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    Würzburg

    Würzburg: Gepäckstücke als Erinnerung an deportierte Juden

    Am Übergang von Ringpark zu Bahnhofsvorplatz wird das Denkmal entstehen. Von rechts nach links: Architekt Matthias Braun, Kulturreferent Achim Könneke, Benita Stolz, Oberbürgermeister Christian Schuchardt, Dr. Helge Grob, Dr. Rotraud Ries, David Hanauer und Harald Ebert. Foto: Daniel Peter

    Die Arbeiten haben begonnen: Am Rand des Ringparks auf der östlichen Seite des Bahnhofsplatzes entsteht derzeit der "DenkOrt Deportationen 1941 – 1944 ", der an die über 2000 unterfränkischen Juden erinnern wird, die von den Nationalsozialisten von Würzburg aus in die Vernichtungslager im Osten transportiert wurden.

    109 Koffer und Gepäckstücke aus 109 ehemaligen jüdischen Gemeinden Unterfrankens werden nach der Fertigstellung des Denkmals symbolisch für die Opfer stehen. Zwar wurde der Großteil der unterfränkischen Juden nach einem Fußmarsch durch die Stadt – daran erinnert seit mehreren Jahren der "Weg der Erinnerung" vom ehemaligen Platz'schen Garten in die Nürnberger Straße – nicht am Hauptbahnhof, sondern am Güterbahnhof Aumühle in die Züge verladen, dort war die Errichtung des DenkOrts aber aus verschiedenen Gründen nicht möglich.

    Denkmal an zentralem Ort

    Inzwischen haben sich alle Beteiligten mit dem neuen Standort angefreundet: "Es ist wichtig, ein Denkmal an einem zentralen Platz mitten in der Stadt zu haben, an dem jeden Tag tausende Menschen vorbeikommen", sagte Oberbürgermeister Christian Schuchardt am Dienstag bei einem Informationstermin vor Ort: "Die Erinnerung an das Grauen, das das 20. Jahrhundert maßgeblich geprägt hat, muss wachgehalten werden."

    Das betont auch Josef Schuster, der Vorsitzende des Zentralrats der Juden in Deutschland, in einem von Rotraud Ries verlesenen Grußwort: "Dieser Platz bietet die Möglichkeit, viel mehr Menschen an die Geschehnisse zu erinnern. Dadurch wird das historische Gedächtnis der Stadt Würzburg um einen weiteren Mosaikstein erweitert." Das Denkmal am Hauptbahnhof werde künftig der zentrale Ausgangspunkt einer über ganz Unterfranken "netzförmig ausgebreiteten Gedenkstätte" sein, so Schuster weiter.

    "Es ist wichtig, ein Denkmal an einem zentralen Platz mitten in der Stadt zu haben, an dem jeden Tag tausende Menschen vorbeikommen."
    Oberbürgermeister Christian Schuchardt

    Das Konzept des Vereins "Denkort Deportationen" sieht vor, dass jeder der 109 unterfränkischen Orte, in denen es jüdische Gemeinden gab, zwei Gepäckstücke anfertigen lässt – eins für den DenkOrt und eins für eine Gedenkstätte in der Gemeinde selbst. Acht Kommunen haben das Projekt bereits umgesetzt, darunter Kitzingen, Marktbreit, Gemünden und Marktheidenfeld. Der zentrale Denkort am Hauptbahnhof wird die von Künstlern und Schülern gestalteten Gepäckstücke auf 14 anthrazitfarbenen Betonfertigteilen unterschiedlicher Größe präsentieren.

    Inspiriert zu der Gestaltung als eine Art Gepäckband wurde Architekt Matthias Braun durch ein historisches Foto vom Gepäck der Deportierten am Güterbahnhof Aumühle: "Meine Idee war es, diese Situation in einer abstrakten Form nachzustellen." Zur Einrahmung des Denkmals soll das historische Basaltpflaster des ehemaligen Güterbahnhofs Aumühle verwendet werden. Hinter den Gepäckstücken werden im Wechsel vier Informationsstelen und drei Sitzbänke in einem Bett aus Gleisschotter platziert. Insgesamt wird der "DenkOrt Deportationen" eine Fläche von knapp 220 Quadratmetern haben, dahinter wird der Ringpark neu gestaltet und erweitert.

    Erinnerungen erhalten

    Warum das geplante Denkmal auch für Angehörige der deportierten und ermordeten Juden wichtig ist, erläuterte David Hanauer, dessen Großeltern und Onkel von Würzburg aus nach Riga deportiert und dort getötet wurden: "Ein Denkmal wie dieses erinnert an die Ungerechtigkeit, die hier begangen wurde. Und das ist besonders wichtig, weil es auch heutzutage immer noch Menschen gibt, die dieselben irrsinnigen rassistischen Lügen über jüdische Menschen glauben wie damals." Hanauer bedankte sich dafür, dass die Erinnerung an seine Familie und die übrigen deportierten unterfränkischen Juden durch das Denkmal in Würzburg am Leben erhalten bleibt.

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