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    Würzburg: Legionellen-Alarm im Trinkwasser

    Legionellen sind Bakterien, die über Aerosole beim Duschen eingeatmet werden können. Foto: Daniel Karmann, dpa

    Legionellen-Alarm im Leitungswasser: Im Klinikum Würzburg Mitte, Standort Missioklinik, ist in mindestens einem Zimmer der gesetzlich erlaubte Grenzwert für diese Bakterien überschritten worden. Ein weiterer Legionellen-Befall ist nach Informationen dieser Redaktion in mindestens drei Häusern eines Wohnblocks mit etwa 30 Wohnungen im Würzburger Frauenland entdeckt worden. Legionellen können im schlimmsten Fall schwere Lungenschäden verursachen und zum Tod führen. Wie man sich schützen kann, erklärt Ulrich Vogel, Professor für Krankenhaushygiene und Medizinische Mikrobiologie an der Universität Würzburg. Vogel leitet darüber hinaus die Stabsstelle Krankenhaushygiene des Uniklinikums.

    Prof. Ulrich Vogel, Institut für Hygiene und Mikrobiologie der Universität Würzburg Foto: Daniel Peter

    Frage: Wie gelangen Legionellen ins Trinkwasser?

    Ulrich Vogel: Legionellen sind Bakterien, die in Gewässern und Grundwasser vorkommen. Sie vermehren sich vor allem im Warmwasserbereich von Hausinstallationen, wenn die Temperatur nicht ausreichend hoch ist. Auf der sicheren Seite ist man erst ab 50 bis 55 Grad Celsius.

    Wer ist gefährdet?

    Vogel: Gesunde, junge Menschen erkranken selten an Legionellen. Ältere Menschen sind gefährdeter, vor allem Menschen mit Infektabwehrschwäche oder Lungenproblemen.

    Wie steckt man sich an?

    Vogel: Die meisten Menschen infizieren sich, indem sie Schwebeteilchen einatmen, zum Beispiel beim Duschen. Legionellen verbreiten sich auch über Whirlpools. Ausbrüche von Legionellen-Infektionen gab es in Deutschland 2010 und 2013 in Ulm und in Warstein, als sich regelrechte "Legionellen-Wolken" über Rückkühlwerke von Industrieanlagen verbreiteten. Infolgedessen wurde die Bundes-Immissionsschutzverordnung geändert.

    Wie gefährlich sind Legionellen?

    Vogel: Wenn Menschen die Bakterien über die feuchte Luft einatmen, können sie in die Lunge gelangen und dort eine schwere Entzündung auslösen. Im schlimmsten Fall müssen die Patienten intensivmedizinisch betreut und ihr Blut außerhalb der Lunge mit Sauerstoff versorgt werden. Die Sterblichkeit der Legionärskrankheit liegt bei zehn Prozent. Antibiotika werden zur Therapie benötigt. In leichten Fällen verläuft die Erkrankung wie ein grippaler Infekt.

    2011 hat die Trinkwasserverordnung Legionellen als Parameter aufgenommen...

    Vogel: ...und verpflichtet Betreiber von Krankenhäusern, Altenheimen, Hotels oder großen Mietshäusern, die ein bestimmtes Volumen an Warmwasser verteilen, zu regelmäßigen mikrobiologischen Untersuchungen. Erlaubt sind 100 Legionellen pro 100 Milliliter Wasser. 

    Ab 101 Legionellen pro 100 Milliliter Wasser muss man aktiv werden?

    Vogel: Genau. Laut Trinkwasserverordnung ist das ein Indikator dafür, dass etwas mit der Hausinstallation nicht stimmt. Ab 10.000 Legionellen pro 100 Milliliter ist Gefahr in Verzug; dann kann zum Beispiel ein Duschverbot sicherstellen, dass sich niemand ansteckt. 

    Was kann mit dem Gebäude nicht stimmen?

    Vogel: Wasserleitungen müssen gespült werden, damit sie nicht verkeimen. Steht Wasser, wird es gammelig. Es kann aber auch sein, dass das warme Wasser im Haus schlecht verteilt wird und auf dem Weg abkühlt, dass eine Pumpe defekt ist oder zu niedrige Temperaturen im Boiler vorherrschen.

    Was passiert, wenn eine Überschreitung der Grenzwerte gemeldet wird?

    Vogel: Das Gesundheitsamt verlangt eine Ortsbegehung, einen Ursachenbericht und Maßnahmeplan. Oft ermittelt ein externer Experte den Stand der Technik. Das Ganze ist nicht billig. Doch bei schlecht geführten Anlagen ist eine Sanierung für Mieter oder Hotelbesucher eine absolute Verbesserung.

    Wie viel kann so etwas kosten?

    Vogel: Das hängt vom Einzelfall ab. Zumeist sind kleine Korrekturen ausreichend. In schwierigen Fällen kostet ein Gutachten für ein großes Gebäude wie ein Krankenhaus eine Summe im unteren fünfstelligen Bereich. Wenn Sie anschließend Wasserleitungen erneuern müssen, kann es teuer werden.

    Hilft es kurzfristig, das Wasser stark zu erhitzen, um Legionellen abzutöten?

    Vogel: Im Krankenhaus ist das wegen der Verbrühungsgefahr beim Duschen problematisch. Auf jeden Fall muss die Temperatur im Warmwasserbereiter und in den Leitungen ausreichend hoch sein.

    Was kann man sonst tun?

    Vogel: Man sollte die Leitungen kräftig spülen, damit die Biofilme abgeschwemmt werden. Manchmal werden mobile Chloranlagen aufgestellt oder bakteriendichte Filter an den Duschköpfen angebracht.  Danach überlegt man sich die weiteren Schritte.

    Wie häufig treten Legionellen auf?

    Vogel: Das hängt auch vom Alter des Gebäudes ab. Bei einem Altbau mit verwinkelter Wasserinstallation, in der immer wieder neue Leitungen verlegt und alte nicht zurückgebaut wurden, treten sie häufiger auf.

    Wie viele Patienten werden derzeit an der Würzburger Uniklinik wegen Legionellen behandelt?

    Vogel: Erst Ende November wurde wieder ein schwer kranker Patient aufgenommen. Pro Jahr werden etwa acht bis zehn Patienten aus einem Umkreis von 100 Kilometern bei uns auf den Intensivstationen behandelt. In Deutschland werden 600 bis 800 Fälle pro Jahr gemeldet. Viele Fälle werden aber nicht erfasst. Seit meiner Zeit als Krankenhaushygieniker am Uniklinikum (2008) habe ich glücklicherweise noch keinen - im Krankenhaus erworbenen - Legionellen-Fall registriert.

    >Lesen Sie hier, was gegen die Legionellen in Würzburg getan wird: Legionellen-Befall: Auch Missioklinik betroffen

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