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    Würzburg

    Woran es bei der Straba-Linie 6 in Würzburg noch hakt

    Die neue Straba-Linie soll Fahrgäste vom Hauptbahnhof zur Hubland-Uni bringen. Die Fahrt ist zumindest in einem Animationsfilm der WVV aus dem Jahr 2011 schon zu sehen. Doch die neue Straba lässt noch auf sich warten. Foto: Screenshot MP

    Langsam ist auch die Geduld des Würzburger Stadtrates am Ende. In der jüngsten Sitzung äußerten sich die Mitglieder des Plenums teilweise sehr kritisch darüber, wie lange die Straßenbahnlinie 6 nun schon auf sich warten lässt. Mit dem Planfeststellungsverfahren ist 2012 begonnen worden, bis jetzt hat sich zwar diesbezüglich viel gedreht und gewendet, jedoch nicht unbedingt zum Guten. Denn dieses Verfahren sorgt auch noch sieben Jahre nach Beginn für allerlei Probleme

    Erwartet und angekündigt war das Ende des Planfeststellungsverfahrens durch die Regierung von Unterfranken schon öfter. "Es fehlen noch Unterlagen", sagte Johannes Hardenacke, Sprecher der Regierung von Unterfranken, Anfang dieses Jahres auf Anfrage

    Auf diesem Screenshot des WVV-Filmes passiert die geplante Straba-Linie 6 die Residenz. Foto: Screenshot MP

    Im Juni hatte diese Redaktion erneut dort angefragt. "Das Verfahren ist noch nicht abgeschlossen, wir haben die Unterlagen noch einmal an das Planungsbüro des Auftraggebers zurückgegeben, da ist noch nicht alles vollständig", ließ die Regierung im Juni verlauten. Das bestätigte auch die Würzburger Versorgungs- und Verkehrs-GmbH (WVV) und sprach von Problemen mit der Bayerischen Kompensationsverordnung, die regelt, wie Eingriffe in die Natur ausgeglichen werden. Diese Probleme konkretisierte Paul Lehmann, Chef der Würzburger Straßenbahn GmbH (WSB) jetzt im Stadtrat.

    Plan musste überarbeitet werden

    So habe, wie es von der Regierung verlangt worden sei, eine umfangreiche artenschutzrechtliche Prüfung über alle Vegetationsperioden stattgefunden. Diese wurde eingereicht, jedoch ohne Erfolg. Ende Mai bekam die WSB von der Regierung von Unterfranken die Nachricht, diesen Plan zu überarbeiten. 

    Wie Lehmann informierte, fanden Mitte Juli Gespräche dazu statt. Daran teilgenommen haben die städtischen Fachdienststellen (Fachbereich Umwelt- und Klimaschutz und Gartenamt) und die Fachplaner der Würzburger Straßenbahn. Daraufhin wurde der sogenannte landschaftspflegerische Begleitplan erneut überarbeitet und am 22. Juli an die Planfeststellungsbehörde übersandt. 

    Thema der Gespräche waren auch die Ausgleichsflächen. Denn erst nach der gemeinsamen Überarbeitung ergab sich laut WSB die Notwendigkeit, dass der Ausgleichsflächenbedarf erhöht werden muss. Und hier liegt laut Lehmann auch eines der Hauptprobleme: Durch den Zeitverzug und das lange Planfeststellungsverfahren stehen ursprünglich angedachte Ausgleichsflächen nicht mehr zur Verfügung. 

    Grund dafür seien vorrangig die zahlreichen Veränderungen am Hubland. Gebäude und Verkehrsflächen wurden dort vor der Landesgartenschau zurückgebaut, die entsprechenden Flächen konnten jedoch nicht mehr entsiegelt werden.

    Nicht jede Grünfläche ist als Ausgleich nutzbar

    Zudem gab Lehmann zu bedenken: "Ausgleichsflächen sind nicht gleich Ausgleichsflächen". Die Stadt habe zwar einen sogenannten "Ökopool", je nach Fläche gebe es aber eine Art Bewertungsbogen, inwieweit diese als Ausgleichsfläche genutzt werden können. Er gab als Beispiel zwei Flächen in Oberdürrbach an, die denkbar wären, jedoch wohne auf einer dieser Abschnitte der Feldhamster, auf dem anderen Abschnitt stehe ein Wohndenkmal. Der Betriebsleiter der WSB schätzt, dass in drei bis vier Wochen nötige Ausgleichsflächen gefunden sein sollten. "Und dann ist nichts mehr vorzulegen", so Lehmann.

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    Legt Regierung Pläne wieder aus?

    Im nächsten Schritt muss die Regierung von Unterfranken entscheiden, ob sie den Planfeststellungsbeschluss fasst. Darüber habe sie jedoch noch keine konkrete Aussage gemacht. Dennoch gibt sich Lehmann zuversichtlich, dass dies noch bis Ende des Jahres geschehen könnte. Sollte die Regierung jedoch darauf bestehen, die Planunterlagen erneut auszulegen, könne das den Straßenbahnbau weiter verzögern. Über 440 Einwendungen hatten Bürger beispielsweise nach der ersten Auslegung der Pläne im Jahr 2013 eingereicht.

    Um möglichst keine Anwohner zu verärgern, wurde daraufhin neu geplant und die neuen Pläne dann wieder ausgelegt – was das Verfahren abermals verzögerte. Auch jetzt sei die WSB ständig in Gesprächen mit Anwohnern. "Da ist nicht alles im Reinen, wir können nicht alle Probleme lösen", so Lehmann. Inwieweit das noch zu Schwierigkeiten führt, könne er nicht sagen.

    Korrektur: Im Ursprungstext hieß es unter dem Titelbild, die Straßenbahn würde nur sechs Minuten bis zur Hubland-Uni brauchen. Diese Information stammt fälschlicherweise von einem Vorgänger-Artikel im Archiv und wurde entfernt.

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