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    Würzburg

    Würzburger Adventskalender: Letzte Rettung im Dönerladen

    Adventskalender-Autor Michael Ende hatte sich eigentlich auf einen gemütlichen Heiligabend gefreut. Doch dann musste er zu Hause eine frustrierende Entdeckung machen.
    + Foto: Peter Steffen, dpa

    Dezember 1997. Ich hatte mein Studium frisch abgeschlossen und war in Schweinfurt als Gemeindepädagoge tätig. So war ich am Heiligabend durch und durch damit beschäftigt, den Familiengottesdienst mit der von mir neu gegründeten Kirchenband auszugestalten. Am ersten Feiertag wollte ich dann meine Eltern besuchen.

    Nach dem Gottesdienst machte ich mich auf den Heimweg. Die Klänge und Eindrücke des Gottesdienstes schwangen noch in mir nach. Ich freute mich auf den Feierabend und ein leckeres Essen. In meinem Magen breitete sich vorfreudiges Grummeln aus. Doch dann kam die Erkenntnis: Ich hatte nichts Essbares im Haus. Da ab dem ersten Feiertag kulinarisches Verwöhnprogramm bei Mama angesagt war, hätten Einkäufe keinen Sinn gemacht. Moment, eine halbe Packung Reis müsste noch da sein. Nur was dazu und woher nehmen?

    Der Magen knurrte – und das am Heiligen Abend

    Die Geschäfte hatten längst geschlossen und auch die Restaurants gönnten sich eine Auszeit. Ich mochte die Stimmung, die sich in den Straßen ausbreitete, als alle Lichter gedämpft waren und alles Geschäftige zum Erliegen gekommen war. Doch mein Magen sah das anders.

    Statt wie Josef und Maria nach einer Herberge Ausschau zu halten, pilgerte ich nach Essbarem suchend durch die Straßen. Nach einiger Zeit erspähte ich ein Geschäft, in dem noch Licht brannte. Durchs Schaufenster erblickte ich einen brutzelnden Dönerspieß. Erleichtert trat ich ein, ließ mir einen Döner einpacken und bedankte mich überschwänglich bei meinem Retter – der meine Begeisterung nicht so recht verstehen konnte. War es doch für ihn ein normaler Arbeitstag. Dieses Heiligabenderlebnis ist für mich bis heute ein Symbol dafür, dass religiöse Vielfalt – mit verschiedenen Feiertagen – bereichern kann.

    Text: Michael Ende

    Michael Ende ist freiberuflicher Musiker und Referent für Popularmusik in der evangelischen Kirche in Bayern.

    In der Kolumne „Würzburger Adventskalender“ erzählen Menschen aus Würzburg Anekdoten rund um Advent und Weihnachtsfest.

    Bearbeitet von Torsten Schleicher

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