel ist leider schon abgelaufen. Sie können daher keine neuen Beiträge zu diesem Artikel verfassen!