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    Wohnungsnot: So schwer haben es Würzburger Studenten

    Vor allem zum Semesterstart gibt es mehr Studierende als Wohnungen in Würzburg. Wer nicht schnell genug ist, landet auf Wartelisten. Foto: Oliver Berg, dpa

    In den sozialen Medien und auf Immobilien-Webseiten wimmelt es nur so von Einträgen, die alle in etwa so beginnen "Ganz dringend eine Wohnung gesucht". Neben Familien und jungen Paaren sind es meist Studierende, die verzweifelt eine Bleibe suchen – und das, obwohl das Semester im Oktober längst begonnen hat.

    Davon betroffen ist auch Ahmet Durkan, der sich über Facebook bei der Redaktion gemeldet hat. Er ist seit zwei Monaten auf der Suche nach einer Bleibe. "Wir hatten eine Zusage eine Woche vor Semesterbeginn. Aber es stellte sich heraus, dass es eine Studentenverbindung war", so der Leser. Nach dem Casting gab es eine Absage, es folgten überteuerte Angebote oder weitere Absagen. Anfang Oktober musste er laut eigener Aussage dann sogar in einem Anhänger übernachten. "Draußen im Freien. Leider regnete es in den Anhänger rein", schreibt er. Nun sei er zumindest bei Freunden in Schweinfurt untergekommen.

    Wohnheime sind voll

    Doch woran liegt das? Auf den ersten Blick gibt es viele Möglichkeiten, in Wohnungen des Studentenwerks Würzburg unterzukommen. Elf Häuser stehen als Studentenwohnheime zur Verfügung, insgesamt gibt es über 2700 Wohneinheiten, die auf die verschiedene Immobilien verteilt sind. Das Haus mit den meisten Wohnungen steht in der Leo-Weismantel-Straße 1. Die 1983 erbaute Anlage ist bei Studenten vor allem wegen der Nähe zum Hubland, zum Campus Nord und zum Klinikum sehr beliebt. Ein Zimmer gibt es dort schon für 214 Euro, deswegen zählt das Wohnheim zu den günstigsten dieser Art in Würzburg. Am teuersten wird es in dem erst 2016 erbauten Wohnheim Landsteinerstraße 3. Dort kostet eine Einheit bis zu 364 Euro.

    Eindruck: Weniger Bewerbungen

    Trotzdem scheinen die Angebote Mangelware zu sein. Denn: "Unsere Wohnheime sind momentan zu 100 Prozent ausgelastet", sagt Andrea Bala, Pressesprecherin des Studentenwerks. Dennoch hätten Mitarbeiter der Wohnheimabteilung den Eindruck gehabt, es sei vergleichsweise ruhiger zugegangen als in den vergangenen Jahren. "Wir hatten gefühlt weniger Bewerbungen", so Bala.

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    Die Bewerberzahlen insgesamt als auch die Studierendenzahlen lägen dem Studentenwerk jedoch noch nicht vor. Derzeit seien aber rund 800 Studenten auf der Warteliste für einen Wohnheimplatz. "Diese Zahl ist aber nicht wirklich verlässlich, weil die meisten Studenten sich nicht von der Warteliste abmelden, sobald sie eine Wohnung bekommen haben", sagt die Sprecherin. Die Wartelisten seien im Sommersemester generell kürzer als im Wintersemester.

    Privatzimmervermittlung des Studentenwerks

    Was viele nicht wissen würden: Das Studentenwerk betreibt auch eine eigene Privatzimmervermittlung, wobei dort auch ganze Wohnungen angeboten werden. Auch die Wohnheime der Studentenburse Würzburg sind ausgebucht.

    Entspannung im Wohnungsmarkt sollte das erst 2017 eröffnete Wohnheim "522 Apartunities" bringen. Es bietet namensgetreu für 522 Leute Platz, diese müssen für ein Zimmer aber tiefer in die Tasche greifen. Das günstigste Apartment (20-22 Quadratmeter) gibt es für 490 Euro warm, die größte Variante mit bis zu 32 Quadratmetern kostet 555 Euro mit allen Nebenkosten. 

    Das Studentenwohnheim "522 Apartunities" nahe des Bahnhofes ist seit der Eröffnung immer ausgebucht. Foto: Patty Varasano

    Preislich ist das für Studenten ein großer Unterschied zu den Wohnungen des Studentenwerks. Dennoch sieht dort die Situation ähnlich aus: Das Haus ist voll belegt. "Die Anfragen sind gleichbleibend hoch", teilt eine Sprecherin des Gebäudemanagements auf Anfrage mit. Bereits kurz nach der Eröffnung zum Wintersemester 2017 war das Haus ausgebucht, ähnlich war es 2018 und auch zum jüngst gestarteten Semester bleibt kein Zimmer leer. Wartelisten gibt es dort zwar auch, jedoch begrenzen die Verantwortlichen sie auf zehn bis 20 Leute. Sie empfehlen, sich bereits Ende Juni für eine Wohnung zu bewerben. Viel früher sei das nicht möglich, "da wir erst drei Monate vor Semesterende abschätzen können, wie viele Kündigungen wir haben", so die Managerin.

    Interaktive Karte mit den Würzburger Wohnheimen

    Erst kürzlich hat es in der Würzburger Innenstadt eine Demonstration gegeben, um auf die Wohnungsnot aufmerksam zu machen. Der Termin war von den Organisatoren bewusst auf den Start des Wintersemesters der Universität gelegt worden. "Ich bin es leid, dass wir jedes Jahr im Oktober bemerken, dass es viel zu wenige bezahlbare Wohnungen gibt und Studierende notdürftig in Herbergen oder bei Bekannten auf dem Sofa unterkommen müssen", betonte Viktor Grauberger vom Deutschen Gewerkschaftsbund bei der Kundgebung.

    Doch wie kann es in Zukunft besser statt schlimmer werden? Eine Möglichkeit sind weitere Wohnheime. Das Studentenwerk Würzburg wird beispielsweise ein neues Studentenwohnheim im Klara-Oppenheimer-Weg bauen und dadurch etwa 180 neue Wohnungen für Studierende schaffen. Die Fertigstellung ist ganz grob für das Wintersemester 2021 geplant.

    In einer früheren Version des Artikel war die Sprecherin des Studentenwerks Andrea Bala fälschlicherweise als Andrea Alba benannt worden. Wir haben den Fehler ausgebessert und bitten um Entschuldigung.

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