• aktualisiert:

    Würzburg

    Wissenschaftsminister: Unis sollen mehr kooperieren

    Seit 20 Jahren ist Bernd Sibler (47) schon CSU-Abgeordneter im Bayerischen Landtag. Der Gymnasiallehrer aus Plattling (Niederbayern) war von 2011 bis März 2018 Staatssekretär im Kultus- und im Wissenschaftsministerium. Nach einem halben Jahr als Schulminister wurde er im November zum neuen Staatsminister für Wissenschaft und Kunst ernannt. Was will er hochschulpolitisch erreichen? Wie sieht er Bayern aufgestellt? Wie Würzburg und die Region? 

    Frage: Herr Sibler, wie schätzten Sie den Wissenschaftsstandort Würzburg ein?

    Bernd Sibler: Ich war in den letzten Jahren regelmäßig hier, bin aktuell im Austausch mit den Präsidenten von Universität und Hochschule für Angewandte Wissenschaften. Würzburg hat eine hervorragende Universität, unter anderem mit einem starken naturwissenschaftlichen Profil mit Physik und Chemie. Aber auch die Breite insgesamt kann sich sehen lassen. Besonders hervorzuheben sind die zahlreichen Sonderforschungsbereiche zu spannenden Zukunftsthemen – zuletzt hatte ja das gemeinsame Cluster der Universität mit Dresden Erfolg bei der Exzellenzstrategie

    Insgesamt haben die bayerischen Universitäten nur dürftig abgeschnitten...

    Sibler: Richtig glücklich über das Ergebnis sind wir nicht. Ich bin mit unseren Uni-Präsidenten im Gespräch, um zu sehen, wo wir für die Zukunft ansetzen müssen. Strategisch könnte es zum Beispiel um noch mehr Kooperation zwischen den Universitäten bei Forschungsschwerpunkten und interdisziplinären Projekten gehen. Dieser sehr beachtete Wettbewerb ist aber auch nicht das Maß aller Dinge. Da gibt es Sonderforschungsbereiche und internationale Rankings, bei denen die Position Bayerns seit Jahren klar besser ist und wir an der Spitze liegen.

    Was macht Baden-Württemberg anders, um seine Exzellenz auf verschiedene Hochschulen zu verteilen? In Bayern dominieren die beiden Münchner Unis...

    Sibler: Die baden-württembergische Hochschullandschaft ist in der Struktur ausgeglichener. Es gibt dort mehr Universitäten, die ähnlich groß sind, während wir in Bayern deutliche Unterschiede in der Größe haben. Deshalb sind hier mehr Verbundanträge, Koordination und gezielte langfristige Maßnahmen zur Stärkung der Spitzenforschung sinnvoll. In Würzburg bauen wir seit Jahren im Bereich der Energieforschung beziehungsweise der Künstlichen Intelligenz neue Forschungsschwerpunkte auf. Bis sich Exzellenz in diesen engen Wettbewerben durchsetzt, braucht es aber Zeit.

    Ist das überhaupt Ihr politisches Ziel - Exzellenz nicht in München zu bündeln, sondern andere Standorte zu stärken?

    Sibler: Ich will definitiv ein starkes München, ich will aber auch Exzellenz in der Fläche haben. Entscheidend ist immer die wissenschaftliche Qualität. Sie gilt es über Kooperationen weiterzuentwickeln. Ich will das eine tun, ohne das andere zu lassen. Dass wir damit schon vorankommen, zeigt die Liste der Sonderforschungsbereiche für Bayern. Aktuell werden 53 Konsortien mit bayerischer Federführung oder wesentlicher Beteiligung gefördert, an sieben von neun Universitätsstandorten. In Würzburg sind davon sieben Sonderforschungsbereiche in der Förderung.

    Ist es wirklich sinnvoll, in vielen kleineren Orten wie Kulmbach oder Pfarrkirchen einzelne Studiengänge oder Fakultäten aufzumachen?

    Sibler: Für diese Regionalisierung stehe ich, als Staatssekretär habe ich sie massiv vorangetrieben. Mit diesen Studienangeboten ermöglichen wir es jungen Menschen, sich in ihrer Region, vor Ort weiter zu qualifizieren. Wir erschließen so Talente im ländlichen Raum und stärken gleichzeitig die Regionen. Der Erfolg gibt uns Recht. Unsere Erfahrung ist: Studienangebote in den Regionen zu etablieren, funktioniert mit einer interessierten Kommune, einer engagierten Hochschule und einem exzellenzorientierten Programm.

    Hier sprechen wir von regionaler Exzellenz, aber auf Bundesebene...?

    Sibler: Auch da wollen wir Flagge zeigen. Wir sind gut, aber wollen immer noch ein Stück besser werden.

    Den ausgewählten Exzellenz-Clustern wurden gleich mal 26 Prozent der avisierten Mittel gestrichen, weil man zu viele Bewerber aufgenommen hat. Wer kompensiert das? Der Freistaat? Oder schießt der Bund nach?

