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    Würzburg: Wie die Stadt Einwegbechern den Kampf ansagen will

    2,8 Milliarden Einwegbecher landen in Deutschland pro Jahr im Müll oder auf der Straße. Die Stadt Würzburg will dies nun vermeiden. Hierfür prüft sie ein bundesweites Pfandsystem für Mehrwegbecher. Foto: Getty Images

    Jede Stunde landen in Deutschland laut Deutscher Umwelthilfe 320 000 Einwegbecher im Müll. Das sind 2,8 Milliarden im Jahr. Für deren Herstellung werden zehntausende Tonnen Holz und Kunststoff sowie Milliarden Liter an Wasser benötigt. Unmut darüber ist oft zu hören, konkrete Schritte dagegen gibt es vergleichsweise selten. Dabei gibt es in einigen Großstädten schon eine Lösung: To-Go-Becher mit Pfand, die bei mehreren Anbietern wieder zurück gegeben werden können. Auch eine Idee für Würzburg? Dies prüft nun die Stadt.

    In Würzburg ist das Problem des Plastikmüllaufkommens bekannt. Die Stadt hat dem Einwegbecher schon vor einiger Zeit den Kampf angesagt. So dürfen bei Veranstaltungen, die auf Grundstücken oder in Einrichtungen der Stadt durchgeführt werden, Speisen und Getränke ausschließlich in wiederverwendbaren Verpackungen sowie mit wiederverwendbaren Bestecken ausgegeben werden. Außerdem gibt es seit 2017 den Würzburger "Coffee-To-Go-Again-Becher", ein wiederverwendbarer Becher, der zu 100 Prozent aus nachwachsenden Rohstoffen besteht. Gekauft werden kann der bunte Becher im Würzburger Weltladen, dem Unverpacktladen oder im Casino der Stadt Würzburg. Bislang kann der Becher jedoch erst in drei Cafés beziehungsweise Bäckereien aufgefüllt werden: der Kaffeemanufaktur in der Spiegelstraße, den Filialen der Vollkornbäckerei Köhler sowie der Bäckerei Brandstetter.

    Ist ein bundesweites Pfandsystem für Mehrwegbecher eine Lösung?

    "1300 mal wurde der Becher bislang verkauft", berichtete Werkleiter Wolfgang Kleiner kürzlich im Werkausschuss des Stadtrates. Dies sei zwar eine zufriedenstellende Zahl, jedoch "befinden wir uns gerade in einer Art Bewusstseinsfindung und Generationswechsel, bei dem solche Themen immer wichtiger werden. Uns bleibt gar nichts anderes übrig, auch im Sinne der Umwelt, als dass wir uns an solchen Aktionen mitbeteiligen." Mit "solchen Aktionen" meinte Kleiner einen Antrag von Stadtratsmitglied Antonino Pecoraro (Bündnis 90/Die Grünen) auf Vermeidung von Einwegbechern. Denn es soll eine bessere Lösung her. Die Stadt prüft nun das bundesweite System "Recup".

    Dies ist ein Pfandsystem für Coffee-to-go Mehrwegbecher. "Das System spricht Kunden an, die den eigenen Becher nicht immer dabei haben wollen und ergänzt den städtischen To-Go-Becher", sagt Stadtsprecher Georg Wagenbrenner auf Anfrage. Es funktioniert folgendermaßen: Die Geschäftsleute zahlen pro Filiale und pro Tag für die Teilnahme am System von "Recup" einen Euro als Lizenzgebühr für deren Verwendung. "Recup" übernimmt hierfür den Service, indem sie die Becher bereitstellen. Das System kann theoretisch parallel zum bisherigen Einwegbecher betrieben werden, sodass der Kunde immer noch entscheiden kann, welche Variante er nutzen möchte. Der Teilnehmer bietet dann das Getränk im Ein-Euro-Pfandbecher an. Der Kunde kann den Becher dann bundesweit bei jedem teilnehmenden Café wieder abgeben und bekommt den Pfand zurück.

