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    Würzburg

    Würzburg wird zentraler Projektstandort für SuedLink

    Die weitere Umsetzung der Stromtrasse SuedLink soll künftig von Unterfranken aus gesteuert werden. Nur: Gerade hier ist der Protest gegen das Milliardenprojekt massiv.
    Planung, Genehmigung und Bau der umstrittenen Stromtrasse SuedLink sollen künftig zentral von Würzburg aus gesteuert werden. Foto: Patrick Pleul, dpa

    Wie es mit der umstrittenen Stromtrasse SuedLink weitergeht, wird künftig von Unterfranken aus gesteuert. Dafür haben die beiden Netzbetreiber Tennet und TransnetBW einen zentralen Dienstleister beauftragt. Das amerikanische Unternehmen Jacobs Engineering soll fortan die verschiedenen Aspekte des Milliardenvorhabens wie Planung, Genehmigung, Einholung von Dienstbarkeiten und Bau als zentrale Anlaufstelle koordinieren, heißt es in einer gemeinsamen Mitteilung der Netzbetreiber. Standort des Projektes ist Würzburg, zuständig ist es für die gesamte Trasse. In der Region ruft das zwiespältige Reaktionen hervor.

    Bis 2026, so ist es geplant, soll der SuedLink fertiggestellt sein. Über rund 700 Kilometer wird dann per Erdkabel Windstrom von der Nordsee in den Süden Deutschlands transportiert. Derzeit läuft die Genehmigungsphase; voraussichtlich noch in diesem Jahr entscheidet die Bundesnetzagentur über den vorgeschlagen Korridor, der den Verlauf bestimmt.

    Angesichts des ehrgeizigen Zeitplans, der Projektgröße und der steigenden Erwartungen von Politik und Öffentlichkeit komme der Steuerung beim Projekt SuedLink eine wichtige Rolle zu. Um dieser gerecht zu werden, habe man sich für das Modell mit einem zentralen Dienstleister entschieden, so Tennet-Geschäftsführer Tim Meyerjürgens. Auf dem internationalen Markt habe sich das bewährt.

    In Deutschland ist es nach Angaben der Netzbetreiber eine Premiere. Ähnlich wie ein Bauherr beim Hausbau geben Tennet und TransnetBW den Rahmen vor, definieren technische Vorgaben und überwachen die Arbeit von Jacobs Engineering. Das Unternehmen kümmert sich um die konkrete Umsetzung der Vorgaben, vom Genehmigungsverfahren bis zum Bau.

    Bürgerinitiative kritisiert: Regionale Einwände würden nicht berücksichtigt

    Unter kommt die Koordinationszentrale in der Alten Dampfwaschanstalt im Würzburger Stadtteil Zellerau. Dort sollen ab Oktober zunächst 130 Mitarbeiter tätig sein, später bis zu 250, darunter unter anderem Ingenieure, Archäologen, Landschaftsplaner, Biologen, Geologen und Projektmanager. "Würzburg eignet sich als neuer Projektstandort zum einen durch die räumliche Nähe zum geplanten Trassenverlauf – der Netzverknüpfungspunkt Bergrheinfeld/West ist beispielsweise nur 27 Kilometer Luftlinie entfernt", teilte David Moser, Sprecher von TransnetBW, auf Anfrage mit. Zudem liege die Stadt zwischen den Unternehmenssitzen der beiden Netzbetreiber in Stuttgart und Bayreuth. Auch die Anbindung an den Fernverkehr der Bahn sei ein Pluspunkt.

    Klaus Walther, Oberster Wirtschaftsförderer der Stadt Würzburg, begrüßt die Entscheidung der Netzbetreiber. "Wir freuen uns natürlich über 130 Arbeitsplätze bei einem namhaften Arbeitgeber", sagt Walther. Das könne nur positiv für die Stadt sein.

    Mittelfristig sollen laut der Netzbetreiber entlang der Trasse weitere Projektbüros entstehen. Ziel sei es, durch die regionale Präsenz "einvernehmliche Lösungen mit den betroffenen Menschen vor Ort" zu entwickeln.

    In Unterfranken und gerade um Schweinfurt ist der Protest gegen SuedLink besonders laut. Im Bild protestieren Gegner der Trasse per Schlepper-Kolonne gegen die Stromautobahn. Foto: Anand Anders

    Bei der Bürgerinitiative (BI) "Bergrheinfeld sagt Nein zu SuedLink" sieht man das skeptisch. Für ihn sei der neue Projektstandort "sehr dubios" und eine Verschwendung von Geldern, sagt BI-Sprecher Norbert Kolb. Aber, so seine Vermutung, "vielleicht schaffen sie es nicht alleine". Dass Tennet und TransnetBW mit dem Projekt in Würzburg tatsächlich regionale Zusammenarbeit suchen, bezweifeln Kolb wie auch Richard Bethmann, der ebenfalls Mitglied der BI ist. "Die Betreiber nehmen die Einwände der Bürger nicht ernst und berücksichtigen sie nicht", so Bethmann. So habe die Bi beispielsweise auf einen mehrfach eingereichten Katalog mit Fragen noch immer keine Antworten von Tennet und TransnetBW erhalten.

    Das Projekt SuedLink und die Proteste
    Auf insgesamt rund 700 Kilometern soll der SuedLink per Erdkabel Strom von der Nordsee in den Süden Deutschlands transportieren. Von Schleswig-Holstein soll die Strecke westlich an Hannover vorbei über Nordhessen und Südthüringen nach Bayern und Baden-Württemberg führen. Ihren "Vorschlagskorridor" für die genaue Trasse haben die beiden zuständigen Netzbetreiber Tennet und TransnetBW im Februar bei der Bundesnetzagentur eingereicht. Diese will bis voraussichtlich Ende des Jahres entscheiden, ob sie dem Vorschlag zustimmt. Tennet und TransnetBW rechnen mit rund zehn Milliarden Euro Investitionskosten für den SuedLink. 2022 soll der Bau beginnen und vier Jahre später Strom fließen.
    In ganz Deutschland haben sich mehr als 60 Bürgerinitiativen gegen SuedLink zu einem Bundesverband zusammengeschlossen. Ihr Hauptvorwurf: Mit der Energiewende habe das Projekt nicht viel zu tun. Da die Trasse in den europäischen Strommarkt eingebunden werden soll, könnten auch Atom- und Kohlestrom darüber fließen. Hinzu kommt Kritik am geplanten Verlauf des Korridors. Gerade auch in Unterfranken gab und gibt es zahlreiche Proteste gegen die Stromautobahn. (sp)

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