    Sibler: Da ich selbst damals noch nicht im Amt war, werde ich das natürlich bei der Bundesministerin für Bildung und Forschung nochmals ansprechen. Aber entscheidend ist die inhaltliche Stärke, die Qualität der Forschungsprojekte, dann folgt im Idealfall die darauf zugeschnittene Finanzierung. Das Geld steht nicht am Anfang... Übrigens haben auch Wissenschaftler im Entscheidungsgremium dem Vernehmen nach zugestimmt, dass sich Kürzungen nicht direkt auf die Qualität der Ergebnisse auswirken müssen. Bei der zurückliegenden Exzellenz-Runde gab es auch Kürzungen und die Ergebnisse waren herausragend.

    Aber Entschuldigung: Statt 57 Millionen Euro bleiben für das Würzburg-Dresdner Projekt zur Quantenmaterie nur noch 43 Millionen. Das stellt ein Konzept auf den Kopf... Muss der Freistaat da nicht reagieren?

    Sibler: Die Klage ist bei mir angekommen. Wir wollen – wie gesagt – die Spitzenforschung in Bayern künftig noch gezielter stärken – gerade an den Unis, die in der Exzellenzstrategie jetzt Mittel verloren haben. Das ist für den neuen Staatshaushalt angemeldet, mir ist das Thema wichtig. Zu den Summen kann ich jetzt aber noch keine konkreten Aussagen treffen.

    Wie schwer wiegt hier und für andere regionale Projekte das Ausscheiden der beiden Würzburger CSU-Abgeordneten Barbara Stamm und Oliver Jörg aus dem Landtag?

    Sibler: Barbara Stamm ist eine großartige Persönlichkeit, die uns im Landtag insgesamt wirklich fehlen wird. Und Oliver Jörg hat sich über die Jahre einen exzellenten Ruf als Hochschulpolitiker erworben. Mit ihm werden wir den Kontakt nicht abreißen lassen.

    Als Stimme für Würzburg werden sie fehlen?

    Sibler: Natürlich. Aber: Die unterfränkischen Abgeordneten haben bereits zu verstehen gegeben, dass Großprojekte wie der Ausbau der Universität oder die Erweiterung des Uniklinikums nicht nur Würzburger Themen sind, sondern für die ganze Region wirken. Diese Überzeugung teile ich.

    Noch ein Blick in die Universitäten: Hier werden teils prekäre Arbeitsverhältnisse im akademischen Mittelbau beklagt. Es gab Demonstrationen von Lehrbeauftragten an Musikhochschulen. Sehen Sie hier Handlungsbedarf?

    Sibler: Wir sehen das Thema. Beim wissenschaftlichen Nachwuchs haben wir deutliche Verbesserungen bei den Befristungszeiten und dem Beschäftigungsumfang erreicht - durch eine freiwillige, wirksame Selbstverpflichtung aller bayerischen Hochschulen. Dass die Beschäftigung des wissenschaftlichen Nachwuchses zum Beispiel bei Promotionen befristet ist, liegt in der Natur der Sache und wird auch nicht kritisiert. Die Lehrbeauftragungen müssen wir uns genauer anschauen.

    In Augsburg  entsteht eine neue Uniklinik, in Nürnberg wird eine Technische Universität neu aufgebaut...Geht das zu Lasten anderer Standorte wie Würzburg?

    Sibler: Absolut nicht. Mit unserem Innovationsbündnis haben wir uns dazu verpflichtet, dass diese Projekte mit "fresh money", also zusätzlichen Mitteln, gestemmt werden.

    Braucht Bayern mehr Medizinstudienplätze, wie dies die Freien Wähler im Frühjahr gefordert haben?

    Sibler: Wir haben in Augsburg eine neue Medizinische Fakultät gegründet, das Klinikum Augsburg wird ab dem 1. Januar Uniklinikum. Wir schaffen dort schrittweise zusätzliche 250 Medizinstudienplätze pro Jahr. Wir in Bayern leisten also unseren Beitrag. Man muss sehen: Medizinstudienplätze sind mit Abstand die teuersten. Eine echte Lösung kann es nur im Zusammenspiel der Bundesländer geben.

    Bayern hat als einziges Bundesland keine verfasste Studierendenschaft. Sind mit Ihnen eine Änderung und mehr Mitsprache denkbar?

    Sibler: Ich bin von meinem ordnungspolitischen Grundverständnis her gegen eine verfasste Studierendenschaft. Offen bin ich dagegen für eine bessere Ausstattung der Studierendenvertretungen und für eine gewisse finanzielle Eigenständigkeit. Studentinnen und Studenten, die sich engagieren, sollen für die Finanzierung ihrer Arbeit nicht auf Knien zum Kanzler robben müssen. Das ist ein Thema für mich und ist im Übrigen auch im Interesse der Hochschulleitungen. Mitsprache und ein demokratisches Miteinander sind mir wichtig.

    Weitere Artikel
    Fotos

      Kommentare (0)


      Sie sind noch kein Mitglied auf mainpost.de?
      Dann jetzt gleich hier registrieren.