    Zwei Würzburger Cafés bieten "Recup"-Becher an

    Teilnehmende Stellen kann man beispielsweise in der "Recup"-App finden. Zwei Würzburger Cafés machen bereits auf eigene Faust mit. Das Hülsemann's an der Marienkapelle sowie das Café Vue am Mainkai. Dort kommt das Konzept bislang sehr positiv an. "Wenn man den Kunden die Wahl gibt zwischen einem ,Recup'-Becher und einem Einwegbecher, entscheiden sich viele für die Mehrwegversion", erzählt Inhaberin Joanna Mazur. Sie kenne das System schon seit mehreren Jahren, in diesem Jahr hat sie sich dazu entschieden, dies auch in ihrem Café am Mainkai einzuführen. Sie würde es befürworten, wenn sich auch andere Würzburger Gastronomen dafür entscheiden würden. "Ich habe einige sogar gefragt, die wollten aber leider nicht." Grund seien mangelnder Lagerplatz für die Becher, Zeit- und auch Geldaufwand gewesen. 

    Das Café Vue hat in diesem Jahr das Recup-System eingeführt. Der Becher kostet den Konsumenten einen Euro Pfand. Foto: Sophia Scheder

    Die Stadt hingegen sieht hier keine Probleme. "Wir sind optimistisch, dass sich viele Partner finden", sagt Stadtbeauftragter André Hahn. "Letztlich folgt diese Initiative einem großen Trend hin zu nachhaltigem und verantwortungsvollem Konsumverhalten."

    Plastikmüll mit Plastikbechern vermeiden?

    Der Pfandbecher besteht aus Polypropylen (PP), einem schadstofffreiem Kunststoff. Plastikbechermüll durch einen Pfandbecher aus Plastik vermeiden, mag im ersten Augenblick widersprüchlich klingen, aber "wir haben lange recherchiert und abgewägt", schreibt das Unternehmen auf seiner Homepage. Für einen Mehrweg-Pfandbecher sei dies momentan die nachhaltigste Alternative. Dies begründet das Unternehmen damit, dass das Material langlebiger und gut recyclebar sei. 1000 Pappbecher werden so durch einen Mehrwegbecher ersetzt.

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    Auch der Studentische Konvent der Uni Würzburg hat sich vor zwei Jahren Gedanken darüber gemacht, wie der Müll der Einwegbecher vermieden werden kann. Sie forderten eine Änderung: Künftig sollten für bislang kostenlose Einweg-Kaffeebecher zehn Cent Gebühr erhoben werden. Außerdem solle der Kaffee an den Automaten um zehn Cent billiger sein, wenn er in mitgebrachte Becher läuft. Ferner bat man das Studentenwerk, Mehrwegbecher zum Verkauf anzubieten. Zum Wintersemester setzte das Studentenwerk die Wünsche um – mit einem fatalen Ergebnis: Statt in der Cafeteria zehn Cent für den Einwegbecher auszugeben, griffen Studierende nun verstärkt zu den Gratis-Keramiktassen und nahmen sie reihenweise mit aufs Gelände, statt sie in der Geschirr-Rückgabe abzustellen. Rund 3000 Tassen mussten damals nachgekauft werden. Nach kurzer Zeit wurden die Einwegbecher wieder eingeführt. 

    Mehrweg-Desaster an den Hochschulen: Wegen Massendiebstahls musste das Studentenwerk wieder Einwegbecher einführen. Foto: Thomas Obermeier

    Dies könnte mit dem "Recup"-System vermieden werden. Ein erstes Gespräch mit der Stadt und dem Start-Up werde Anfang Mai stattfinden, wie Kleiner berichtet. "Wir wollen einen Gesprächskreis organisieren und schauen, wie das System weiter umgesetzt werden kann." Hierbei denke man aber nicht an ein Konkurrenzprodukt zum Würzburg-Becher, sondern an zwei unterschiedliche Systeme, die miteinander harmonieren können. Denn die Hauptsache sei schließlich, das Plastikmüllaufkommen einzudämpfen.

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